„Brückenschlag zwischen Moderne und Orient“
Fahrelnissa Zeid in der Deutsche Bank KunstHalle

Nach ihrer Premiere in der Londoner Tate Modern war die große Fahrelnissa Zeid-Retrospektive in der Deutsche Bank KunstHalle zu sehen. Sie ehrte eine eigenwillige Protagonistin der abstrakten Nachkriegsmoderne, deren Leben und Werk auch die Presse fasziniert hat.
„Die exzentrische Fahrelnissa Zeid war eine Ausnahmeerscheinung, erfolgreich, kosmopolitisch – und später trotzdem vergessen“, schreibt Elke Linda Buchholz im Tagesspiegel und begeistert sich vor allem für die abstrakten Großformate der Künstlerin: „My Hell hat Fahrelnissa Zeid ihr 1951 gemaltes Powerpaket genannt. Das über fünf Meter breite Querformat dominiert den Saal in der Deutsche Bank KunstHalle mühelos.“ Auch Simone Reber von Deutschlandfunk Kultur schwärmt für das „riesige Gemälde mit den winzigen geometrischen Details, die zu explodieren scheinen und uns hypnotisieren.“

„In der wunderbaren Retrospektive kann man eine der faszinierendsten Frauengestalten der Moderne wiederentdecken“, so Ingo Arend in der Kunstzeitung. „Es scheint erstaunlich, dass eine solch visionäre Künstlerin, die zu Lebzeiten so erfolgreich war, nach ihrem Tod in Vergessenheit geriet“, schreibt Cloe Stead in der Frieze. „Da Kunstinstitutionen inzwischen aber damit begonnen haben, sich ernsthaft mit den Lücken in ihren Sammlungen auseinanderzusetzen, erhält Zeids Werk – zusammen mit dem anderer bislang übersehener Künstlerinnen – glücklicherweise endlich die gebührende Aufmerksamkeit.“

„Unter den Linden ist man schon länger dabei, den westlich orientierten Kunst-Kanon aufzubrechen und auszuweiten auf andere Kunsttraditionen“, bemerkt Gabriela Walde und spielt damit auf die Ausstellungen von Meschac Gaba, Bhupen Khakhar und Roberto Burle Marx in der Deutsche Bank KunstHalle an. Besonders fasziniert ist die Kunstredakteurin der Berliner Morgenpost von Zeids „mosaikartigen Farbtableaus, die mehr einer bewegten Seelenlandschaft gleichen. Bei einigen Bildern gewinnt man den Eindruck, jeder Pinselstrich sei ein Schlag gegen ihre inneren Dämonen. Die Leinwände scheinen die Farbe einzusaugen wie ein Strudel.“ Für Kulturnews steht Zeid für eine „Tradition türkischer Avantgardekunst, die hierzulande erst noch entdeckt werden will.“ Das sieht Nina Lekander von der schwedischen Tageszeitung Expressen ähnlich: „Es ist eine Freude, dass Zeid jetzt für ein europäisches Publikum entdeckt wird.“

Natürlich berichteten auch diverse türkische Medien über die Retrospektive. So widmete NTV Türk Zeids Wiederentdeckung ein gut halbstündiges Feature, für das auch in der KunstHalle gedreht wurde. „Bekannt ist Zeid für ihre energiegeladenen und beeindruckenden Kompositionen“, schreibt Daily Sabah, die größte englischsprachige Tageszeitung des Landes. „Ihr einzigartiger Malstil ist so vital und vielfältig, dass er nicht auf eine Kategorie reduziert werden kann.“ „Dass Zeid in der Lage war, mit jedem Pinselstrich, jeder Farbnuance die Höhen und Tiefen der menschlichen Seele herauszuarbeiten, beweist ihre außergewöhnliche Imaginationskraft“, bemerkt Cumhuriyet. „Die Ausstellung in Berlin bringt bedeutende Werke aus den unterschiedlichen Werkphasen zusammen und erlaubt es, ihr Schaffen in seiner Gesamtheit nachzuvollziehen.“ Und auch die Hürriyet wies auf die Ausstellung hin.

In Film + Kunst unterstreicht Elke Linda Buchholz, dass sich Zeid „völlig aus den festen Traditionen und Rollenbildern ihrer Herkunft löst. Aber sie schrieb diese zugleich weiter fort: mit Werken, die aus der freien Gestik des Abstrakten Expressionismus eines Jackson Pollock und der Formstrenge orientalischer Ornamentik eine ganz eigene Synthese bilden.“ In einem Artikel, der im Kunstforum und leicht verändert auch in der taz erschien, betont Ingo Arend, wie aktuell dieser Ansatz noch immer ist: „Dass einer Frau aus der Türkei ein Brückenschlag zwischen Moderne und Orient gelang, macht sie so spannend in einer Zeit, in der sich diese Hemisphären wieder feindlich gegenüberstehen und überall die „nationale Identität“ beschworen wird.“

Neben so unterschiedlichen Medien wie BLOUIN ARTINFO und dem Diplomatischen Magazin empfahlen auch Tip und zitty, die beiden großen Berliner Stadtmagazine, den Besuch der Schau: „Es beginnt mit ihren frühen figurativen Werken, auf die im eingebauten Zwischengeschoss Arbeiten folgen, in denen Zeid mit der Abstraktion rang. Ein Besuch lohnt allein für den Blick von dort hinunter in einen Saal, in dem die meterlangen, nun rein abstrakten Gemälde wie Raubtiere in einer Arena von der Wand zu springen scheinen“, so Suzan Kizilirmak in der zitty. Auch Ingeborg Ruthe begeistert sich für die „osmanische Avantgardistin“: „Die Bildsprache ist so eigen wie universal. Ein Kosmos aus Farben und abstrakten Formen tut sich auf“, schreibt sie in der Berliner Zeitung und der Frankfurter Rundschau. „Alles, was wir jetzt in Berlin erstmals von dieser einzigartigen Künstlerin sehen, vereint internationale Kunstströmungen, europäische Malerei der Moderne und orientalische wie byzantinische Tradition. Es gibt kaum abstrakte Kunst, die derart stofflich, somit enorm sinnlich und lebendig ist. Etwas selten Schönes.“