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Going Public:
Friedhelm Hütte über das Kunstengagement der Deutschen Bank 2009


"Nicht reduzieren, sondern konzentrieren" lautet das Credo für das Kunstprogramm der Deutschen Bank 2009. Gerade in den aktuellen Zeiten wird deutlich wie wichtig das Engagement von Unternehmen für Kunst und Kultur ist. Was sind die Highlights dieses Jahres? Was ist neu? Was kommt? Ein Interview mit Friedhelm Hütte, Global Head Deutsche Bank Art.




Oliver Koerner von Gustorf: Was sind 2009 die Perspektiven für das Kunstprogramm der Deutschen Bank?

Friedhelm Hütte: Für 2009 haben wir uns vorgenommen, unsere Aktivitäten noch stärker zu fokussieren, die Sammlung weiter zu öffnen und das Programm noch intensiver zu kommunizieren. Damit nimmt Kunst, dankenswerter Weise, einen strategischen Platz ein im Rahmen des neuen Ansatzes der Bank auf dem Feld von Corporate Social Responsibility. Unter dem Motto Fostering Creativity werden wir unseren Schwerpunkt auf jungen zeitgenössischen Künstlern ausbauen. So unterstützt unsere Stiftung weiterhin den Preis der Villa Romana, der vier in Deutschland lebenden Künstlern ein 10-monatiges Stipendium im renommierten Künstlerhaus in Florenz ermöglicht. Zum vierten Mal wird 2009 in Warschau Views, der von der Deutschen Bank Stiftung initiierte und geförderte Preis für junge polnische Kunst vergeben. In New York sind wir außerdem Sponsor des 3M Project im New Museum. Dabei handelt es sich um ein wegweisendes Projekt, bei dem das New Museum mit dem Hammer Museum in Los Angeles und dem Museum of Contemporary Art in Chicago zusammenarbeitet. Gemeinsam ermöglichen die drei Häuser Künstlern wie Jeremy Deller, Daria Martin oder Mathias Poledna die Realisation neuer Arbeiten.

Auch im Deutsche Guggenheim wird aktuelle Kunst zu sehen sein?

In Berlin wird die junge New Yorker Malerin Julie Mehretu eine spektakuläre Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim konzipieren. Sie schafft es, dem Medium des Tafelbilds etwas wirklich Neues hinzuzufügen. Formal, in dem sie bis zu hundert Farbschichten aufträgt und in ihren unglaublich dynamischen Arbeiten die unterschiedlichsten Elemente miteinander kombiniert: gestische Passagen, geometrische Farbfelder, Symbole, Stadtpläne oder – in ihren gerade entstehenden Werken - historische Berliner Hausfassaden und Straßenzüge. Aber auch inhaltlich, durch Themen wie Migration oder Krieg, zu denen sie intensive Recherchen anstellt. In der Auftragsarbeit wird sie sich mit Urbanisierung und Zerstörung, Stadt und Ruinen auseinandersetzen – also einem ganz aktuellen Themenkomplex.

Weltweit haben sich die ökonomischen Turbulenzen ganz direkt auf die Förderung von Kultur auswirkt. Viele Unternehmen müssen ihr Engagement zurückfahren. Besonders in Ländern wie den USA, wo öffentliche Kulturinstitutionen sehr stark von privaten Förderern und Unternehmen abhängig sind, wird diese Entwicklung mit großer Besorgnis beobachtet. Wie sehen Sie die Perspektiven für das weltweite Kunstengagement der Deutschen Bank?

