Jenseits von Hollywood
Made in L.A. im Hammer Museum

Alle zwei Jahre liefert Made in L.A. eine Bestandsaufnahme der aktuellen Kunstszene im Großraum von Los Angeles. Die 2012 vom Hammer Museum initiierte Biennale steht für den Aufbruchsgeist einer Stadt, der es mehr und mehr gelingt, sich neben New York als die zweite große Kunstmetropole der USA zu etablieren. Hier leben und arbeiten nicht nur zahlreiche bedeutende Künstler – von John Baldessari bis Laura Owens. Auch die junge Generation strömt auf Grund vergleichsweise günstiger Mieten in die Stadt. In den letzten Jahren wurden in Los Angeles mit The Broad oder der Marciano Art Foundation gleich zwei große Museen für Gegenwartskunst eröffnet und große internationale Galerien wie Sprueth Magers oder Hauser & Wirth haben sich hier angesiedelt. Und zudem kündigte vor Kurzem die Kunstmesse Frieze an, dass sie nach London und New York jetzt auch in Los Angeles präsent sein wird. Im Februar 2019 feiert die Frieze L.A., die wie alle Frieze-Messen von der Deutschen Bank als Hauptsponsor gefördert wird, ihre Premiere – auf dem Gelände der legendären Paramount Studios, wo Filmklassiker wie Der Pate oder Titanic entstanden.

Weit entfernt vom Glamour Hollywoods setzt Made in L.A. auf Kunst, die sich kritisch mit der Gegenwart auseinandersetzt – etwa mit der Umweltzerstörung. So geht es gleich in zwei Arbeiten um die massiven Waldbrände, die Kalifornien in den letzten Jahren verheerten. Während James Bennings Installation Found Fragments erschreckende Dokumentaraufnahmen der verbrannten Wälder mit historischem Filmmaterial über die Flächenbombardements während des Vietnamkriegs kombiniert, setzt die Choreografin Flora Wiegmann die von diesen Katastrophen aufgelösten Ängste in der Tanzperformance Reduction Burn um.    

Auch die kalifornische Landschaft und die Geschichte des Landes haben die Künstler von Made in L.A. inspiriert. Mercedes Dorame hat eine ganz persönliche Beziehung zu dem Gebiet, auf dem Los Angeles 1781 begründet wurde. Sie gehört zum Stamm der Gabrielino/Tongva, der von den Siedlern gewaltsam aus der Region vertrieben wurde. Dorame fotografiert auch Assemblagen, die sie im Außenraum installiert. Ihre ephemeren Objekte aus Federn, Steinen und Kräutern gleichen einer poetischen Wiederinbesitznahme des Landes ihrer Vorfahren. Dezidiert politisch ist dagegen Gelare Khoshgozarans Video-Installation Medina Wasl, Connecting Town, die Parallelen zwischen den Landschaften im Mittleren Osten und Kalifornien erkundet. Im Mittelpunkt steht dabei Medina Wasl, der Nachbau eines irakischen Ortes in einem Militärcamp mitten in der kalifornischen Wüste. Dort trainiert die US-Armee ihre Einsätze im Mittleren Osten.

Mit Künstlern wie Gelare Khoshgozaran, die in Teheran geboren wurde, oder Naotaka Hiro, der aus Japan stammt, betont die Schau die kulturelle Vielfalt der Kunstszene in Los Angeles. Auch das Alter der Teilnehmer ist breit gefächert und reicht von 29 bis 97 Jahre. Die älteste Teilnehmerin, Luchita Hurtado, gehört zu den spannendsten Positionen der Biennale. Die Venezolanerin kommt aus dem Umfeld von Surrealistinnen wie Leonora Carrington und Frida Kahlo und war in der Frauenbewegung der 1970er Jahre aktiv. Aus dieser Zeit stammen die Gemälde, die bei Made in L.A. zu sehen sind. Sie greifen ein Thema auf, das auch jüngere Malerinnen wie Christina Quarles beschäftigt – der weibliche Körper. Während er sich auf Hurtados Selbstbildnissen in eine Art Landschaft verwandelt, scheint er sich bei Quarles aufzulösen und dabei jeder Kategorisierung zu entziehen. Beide wirken absolut zeitgemäß und demonstrieren ganz nebenbei, dass das so häufig totgesagte Medium der Malerei noch immer quicklebendig ist – so wie die Kunstszene in Los Angeles.
A.D.

Made in L.A. 2018

bis 02.09.18
Hammer Museum