„Landschaften wie Gemälde“
Die Presse über Roberto Burle Marx in der Deutsche Bank KunstHalle

Erstmals in Deutschland veranschaulichte eine große Retrospektive den ganzen Reichtum des Werks von Roberto Burle Marx – und den Einfluss des Brasilianers auf die aktuelle Kunstszene. Die Presse ist begeistert von der Vielfalt und Aktualität seiner Arbeiten.
„Selten wird ein Landschaftsarchitekt zum Nationalhelden geadelt. Doch in Brasilien zählt Roberto Burle Marx (1909 bis 1994) ganz selbstverständlich zur ersten Riege der Stararchitekten“, schreibt Kito Nedo in der Art. „Aus den vielen Exponaten der Schau setzt sich das Bild eines Mannes zusammen, der die magische Gabe hatte, Landschaft in Kunst zu verwandeln und so nicht nur der lateinamerikanischen Moderne entscheidende Impulse lieferte, sondern bis heute eine Inspirationsquelle für zeitgenössische Architekten und Künstler ist.“ In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bemerkt Boris Pofalla, dass Burle Marx‘ Begegnung mit den tropischen Pflanzen in den Gewächshäusern des Botanischen Gartens in Berlin „der Beginn einer einmaligen Karriere zwischen Kunst und Natur“ war. „Seine tropischen Gärten übertragen die Abstraktion von der Leinwand auf die Beete. (…) Außerhalb Südamerikas ist Roberto Burle Marx heute nur wenigen ein Begriff – sein Schaffen ist dort im wahrsten Sinne des Wortes verwurzelt. Umso besser, dass man es nun in einer Ausstellung kennenlernen kann.“ Das sieht Bernhard Schulz vom Tagesspiegel ganz ähnlich: „Roberto Burle Marx, einer der großen Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts, ist hierzulande kaum bekannt. Dass seine Biografie aber solch engen Bezug zu Berlin aufweist, dürfte noch weniger geläufig sein. Umso einleuchtender wird darum aber, dass die Deutsche Bank KunstHalle in Übernahme einer vom Jewish Museum New York ausgerichteten Ausstellung mit dem Lebenswerk des Künstlers vertraut macht.“ „Einflussreich und unbekannt“, so bringt das Magazin das Werk von Burle Marx auf den Punkt. „Sein Berufsziel war klar: Er wollte Landschaftsgärtner werden – und wurde der wichtigste im 20. Jahrhundert“, bemerkt Marcus Woeller in seiner begeisterten ganzseitigen Rezension der Schau in der Welt. „Dass er dabei Maler, Bildhauer, Architekt und Universalkünstler im besten Sinne blieb, stellt die Ausstellung mit Gemälden, Modellen und Gartenentwürfen aus allen Schaffensperioden in den Vordergrund.“

„Burle Marx‘ Landschaften sind wie Gemälde“, schreibt Friedhelm Teicke im tip. Und auch Donna Schons von der taz betont die Parallelen zwischen seinen künstlerischen Arbeiten und den Gartenentwürfen: „Sie ähneln auf den ersten Blick eher modernistischen Gemälden als stadtarchitektonischen Skizzen. Blumenbeete werden zu geschlängelten Klecksen, helle und dunkle Grasgewächse bilden Schachbrettmuster und sternförmig angeordnete Linien stehen für Palmen.“ „Die Kunsthalle der Deutschen Bank“, so Angela Hohmann in der Berliner Morgenpost, „widmet dem brasilianischen Genie eine Ausstellung, die vor allem eines deutlich macht: Roberto Burle Marx war nicht nur Landschaftsarchitekt. Ein einziges Motiv konnte von ihm in den unterschiedlichsten Medien gestaltet werden. In der Kunsthalle sind abstrakte Gemälde, Keramiken, Schmuck, Bühnen- und Kostümentwürfe sowie Versionen der in Spanien und Portugal bekannten Azulejo-Kacheln zu sehen.“ In Monopol betont auch Silke Hohmann die Vielseitigkeit des Brasilianers: „Burle Marx war ein moderner Renaissance-Künstler: Er sang Opern, malte, entwarf Schmuck und wurde berühmt für seine Gärten.“ „Er war ein Poet, der mit Pflanzen dichtete“, so die BZ. „Die Ausstellung Tropische Moderne entfaltet sein Lebenswerk mit Tapisserie, Bildern, Fotografien und Entwürfen auf der Suche nach dem verlorenen Paradies“, schreibt Jürgen Claus in der Kunstzeitung.

„Eine Ausstellung, die man unbedingt gesehen haben muss“, schrieb die französischsprachige Berlin-Website vivreaberlin. Die Zitty sprach von einem „konzentrierten Überblick zu diesem modernistischen Multitalent“. Und auch so unterschiedliche Medien wie Blouin Artinfo, das Online-Architektur-Magazin Marlowes, die Wirtschaftswoche, die Gala, Kunstmarkt, das Himbeer Magazin für Menschen mit Kindern, Critical Mass, eine Website für die Fans des Fahrradfahrens, und das Design-Magazin Dear empfahlen einen Besuch der Werkschau.

„Roberto Burle Marx, Begründer der modernen Gartenarchitektur, war Utopist und Praktiker gleichermaßen und er glaubte fest an die Kraft des öffentlichen Raums“, so Deutschlandfunk Kultur, der auch eine „Parks als Demokratieräume“ betitelte Diskussion aus der KunstHalle übertrug. Für Raimar Stange von artmagazin ist der Brasilianer der „Ahnherr einer ‚Grünen Architektur‘“ und er lobt die „klug zusammengestellte Ausstellung“. In Kunst und Film bedauert Hannah Osterkorn, dass einer seiner letzten Entwürfe für die Neugestaltung des Berliner Rosa-Luxemburg-Platzes nicht realisiert wurde: „1993 reichte Burle Marx vor Einfallsreichtum sprühende Pläne ein, die unterschiedliche Zonen, ein Wasserbecken mit bunten Skulpturen und eine wild bewegte Pflasterung vorsahen. Seine originellen Ideen lehnten die Behörden als ungeeignet ab – heute wächst dort kurz geschorener Rasen.“

„Neben Oscar Niemeyer ist er einer der großen Protagonisten der brasilianischen Moderne“, schreibt Lisa Zeitz in der Weltkunst. „Burle Marx‘ Generalthema“, so Bernhard Schulz in der Bauwelt, „ist Reichtum, Üppigkeit, Überfluss – aber ein Reichtum eben, der sich an alle richtet, allen zur Verfügung steht. Ohne dieses utopische Moment ist die brasilianische Moderne (…) nicht zu verstehen.“ „In der Deutsche Bank KunstHalle“, so Niklas Maak in der Frankfurter Allgemeinen, „kann man nachvollziehen, wie Burle Marx erst gegenständlich malte, dann immer abstrakter die Bewegungen von Tänzern und Blättern in ungegenständliche Formen übersetzte, um dann Gärten anzulegen, die wie abstrakte Monumentalgemälde aus Pflanzen wirken. Die kühle Moderne wird hier vom Garten aus aufgeweicht, erhitzt, in Bewegung versetzt, zum Wuchern gebracht – und plötzlich ist sie gar nicht so weit vom Überbordenden, Taumelnden, heftig Schwingenden des Barocks entfernt, dessen Exzesse sie einst so fürchtete.“