Gerade jetzt ist es ganz wichtig, am kulturellen Engagement festzuhalten. In den USA hat sich bereits gezeigt, welche ernsthaften Folgen die verminderte Förderung durch Unternehmen für viele Institutionen haben kann. Das demonstrieren nicht nur schrumpfende Etats von Operhäusern und Museen, sondern auch der zunehmende Wegfall von kreativen Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche. Selbstverständlich ist die Situation von Land zu Land verschieden. Was sich jedoch andeutet ist, dass die Unterstützung gerade dort fehlt, wo sie am dringendsten gebraucht wird: bei Menschen, für die ein Museumsbesuch häufig bereits am Geld für den Eintritt scheitert, oder bei der jungen Generation, für die kulturelle Erfahrungen und Bildung besonders wichtig sind. Ihr Engagement im Bereich Corporate Social Responsibility betrachtet die Deutschen Bank als substantiellen Bestandteil ihrer Geschäftstätigkeit. Alle unsere gesellschaftlichen Aktivitäten stehen unter dem Motto "Soziales Kapital schaffen" - auch im Bereich der Kunst. Wenn wir Kreativität fördern, ist das kein überflüssiger Luxus, kein Feigenblatt, sondern eine absolut notwendige Investition in die Zukunft, von der gleichermaßen die Bank und die Gesellschaft profitieren. Deshalb gilt es jetzt noch effizienter und verantwortungsvoller mit den vorhandenen Mitteln umzugehen, unser Engagement nicht zu reduzieren, sondern zu konzentrieren. Hierbei kann es auch sinnvoll sein, verstärkt Synergien mit anderen Bereichen der Bank und anderen Institutionen zu entwickeln.

Wie sieht das konkret aus?

Ein gutes Beispiel ist etwa die unbefristete Leihgabe von 600 bedeutenden Arbeiten aus unserer Sammlung, die wir 2008 mit dem Frankfurter Städel vereinbart haben. Das war ein ganz persönliches Highlight für mich. Im neuen Erweiterungsbau des Museums werden die Arbeiten von Künstlern wie etwa Anselm Kiefer, Rosemarie Trockel oder Gerhard Richter ab 2011 ein noch viel breiteres Publikum erreichen. Und dafür wird in den Niederlassungen der Bank junge Kunst nachrücken.

Welche Planungen gibt es 2009 für die Unternehmenssammlung?

"Going Public" steht im Kunstbereich dafür, dass wir unsere Sammlung durch Ausstellungen, Führungen und Vermittlungsangebote noch stärker öffnen. Unsere Reihe mit Künstlergesprächen ist mittlerweile auch in Berlin sehr erfolgreich angelaufen und wird in diesem Jahr fortgesetzt. Solche Veranstaltungen werden wir auch in London, Mailand und anderen wichtigen Standorte initiieren. Das gesamte Kunstprogramm wird außerdem beständig weiter internationalisiert. Hierbei wird die Kunstausstattung in den neuen Zwillingstürmen in Frankfurt unser globales Engagement für Mitarbeiter und Besucher direkt erlebbar machen. Wir werden hier das Beste zeigen, was unsere Sammlung an junger, internationaler Kunst zu bieten hat. Die Türme werden ja nach ihrer Modernisierung Ende 2010 wieder bezogen. Und so steht bereits dieses Jahr ganz im Zeichen der Vorbereitung der neuen Kunstausstattung.

Wie ist hier der Stand der Planung?

Wir erarbeiten gerade das kuratorische Konzept, wobei uns ein Team hochkarätiger externer Berater – Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Nancy Spector – unterstützt. Neu wird in den Zwillingstürmen das öffentlich zugängliche Art Cafe sein, das mit wechselnden Ausstellungen bespielt wird.

Sind auch wieder Ausstellungen mit Werken aus der Banksammlung geplant?

In Berlin zeigen wir im Deutsche Guggenheim eine Ausstellung mit Werken von Imi Knoebel aus der Sammlung Deutsche Bank. Eine der Besonderheiten unserer Sammlung besteht darin, dass wir von bestimmten Künstlern wie Polke, Baselitz oder eben Knoebel größere Werkblöcke besitzen. Durch die Kontinuität, mit der wir ihn gesammelt haben, können wir eine fokussierte Werkschau präsentieren. Rund tausend seiner Arbeiten ermöglichen es uns, fast vierzig Jahre seines Schaffens zu beleuchten. Das Besondere an diesem Beuys-Schüler ist, dass er von Anfang an konsequent abstrakt gearbeitet hat, ohne sich dabei zu wiederholen. Aus seinen einmal gewonnenen Grundüberzeugungen heraus hat Knoebel sein Werk kontinuierlich weiterentwickelt hat und dabei entstehen bis heute immer wieder überraschende Arbeiten.

