The Wrong Gallery
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Etwas versteckt findet sich inmitten der Museumssammlung eine Ausstellung der
Wrong Gallery. Kuratiert wurde die Schau mit dem Titel Down by Law
von
Maurizio Cattelan,
Massimiliano Gioni and
Ali Subotnik, die gemeinsam für die diesjährige
Berlin Biennale verantwortlich zeichnen. Eigentlich hatten die drei ein
etwas abseitiges Abenteuer versprochen. Aber dann präsentieren sie doch
eine cool inszenierte Schau in klassischer Hängung, für die sie sich aus
der hauseignen Sammlung bedient haben – mit Werken von
Andy Warhol,
Chris Burden,
Matthew Antezzo, Robert Mapplethorpe
und Dread Scott. Es
wirkt als wäre das aufmüpfige Benehmen zur Pose verkommen. Wie hatte
Cattelan doch gesagt: "Früher haben wir so getan, als ob, jetzt handeln
wir." Was kommt wohl als nächstes?
Es lohnte sich, einen Blick auf die Gemälde von
Ed Paschke zu werfen, der auch von
Jeff Koons sehr geschätzt wird. Oder die Bilder von
Kelley Walker, der gerade in aller Munde ist, oder die Arbeit von
Gedi Sibony, der ebenfalls schwer im Kommen ist – sozusagen eine zweite
Generation von Künstlern wie
Richard Tuttle oder Tom Sachs, die
gleichfalls mit Fundstücken und Weggeworfenem arbeiten. Und wo wir gerade
wieder bei der Spurensicherung sind – die einzig ausgebildete
Kriminalfotografin auf der Biennale ist auf jeden Fall
Angela Strassheim. Ihre Bildmotive schließen die eigene Großmutter im
offenen Sarg ebenso mit ein wie das Spiegelbild ihres Schwagers, der
seinem Sohn die Haare kämmt. In ihren sensiblen Arbeiten finden sich
Anklänge an
Nan Goldin,
Gregory Crewdson, Dana Hoey
and
Malerie Marder.

Angela Strassheim, Untitled (Father and Son), 2004
Mit kriminalistischem Gespür zog das Kunstvolk von einem Tatort zum anderen:
In den folgenden Tagen konnte man alle auf der Biennale erspähten
Künstler, von Jeff Koons,
Marina Abramovich und
Doug Aitken über Gedi Sibony, Pierre Huyghe und Rirkrit Tiravanija, in
Taxis steigen und quer durch die Stadt in Richtung Armory Show fahren
sehen. In diesen Strom reihten sich Kuratoren, Sammler, Banker und
Galeristen mit ein. Die Gesprächsthemen reichten vom Lästern über die
Whitney-Biennale bis hin zur Diskussion über das Fehlen bekannter
Gesichter auf der Armory. Fast jeder wunderte sich, warum so renommierte
Galerien und Händler wie
Marian Goodman,
Sadie Coles, Daniel Reich
, The Gladstone Gallery,
Luhring Augustine,
Andrea Rosen und Tanya
Bonakdar diesmal nicht erschienen waren. Aber um der Wahrheit genüge
zu tun, Barbara Gladstone wurde am Stand von
Jay Jopling gesichtet, und auch Tanya Bonakdar durchstreifte die
Standreihen.

Jay Joplings White Cube Gallery auf der Armory Show
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Letztendlich geht es bei der Armory Show um das Geschäft
und Messechef Matthew Marks war
ganz in seinem Element. Die seit über einem Jahrzehnt bestehende
Veranstaltung wirkt wie ein weiteres Standbein der großen Messen in Miami,
Köln, Basel oder London. 1994 debütierte die von den beiden an Krebs
gestorbenen Galleristen
Pat Hearn und Colin de Land gemeinsam
mit Matthew Marks und Paul
Morris ins Leben gerufene Schau noch als Gramercy International
Contemporary Art Fair. Inzwischen ist sie ein internationales
Schwergewicht unter den einschlägigen Messen. Dem Anlass entsprechend ist
der Eröffnungsabend immer ein Gala-Event, bei dem der Gastgeber, das
Museum of Modern Art, zugleich Spenden sammelt.

Alex Katz bei Thaddeus Ropac
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Die auf den Piers 90 und 92 direkt am Hudson River gelegene Armory Show schien
erheblich mehr auf Malerei fokussiert zu sein als die Biennale; vielleicht
war die Malerei hier aber auch einfach nur besser zu sehen. In jedem Fall
entstand der Eindruck, als hätte jeder Stand ein Gemälde von
Alex Katz im Gepäck, obwohl er bereits bei seinen Stammgalerien
Thaddeus Ropac und Pace
Wildenstein durchaus präsent war. Doch gab es auch jede Menge
Perlenvorhänge sowie den einen oder anderen Kerzenhalter zu sehen, die man
bereits auf der Whitney entdeckt hatte. Videokunst präsentierte sich hier
zumeist in Form fotografischer Standbilder, wie etwa in
Eve Sussmans C-Prints aus ihrem letzten Film Rape of the Sabines.
Im Gegenzug gab es von
Chloe Piene die winzigste Videoinstallation der Welt zu sehen, so klein,
dass man sie kaum bemerkte. Jay Jopling zeigte die Goya Serie der Brüder
Dinos und Jake Chapman in einer etwas größeren Variante als im letzten
Jahr - neben einem der bekannten Arzneimittelschränke von
Damien Hirst. Bei
Jeffrey Deitch erinnerten die Monitore von
Barry McGee an die Videokunst Nam
June Paiks.

Barry McGee bei Jeffrey Deitch auf der Armory Show
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Die von der Lisson Gallery
ausgestellte Silver Screen Door von Rodney Graham war das wohl
schönste Understatement der Messe, zu dem nur die 1.500 Kilogramm schwere
Silberskulptur von
Anish Kapoor am selben Stand in Konkurrenz treten konnte. Eine
extra-große, aus der Wand ragende Skulptur des japanischen Pop-Künstlers
Takashi Murakami gab es bei der Pariser Galerie
Emmanuel Perrotin zu bestaunen - eine eindrucksvolle Jagdtrophäe im für
den Künstler typischen Comic-Format. Diese heldenhafte Geste stand in
klarer Opposition zu den eleganteren und subtileren Arbeiten auf der
Armory. Wer nach der Ochsentour noch stehen konnte, ließ auch die weniger
interessanten Gegenmessen nicht aus – die Scope und die Pulse. Dabei
drängten sich auf der Scope die unerfreulich unprofessionell beleuchteten
Stände dicht an dicht an viel zu beengten Gängen. Man hatte eher den
Eindruck auf einem Hochschulrundgang, als auf einer sorgsam ausgewählten
Präsentation zu sein. Die Pulse kam anmutiger, aber auch wesentlich
konservativer daher. Dort waren ausgiebige Kunstgespräche mit Sammlern die
Regel, als das tatsächlich große Geschäfte getätigt worden wären. Auf der
Armory hingegen drehte sich alles ums Geschäft und das brummte. Wer einen
hatte, ließ sich bei seinen Expeditionen von seinem persönlichen
Kunstberater begleiten. Die, die sich etwas besser auskennen, riefen
einfach zu Hause an, um noch mal um Erlaubnis für den geplanten Kauf zu
fragen. So ist es eben in New York.
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Takashi Murakami
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Übersetzung: Oliver Koerner von Gustorf
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