The Lotus in Spite of the Swamp
Die Prospect Triennale in New Orleans

Hurrikan Katrina war eine der verheerendsten Naturkatastrophen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Besonders stark betroffen war New Orleans. Auf Grund der massiven Zerstörungen und der ungünstigen geografischen Lage wurden sogar Forderungen laut, die Stadt aufzugeben. Doch die Bewohner von „The Big Easy“ gaben nicht auf und machten sich an den Wiederaufbau. Auch Künstler und Kuratoren engagierten sich: So initiierte Dan Cameron 2008, nur drei Jahre nach Katrina, die Prospect Triennale, um das kulturelle Leben in New Orleans wiederzubeleben. Mit Erfolg. Heute zählt sie zu den bedeutendsten regelmäßig stattfindenden Kunstausstellungen in den USA. The Lotus in Spite of the Swamp, der Lotus, der trotz des Sumpfes blüht, lautet der Titel der aktuellen Prospect-Ausgabe. Das Bild von der Blume, die im Schlamm blüht, spielt auf die buddhistische Spiritualität an, nach der selbst unter widrigsten Umständen etwas Schönes entstehen kann.

Die Triennale ist wie immer eng mit der spezifischen Identität der Stadt verbunden – ihrer vielfältigen Kultur, der Lage am Mississippi-Delta und ihrer Kolonialgeschichte. Ein besonderer Fokus liegt diesmal auf der Musik. So erzählt John Akomfrahs neue Videoarbeit Precarity die Geschichte des in New Orleans geborenen Bandleaders Charles “Buddy” Bolden. Er war Anfang des 20. Jahrhunderts der populärste Musiker der Stadt und gilt als „Erfinder“ des Jazz. Wegen einer alkoholbedingten Psychose wurde er 1907 in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, die er bis zu seinem Tod 1930 nie mehr verlassen sollte. In elegischen Bildern erzählt Akomfrah die Geschichte des legendären „King Bolden" und setzt sie immer wieder in Beziehung zu dessen Heimatstadt.

Mit Louis Armstrong ist auch einer der berühmtesten Söhne von New Orleans in der Schau vertreten: Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl der Collagen des Jazz-Trompeters. Leider erst zum Ende der Triennale wird Kataswof Karavan, der gemeinsame Beitrag von Kara Walker und dem Jazz-Pianisten Jason Moran, vollendet sein: Die Sound-Skulptur soll in Algiers Point installiert werden, einem Viertel, in dem man einst die gerade aus Afrika angekommenen Sklaven einpferchte, bevor sie im French Quarter verkauft wurden. Wie auf ihren Scherenschnitten, mit denen Walker in der Sammlung Deutsche Bank vertreten ist, widmet sich die Künstlerin auch hier einem dunklen Kapitel der amerikanischen Geschichte, das bis heute nachwirkt.

Die kreolische Kultur von New Orleans, in der sich europäische, indianische und afrikanische Einflüsse mischen, prägt auch die diesjährige Triennale. So dokumentieren Darryl Montanas fantastische Mardi-Gras-Kostüme die Verbindungen zwischen Afroamerikanern und Native Americans. Montana war Häuptling der Yellow Pocahontas, einem Stamm der Mardi Gras Indians. Diese schwarzen Karnevalsvereinigungen ließen sich von der Kultur der amerikanischen Ureinwohner inspirieren. Der Beitrag der Südafrikanerin Penny Siopis weist wiederum auf überraschende Parallelen zwischen der Kriegerkultur der Zulu und der Karnevalskultur in New Orleans hin. Teil ihrer Installation ist auch ein Video, in dem Louis Armstrong einen südafrikanischen Folk Song interpretiert. Für solchen kulturellen Austausch steht auch Fields of Sight, das Gemeinschaftsprojekt der indischen Fotografin Gauri Gill und dem aus dem Volk der Warli stammenden Zeichner Rajesh Vangad. Eine Arbeit aus dieser Serie wurde vor kurzem für die Sammlung Deutsche Bank erworben. Fields of Sight vereint nicht nur zwei unterschiedliche Medien, sondern auch ganz unterschiedliche künstlerische Sprachen und Traditionen. Es sind Arbeiten wie diese, die den multikulturellen Geist der Prospect-Triennale am besten verkörpern.

Prospect 4. The Lotus in Spite of the Swamp
an 17 verschiedenen Orten in New Orleans
bis 25.02.2018