Sie selbst kuratieren die Ausstellung. Warum haben Sie sich gerade jetzt für Knoebel entschieden?

Im Zuge der "neuen Abstraktion", also Künstlern wie Anselm Reyle oder Markus Amm, ist gerade das Werk von Knoebel besonders aktuell. Der Rückbezug einer jungen Generation auf die abstrakte Kunst der klassischen Moderne und eine neue Formalismusdebatte sind bereits länger zu beobachten. Knoebel setzt sich ja schon seit den Anfängen seines Werkes in den Sechzigern mit dieser Formensprache auseinander und versucht, die Ansätze von Künstlern wie Kasimir Malewitsch in die Gegenwart weiter zu entwickeln. Und gerade in einer Zeit, in der sich auch der Kunstmarkt neu orientiert, in der es endlich wieder um Inhalte und Haltungen geht, erscheint mir ein Künstler wie Knoebel besonders relevant.

In wenigen Wochen wird im Deutsche Guggenheim die Ausstellung Picturing America eröffnet, die Fotorealisten der siebziger Jahre präsentiert. Was hat Sie bewogen, dieser Strömung eine Überblicksschau zu widmen?

Eine solche Ausstellung hat es in Deutschland seit dreißig Jahren nicht mehr gegeben. Das Deutsche Guggenheim zeigt ja einerseits neue Auftragsarbeiten, es geht uns aber auch darum, neue Sichtweisen auf ältere Werke der Kunstgeschichte zu ermöglichen. Das Medium Fotografie hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt und großformatige Farbfotografien treten in Konkurrenz zu Tafelbildern. Vor diesem Hintergrund ist es sehr aufschlussreich, die fotorealistischen Bilder genauer zu betrachten. Außerdem besitzt diese Kunstrichtung gerade in Deutschland eine besondere Relevanz, da einige dieser Gemälde 1972 auf der documenta V zu sehen waren und der Fotorealismus gerade hier besonders beliebt war. Das zeigen auch die zahlreichen fotorealistischen Arbeiten in deutschen Sammlungen.

Bereits in den frühen Siebzigern wurden die Fotorealisten kontrovers diskutiert, wobei die von Minimal Art und Konzeptkunst geprägte Kunstszene in dieser figurativen Malerei sogar konservative Tendenzen witterte.

Natürlich stand der Fotorealismus damals im Gegensatz zur Minimal Art. Aber die verbreitete Sicht auf diese Kunstrichtung scheint mir etwas eingeschränkt. Denn man kennt eigentlich nur zwei, drei Ikonen der fotorealistischen Malerei von Richard Estes oder Chuck Close. Aber die ganze Breite dieser Bewegung ist einem Großteil des Publikums gar nicht bewusst. Unsere Ausstellung bietet jetzt die Gelegenheit, die ganze Bandbreite dieser Kunstrichtung zu entdecken. Und wie bei den Ausstellungen von jungen US-Künstlern, wie etwa Phoebe Washburn oder Collier Schorr wird das Deutsche Guggenheim auch hier eine Voreiterrolle spielen: Genau genommen wird der Fotorealismus in dieser Ausstellung nicht wiederentdeckt, sondern – jedenfalls in seiner Vielfalt – überhaupt erst entdeckt. Picturing America ist also auch als programmatischer Titel zu verstehen. Gerade in der momentanen Aufbruchsstimmung in den USA sind diese Bilder, die auch das damalige amerikanische Selbstverständnis reflektieren, besonders spannend.






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