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Visualisierte Wunschträume:
Miwa Yanagi im Deutsche Guggenheim in Berlin



Vom 31. Januar bis 28. März 2004 stellt das Deutsche Guggenheim in Berlin erstmals das Werk der 1967 in Kobe geborenen Miwa Yanagi in einer musealen Einzelausstellung vor. Yanagis Frauen-Porträts durchleuchten die gelebte Realität im modernen Japan hintergründig und verbinden sie mit surrealen Zukunftsvisionen.


Miwa Yanagi: Mineko, 2002,
Sammlung Deutsche Bank, © Miwa Yanagi

Miwa Yanagis serielle Werke entspringen einer genauen Beobachtung der japanischen Gesellschaft und thematisieren Rollenmuster, Erscheinungsbilder und Gruppenzugehörigkeiten, vor allem im Hinblick auf die Lebens- und Denkweisen von Frauen. Die auf Erinnerungen, Vorstellungen und Wunschbildern basierende Recherche der Künstlerin spiegelt sich in mehreren großen Reihen, von denen die Guggenheim-Schau, neben einigen frühen Beispielen von 1994 und drei ganz neuen Fotografien, insbesondere die Serien Elevator Girls (1993-99) und My Grandmothers (seit 1999) zeigt.

Yanagis am Computer bearbeitete Bilder sind Bildsynthesen fotografischer Aufnahmen mit Digital-Kamera und computergenerierten Bildelementen, die zu täuschend realen Kompositionen verarbeitet werden. Die so von ihr erschaffenen Raumvisionen haben nichts mehr von der Wirklichkeit an sich, aus der sie ursprünglich entstammen.

Elevator Girls zeigt identisch uniformierte junge Frauen, die in utopisch anmutenden, geschlossenen Räumen posieren. Die Frauen wirken anonym und austauschbar, nichts individuelles haftet ihnen an. Die dargestellten Situationen sind alptraumhaft entrückt und verweisen dennoch auf konkrete Erfahrungen der Künstlerin: "Nach dem Universitätsabschluss habe ich als Lehrerin gearbeitet und in dieser Zeit die Serie angefangen. Damals hatte ich das starke Gefühl, ich würde nur eine Rolle in einer standardisierten Gesellschaft spielen. Ich ging einer bestimmten Arbeit in einer bestimmten Umgebung nach. Ich arbeitete nicht tatsächlich als Aufzugsmädchen, aber es kam mir so vor. Sie waren für mich ein Symbol. Sie stellten mich und meine Situation dar."


Miwa Yanagi: Geisha (Akiyo, Mai, Hitomo, Noriko), 2002,
Sammlung Deutsche Bank © Miwa Yanagi

In My Grandmothers hat Yanagi den Ansatz für ihre Untersuchungen umgekehrt. Hier steht das Individuum mit seinen Wünschen und Vorstellungen im Mittelpunkt. Danach befragt, wie sie sich denn selbst in 50 Jahren vorstellen, haben Frauen im Alter zwischen 20 und 30 ihre Visionen vom Alt-sein beschrieben. Miwa Yanagi inszeniert diese Ideen zu Zukunftsbildern einer Welt, in der die Menschen zwar alt aussehen, sich aber weiterhin jugendlichen Lebensentwürfen hingeben. Neben den Fotografien finden sich denn auch von der Künstlerin aus den Antworten entworfene Statements, die das dargestellte nochmals auf faszinierende Art überhöhen.

Miwa Yanagis synthetische Fotografien sind visualisierte Wunschträume, die die Suche des Menschen nach Befreiung und Erfüllung in einer von Konventionen bestimmten Gesellschaft sichtbar machen.


Die Ausstellung Miwa Yanagi wird vom 31.01.- 28.3.2004 im Deutsche Guggenheim in Berlin gezeigt. Öffnungszeiten täglich 11 bis 20 Uhr, Donnerstags bis 22 Uhr.