Das Unsichtbare sichtbar machen
Lubaina Himid mit dem Turner Prize ausgezeichnet

Sie ist die erste schwarze Frau, die mit dem Turner Prize geehrt wurde und mit 63 Jahren zugleich die älteste Künstlerin, die den renommierten britischen Kunstpreis bislang erhalten hat. Lubaina Himid, die seit 2016 in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, setzt sich in ihren Gemälden, Papierarbeiten und bemalten Holzobjekten mit Migration, Rassismus, Sklaverei und der Repräsentation von Schwarzen in den Medien und der Kunst auseinander. Himid wurde auf der ostafrikanischen Insel Sansibar geboren und wuchs in Großbritannien auf, wo sie eine zentrale Rolle im Black Arts Movement der 1980er- und 1990er-Jahre spielte und eine Reihe wichtiger Ausstellungen schwarzer Künstlerinnen kuratierte. Auch wegen dieses Engagements bezeichnete sie der Daily Telegraph vor kurzem als „die nicht genügend wertgeschätzte Heldin schwarzer britischer Kunst". Und auch die Jury des Turner Prize lobte die Künstlerin für ihr „kompromissloses Aufgreifen von Themen wie die Kolonialgeschichte und den bis in die Gegenwart fortbestehenden Rassismus.“

„The Truth is Never Watertight“, die Wahrheit ist niemals wasserdicht, ist auf einer von Himids Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank zu lesen. Dieses Statement lieferte auch den Titel zu ihrer ersten Ausstellung in Deutschland, die vor kurzem im Badischen Kunstverein zu sehen war. Himids Interesse gilt genau diesen „undichten Stellen“, den Auslassungen, Wiedersprüchen und verdrängten Kapiteln in der Geschichte. So recherchierte sie für Naming the Money, einem Ensemble von 100 lebensgroßen, aus Holz ausgesägten und bemalten Figuren, die individuelle Geschichte von schwarzen Sklaven, die in Großbritannien als Hausbedienstete, Musiker oder Akrobaten arbeiteten. Himid holte sie sozusagen aus der Versenkung der Geschichte zurück – samt ihrer ursprünglichen Namen, die sie ablegen mussten. „Oft stammen die Geschichten, die ich erzähle aus Büchern, die so gut wie unbekannt sind oder Historiker erzählen mir davon“, erklärt die Künstlerin. „Mein Projekt besteht darin, diese Lücken zu füllen, diese Geschichten zu malen, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“

Lubaina Himids Ausstellung Meticulous Observations and Naming the Money ist noch bis zum 18. März 2018 in der Walker Art Gallery, Liverpool, zu sehen.
Die Ausstellung der 4 Künstler, die 2017 für den Turner Prize nominiert wurden, läuft noch bis zum 7. Januar 2018 in der Ferens Art Gallery in Hull.