In dieser Ausgabe:
>> "El Regreso de los Gigantes" in Buenos Aires
>> Robert und Sonia Delaunay im Centre Pompidou
>>  Haiku-Meister der amerikanischen Psyche
   >> Rosenquist: die Retrospektive
   >> Ein Interview mit James Rosenquist

>> Zum Archiv

 

James Rosenquist: eine Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum

Am 17. Oktober hat das Solomon R. Guggenheim Museum in New York seine große James Rosenquist-Retrospektive eröffnet. Mit rund 200 Werken bietet die Ausstellung eine erste umfassende Gesamtschau seiner Arbeiten. Die Deutsche Bank ist Sponsor und außerdem als Leihgeber mit wichtigen Exponaten vertreten.

"Ich interessiere mich für zeitgenössischen Erscheinungen - das Flackern von Chrom, schnelle Assoziationen, Lichtblitze. Bing-bang! Ich erzählte keine Anekdoten. Ich versammle Erfahrungen." James Rosenquist

James Rosenquist, geboren 1933 im Mittleren Westen, gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Pop art. Begonnen hat er seine Karriere auf dem Times Square in New York. Bereits in den frühen sechziger Jahren entwickelte er seine eigene Form des "Neuen Realismus", indem er Motive aus Anzeigen und Plakatwerbung zerlegte, neu kombinierte und auf großformatige Leinwände übertrug. Doch Rosenquists Arbeiten beschränkten sich nie darauf, alltägliche Sujets kunsttauglich zu machen. Seine Bildwelt begleitet immer auch der kritische Kommentar. Sein erstes Environmental Painting F-111, entstanden nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Vietnam, vereinigt den gleichnamigen Jagdbomber, ein lächelndes Mädchen unter einer Trockenhaube und den atomaren Feuerball einer Nuklearbombe in einer Vision der amerikanischen Kultur, die einer schockierten Öffentlichkeit 1965 die enge Nachbarschaft von Euphorie und Katastrophe darlegte. "Ungeachtet der enormen Größe vieler seiner Gemälde ist James Rosenquist der Haiku-Meister der amerikanischen Psyche", schreibt Michael Kimmelman zur Eröffnung der Ausstellung in der New York Times.



James Rosenquist
Study for "The Swimmer in the Econo-mist", 1997
Sammlung Deutsche Bank, ©VG Bild-Kunst Bonn 2003


Auch wenn Rosenquists Oeuvre bereits in zahlreichen großen Ausstellungen dokumentiert wurde, ist James Rosenquist: A Retrospective seit 1972 die erste umfassende Präsentation, die sämtliche vom Künstler eingesetzte Techniken berücksichtigt. Rosenquist ließ in seinen Werken künstlichen Bodennebel aufsteigen, um auch die Decke und den Boden seines Bild-Raumes zu entmaterialisieren. Er verwendete herabhängende, bemalte Kunststofffolien, um seine Collagetechnik in die dritte Dimension zu überführen. Diese Technik ermöglichte es ihm, rätselhafte und visionäre Bildkompositionen zu erschaffen, in denen sich erzählerische und abstrakte Strukturen überlagern.

Neben seinen Gemälden, darunter President Elect (1960-61/1964), F-111 (1964-65) und Industrial Cottage (1977), zeigt die Ausstellung erstmals auch eine große Zahl seiner Collagen, die er als Vorarbeiten fertigte. Die Collagen geben einen Einblick in die Entstehung seiner großformatigen Werke und erläutern zugleich Rosenquists malerische Technik.



James Rosenquist
Study for "The Swimmer in the Econo-mist", 1997
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2003


Obwohl er eine unverkennbar amerikanische Stimme entwickelt hat, kommentiert Rosenquists Werk populäre Kultur, Geschichte und Politik aus einer globalen Perspektive. Dies zeigt besonders deutlich eine Leihgabe aus der Sammlung Deutsche Bank, die in der New Yorker Ausstellung zu sehen ist: The Swimmer in the Econo-mist (Der Schwimmer im Wirtschaftsnebel), das 1998 - im Rahmen des von der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation konzipierten Ausstellungsprogramms - die erste an einen Künstler vergebene Auftragsarbeit im Deutsche Guggenheim in Berlin war.

Das mit insgesamt über 48 Meter Länge größte Gemälde Rosenquists setzt nicht nur farbgewaltig die deutsche Wiedervereinigung ins Bild, sondern zieht den Betrachter in einen Sog von wechselnden Motiven und Perspektiven: Es ist ein "Tagebuch der Gewitterstimmung unserer Zeit", wie Rosenquist in einem Interview mit Robert Rosenblum erklärte. Die wilde, unbändige Energie dieses Bildes zeigt nicht nur den politischen, sondern auch den "wirtschaftlichen Tumult, den wir in den letzten paar Jahren erleben. Rauf und runter, rauf und runter, rauf und runter. Außerdem ist die ganze Welt in Aufruhr, weil die nuklearen Machtrollen nicht mehr gelten. Es herrscht großer Optimismus, aber andererseits auch Pessimismus. Es geht also äußerst lebhaft zu", sagt James Rosenquist über sein Bild, das nach Beendigung der Retrospektive wieder seinen Platz in der Lobby von Winchester House, dem Hauptsitz der Deutschen Bank in London, einnehmen wird.

Neben The Swimmer in the Econo-mist zeigt die Retrospektive in New York eine Reihe von Vorzeichnungen, die die Entstehung des Werks dokumentieren, und weitere Arbeiten von Rosenquist aus der Sammlung Deutsche Bank.


see.


James Rosenquist
"The Swimmer in the Econo-mist", 1997
Sammlung Deutsche Bank, © VG Bild-Kunst, Bonn 2003



James Rosenquist: A Retrospective wird vom 17.10.2003 bis 25.1.2004 im Solomon R. Guggenheim Museum in New York gezeigt. Anschließend wandert die Ausstellung in das Guggenheim Museum Bilbao.