Suffragetten auf Randall’s Island
Eine Preview der Frieze New York

Die Mischung aus internationalen Newcomern, etablierten Positionen, Wiederentdeckungen und dem unkommerziellen Rahmenprogramm sorgt für das unverwechselbare Profil der Frieze New York. Achim Drucks über die Highlights der Messe, die sich dieses Jahr ungewöhnlich politisch präsentiert.
Banner, Slogans, bunte Objekte, die von Frauen und Männern in uniformartigen Overalls umhergetragen werden: Lara Schnitgers Suffragette City ist gleichermaßen Demonstration und religiöses Ritual. Dabei versteht sich die Aktion der niederländischen Künstlerin als Statement für Gleichberechtigung und ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen. Nach Stationen in Los Angeles, Basel und Berlin ist die nach einem David Bowie-Song benannte Politprozession jetzt erstmals in New York zu erleben – im Rahmen der neuen Sektion Live der Frieze New YorkLive hat die Frieze Projects abgelöst und präsentiert Performances und Installationen, die sich mit alternativen Gemeinschaften, aber auch brisanten gesellschaftlichen Themen beschäftigen. So erinnert Adam Pendletons monumentale Black Dada Flag (Black Lives Matter)an die Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Die Fahne wird bis zum November am Ufer von Randall’s Island wehen, wo die Messe bereits zum siebten Mal stattfindet. Gesponsert wird die Frieze New York von der Deutschen Bank, dem Global Lead Partner der Frieze-Messen. Sie engagiert sich natürlich auch für die neue Frieze Los Angeles, die im Februar 2019 erstmals in den Paramount Pictures Studios stattfindet.

Organisiert wird Live von Adrienne Edwards, der neuen Kuratorin für Performance-Kunst am New Yorker Whitney Museum. Sie kuratiert auch die Präsentation von Kapwani Kiwanga, der ersten Gewinnerin des Frieze Artist Award. Die neue Auszeichnung gibt jungen Künstlern die Möglichkeit, ein ambitioniertes Projekt zu realisieren. Kiwanga hat im Park von Randall’s Island eine begehbare Struktur aus Metallteilen und Stoffbahnen errichtet. Es geht Kiwanga um eine „Architektur der Macht“, die Menschen leitet, kontrolliert oder sogar ausschließt.

Gesellschaftliche und politische Themen bestimmen auch die diesjährigen Talks. Im Zeitalter von Twitter, in dem komplexe Themen in 280 Zeichen langen Kurznachrichten abgehandelt werden, setzt man hier auf die Kraft der Literatur. Auf dem Podium finden sich neben Künstlern vor allem Schriftsteller – etwa Kaitlyn Greenidge oder Ottessa Moshfegh, die zu den interessantesten jungen Talenten der US-Literatur zählen. Ein besonderes Highlight des Programms ist ein Talk mit Starkritiker Jerry Saltz, der vor kurzem mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet wurde.

Vor Ort sind dieses Jahr mehr als 190 Galerien aus 30 Ländern vor Ort. Wie immer reicht das Spektrum der Künstler von großen Namen wie Tracey EminDavid Hockney, Pierre Huyghe und Andy Warhol bis zu interessanten Newcomern. So zeigt die in Kapstadt beheimatete Galerie Stevenson eine Solopräsentation von Kemang Wa Lehulere, dem „Künstler des Jahres“ 2017 der Deutschen Bank. Während die Sektion Frame jungen Galerien vorbehalten ist, präsentiert Spotlight Position des 20. Jahrhunderts, die vom Kunstbetrieb bisher übersehen wurden. Zu den Höhepunkten zählen hier Betye Saars feministische Collagen, die die afroamerikanische Künstlerin für ein großes, panafrikanisches Festival schuf, das 1977 in Lagos die schwarze Kultur feierte. Spannend sind auch die Arbeiten von Vertretern der japanischen Nachkriegsavantgarde wie Atsuko Tanaka oder Keiji Uematsu, die auch Koki Tanaka, den „Künstler des Jahres“ 2015, inspirieren. (Lesen Sie hier unser Interview mit dem Spotlight-Kurator Toby Kamps).

Auch die Deutsche Bank ist wieder auf der Messe präsent. Ihre Lounge ist dieses Jahr Valeska Soares gewidmet. Die in New York lebende Brasilianerin hat eine ortsspezifische Installation geschaffen, die um das Thema Zeit kreist. Außerdem ist eine Auswahl ihrer Gemälde und Skulpturen zu sehen. Soares steht für eine sehr sinnliche Konzeptkunst, die für jeden erfahrbar ist. Damit tritt sie in die Fußstapfen von Künstlern wie Hélio Oiticica oder Lygia Clark, den Protagonisten der brasilianischen Avantgarde der 1960er-Jahre. Ab August startet in der Pinacoteca in São Paulo eine große Retrospektive von Soares, die von der Deutschen Bank gefördert wird.

Um auch die junge Generation für die Gegenwartskunst zu begeistern, hat die Frieze New York ein umfangreiches Education Program initiiert. Dazu gehört Frieze Teens, ein Programm, das Schülern der Oberstufe, die sich für die zeitgenössische Kunstwelt interessieren, Einblicke hinter die Kulissen bietet. Im Vorfeld der Messe nehmen die Schüler an Workshops teil und treffen sich mit Künstlern, Kuratoren und Branchenkennern. Seinen Höhepunkt findet das Programm während der Frieze, wenn die Jugendlichen ihr neues Wissen über die aktuellen Entwicklungen in der Gegenwartskunst als Messeführer an Schülergruppen weitergeben können. Ermöglicht wird das Education Program von der Deutschen Bank, die seit Jahren Projekte unterstützt, die Zugang zur Kunst schaffen und Kreativität fördern – auch bei Kindern und Jugendlichen.

Frieze New York
02. – 06.05. 2018
Randall’s Island