In dieser Ausgabe:
>> Blind Date Seligenstadt / New York: pa.per.ing / Dialog Skulptur Würzburg
>> "Art of Tomorrow" im Deutsche Guggenheim / Anton Stankowski in Stuttgart

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Wenn sich Welten begegnen:
Im historischen Ambiente von Seligenstadt präsentiert Blind Date die Neuerwerbungen der Sammlung Deutsche Bank



In der Vitrine: Ellen Gallaghers Serie "DeLuxe"

Ungewöhnliche Begegnungen und Verbindungen – die Ausstellung "Blind Date" kombiniert aktuelle Neuankäufe für die Sammlung Deutsche Bank mit Highlights, die bereits seit längerem zum Bestand der weltweit größten Corporate Collection zählen. In der historischen Kulisse von Seligenstadt trifft Wilhelm Sasnal auf Raymond Pettibon oder Rosemarie Trockel auf Joseph Beuys. Oliver Koerner von Gustorf über überraschende Gegenüberstellungen und spannende Zwiegespräche an der ersten Station der neuen Ausstellungsreihe der Deutsche Bank Kunst.




Räume der Prälatur vor dem Aufbau der Ausstellung

Das ehemalige Benediktinerkloster in Seligenstadt ist ein einstiges kulturelles und spirituelles Zentrum, an dem zwei ganz unterschiedliche Energien nachhallen: der Geist von Arbeit und gemeinschaftlichem Gebet und ein unübersehbarer Hang zu weltlichem Prunk. Aus den Steinen eines römischen Kastells ließ Einhard , Gelehrter und Biograph Karls des Großen, 828 jene Pfeilerbasilika errichten, in der er begraben wurde und die bis heute zu den größten im Kern karolingischen noch erhaltenen Kirchenbauten nördlich der Alpen gehört. 1699 wurde die beschauliche Abtei der Benediktiner , die sich mit Tauben- und Bienenzucht beschäftigten, vom damaligen Abt ganz im Geiste des Barock durch die Prälatur ergänzt – einem mächtigen Repräsentationsbau, der mit eigenem Wohntrakt, Wirtschaftsräumen und Kellern im glanzvollen Stil ausgeführt wurde.

Dr. Ariane Grigoteit, Direktorin der Deutsche Bank Kunst, bei der Pressekonferenz zur Eröffnung von Blind Date Seligenstadt


Noch heute kann sich der Besucher im Kreuzgang und im stimmungsvollen Klostergarten in den Geist klösterlichen Lebens hineinversetzen. Nach über siebenjährigen Renovierungsarbeiten ist nun die auch Prälatur nach über 200 Jahren wieder zu besichtigen – ein Haus, das seit seiner Erbauung nur ausgewählten Besuchern zugänglich war. Allerdings befindet es sich im Frühjahr 2006 einem einmaligen Übergangszustand. Vor der Umwandlung in ein historisches Museum sind die aufwendig restaurierten Räume bis auf einige wenige Säle noch völlig unmöbliert.


Eröffnung von Blind Date Seligenstadt


Der Kontrast zwischen der Einfachheit und Klarheit der leer stehenden Räume und den ornamentalen Barock-Gemälden und illusionistischen Malereien an Wänden und Decken scheint wie geschaffen für eine der wohl ungewöhnlichsten Ausstellungen, mit denen die Sammlung Deutsche Bank je vorgestellt wurde.



Dinner im ehemaligen Refektorium anlässlich der
Eröffnung von Blind Date Seligenstadt

Ganz bewusst hat Dr. Ariane Grigoteit, Direktorin der Deutsche Bank Kunst, hierbei einen Ort abseits der üblichen Kunstzentren gewählt. Mit Blind Date werden die Pfade konventioneller Kunstvermittlung verlassen, um ein Experiment zu wagen, bei dem sich aktuelle Kunst, historische Architektur, Sammlungs- und Stadtgeschichte begegnen und überlagern. Die Ausstellung verbindet sich hierbei mit zwei Premieren. Während aus diesem Anlass die Prälatur des Seligenstädter Klosters erstmalig für die Öffentlichkeit zugänglich ist, werden in dem 27-jährigen Bestehen der Sammlung Deutsche Bank auch erstmals die jüngsten Neuankäufe öffentlich vorgestellt.

Blick in einen der Prachtsäle im oberen Geschoss der Prälatur



Wie auch der Ort seine Geheimnisse nicht preisgibt, wenn man ihnen nicht nachspürt, sollen sich auch die Zusammenhänge der Sammlung assoziativ erschließen. "Wir wollten einen Rahmen finden, der die vielfältigen Bezüge der Neuerwerbungen zum Bestand der Sammlung verdeutlicht.", erklärt Ariane Grigoteit. "Das ist uns mit Blind Date gelungen. Die Ausstellung erlaubt sozusagen einen Blick hinter die Kulissen und zeigt, wie unsere Neuankäufe die Sammlung weiterführen. Unterstützt wird diese neue Ausstellungsreihe jedes Jahr durch wechselnde internationale Kuratoren." Für die erste Station der Ausstellungsreihe wurde die junge Londoner Kuratorin Jessica Morgan gebeten, den jüngsten Ankäufen eine Auswahl von bereits in der Sammlung Deutsche Bank befindlichen Arbeiten gegenüberzustellen. Das Ergebnis sind über 40 Paarungen von Künstlern und Arbeiten – ganz unterschiedlich arrangierte Begegnungen zwischen Generationen, Strömungen, Konzepten und Stilen.

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