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Ein neuer Blick auf die Moderne
Abstraktion und Einfühlung im Deutsche Guggenheim


Inspiriert von Wilhelm Worringers einflussreicher Schrift "Abstraktion und Einfühlung", hat Carmen Giménez, Kuratorin am New Yorker Guggenheim Museum, Papierarbeiten von Josef Albers, Michael Buthe, Blinky Palermo und Thomas Schütte aus der Sammlung Deutsche Bank einander gegenübergestellt. Worringers Thesen ermöglichen dabei einen neuen Blick auf das Werk dieser Künstler.


Sie gilt als eine der bahnbrechendsten kunsthistorischen Schriften des 20. Jahrhunderts: Wilhelm Worringers 1907 veröffentlichte Dissertation Abstraktion und Einfühlung. Worringers Ideen veränderten nicht nur den akademischen Blick auf die Kunstgeschichte, sondern stießen gerade im Umfeld der noch jungen Moderne, so bei Vertretern von zukunftsweisenden, abstrakten Positionen wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc, auf große Resonanz. Inspiriert von Worringers Thesen hat Carmen Giménez, Kuratorin für Kunst des 20. Jahrhunderts am Solomon R. Guggenheim Museum, New York, die Ausstellung Abstraktion und Einfühlung organisiert. Die Schau im Deutsche Guggenheim nähert sich Worringers ästhetischen Theorien in dialogischer Form an. Im Zentrum stehen die rund hundert Zeichnungen, Aquarelle und Drucke aus der Sammlung Deutsche Bank, die in der Gegenüberstellung Worringers nachhaltigen Einfluss auf die Rezeption der Moderne bis heute veranschaulichen: von Josef Albers, Michael Buthe, Blinky Palermo und Thomas Schütte. Ergänzt werden sie durch eine Auswahl bedeutender Leihgaben: Gemälde von Philip Guston, Paul Klee und Piet Mondrian.

Den Ausgangspunkt bilden hierbei die beiden gegensätzlichen Tendenzen, die laut Worringer die Entwicklung der Kunst von ihren Ursprüngen bis ins 19. Jahrhundert hinein maßgeblich bestimmt haben: In Zeiten großer gesellschaftlicher Unsicherheit und höchster Vergeistigung, wie etwa im alten Ägypten oder im europäischen Mittelalter, nähere sich die Kunst einer flachen, kristallinen "Abstraktion". Andererseits herrschten in Kulturen, die der Wissenschaft und der konkreten Wirklichkeit verpflichtet sind, wie das antike Griechenland oder das Italien der Renaissance, naturalistische Stile vor, die er unter dem Begriff der "Einfühlung" zusammenfasst. Worringers These, dass der Abstraktionsdrang durch eine "große innere Beunruhigung des Menschen durch die Erscheinungen der Außenwelt" erzeugt werde, traf den Zeitgeist der modernen Gesellschaft. So wurde Abstraktion und Einfühlung nach seiner Veröffentlichung 1907 schnell zu einem Schlüsselwerk, das entscheidend zum Verständnis des Expressionismus und der Rolle der Abstraktion im frühen 20. Jahrhundert beitrug.

Die Ausstellung im Deutsche Guggenheim versammelt Werke, die die von Worringer definierten Polaritäten von Abstraktion und Einfühlung in der veränderten Kunstlandschaft der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts reflektieren. In der ersten Sektion der Schau begegnen Grafiken von Blinky Palermo Josef Albers’ auf Fläche, Farbe und Geometrie reduzierte Abstraktionen aus der Serie Homage to the Square. In der 1950 begonnenen Werkgruppe nutzt Albers eine strenge Grundstruktur aus einander überlagernden Quadraten, die er immer wieder variiert, indem er ganz einfach die Farben verändert. Dabei demonstriert er, dass bestimmte Farben hervor- oder zurücktreten und ihre Intensität durch die angrenzenden Töne zu- oder abnimmt. Trotz ihrer mathematischen Präzision verströmen die Werke eine strahlende, lebendige Sensibilität. In Blinky Palermo Werken verbinden sich die Ansätze von Minimal Art mit Einflüssen des russischen Konstruktivismus. Als historische Referenz wird den Werke von Albers und Palermo Mondrians Composition No. 1: Lozenge with Four Lines (Komposition Nr. 1: Rhombus mit vier Linien) zur Seite gestellt. In dem 1930 entstandenen Gemälde verzichtet der Künstler vollständig auf die für ihn so typischen Primärfarben und beschränkt sich ganz auf schwarze Linien auf weißem Grund. Das Motiv erinnert an eines von Albers’ Quadraten, von dem nur die Struktur übrig geblieben ist.

In der zweiten Sektion der Schau hat Carmen Giménez Collagen von Michael Buthe Aquarellen von Thomas Schütte gegenübergestellt. Beide Künstler praktizieren einen stärker zeichenhaften Stil, der die Präsenz von Körpern und Dingen anspricht und sich mit Worringers Begriff der Einfühlung verbinden lässt. Ausgedehnte Reisen nach Marokko, nach Afghanistan oder in den Iran – Länder, die Worringer mit Spiritualität und Abstraktion verband – haben das Werk Buthes nachhaltig beeinflusst. Eine Reise in den Iran machte ihn 1974 mit der altpersischen Religion des Zoroastrismus, den Liebesgedichten von Rumi und den Geschichten aus 1001 Nacht bekannt. Auf diesen Erzählungen basiert eine umfangreiche Serie von Collagen, die von 1977 bis 1980 entstand. Schüttes Werk ist stärker von der Gegenständlichkeit geprägt. Im Deutsche Guggenheim sind seine subtilen Aquarelle von Früchten sowie Studien zu erfundenen Denkmälern zu sehen. Auch die Werke in dieser Sektion werden von Referenzbildern ergänzt: Paul Klees verspieltes, semi-abstraktes Nächtliches Fest (1921) sowie in den sechziger Jahre entstandene Gemälde von Philip Guston. Die fast grob wirkenden Figurationen sind typisch für das Spätwerk des amerikanischen Künstlers, der seine Laufbahn im Umfeld des Abstrakten Expressionismus begann.

Die Künstler der Ausstellung verkörpern singuläre Positionen in der jüngeren Kunstgeschichte. Betrachtet man sie allerdings durch das Prisma von Worringers Theorien gewinnt ihr Werk neue Bedeutung. Mit ihren unterschiedlichen Perspektiven lädt die Schau zu einem ästhetisches Abenteuer ein, das durch historische Verbindungslinien das komplexe Verhältnis von Abstraktion und Einfühlung erschließt.

Abstraktion und Einfühlung
Albers, Buthe, Palermo, Schütte
Guston, Klee, Mondrian

15. August bis 16. Oktober 2009
Deutsche Guggenheim, Berlin




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