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Raad O Bargh
Kunstraum der Deutschen Bank zeigt Positionen aus dem Iran


Seit den Unruhen nach der letzten Präsidentenwahl wird die politische Entwicklung im Iran weltweit verfolgt. Dieser Hintergrund verleiht der Ausstellung "Raad O Bargh", die die Galerie Thaddaeus Ropac im Kunstraum der Deutschen Bank in Salzburg präsentiert, besondere Aktualität.


Bereits ein flüchtiger Blick in die Ausstellung zeigt, dass die Kunstszene des Iran überraschend vielfältig ist. Und überraschend provokativ - wie etwa Ramin Haerizadehs bizarre Mixed-Media-Collagen. In seiner Serie Today's Woman verfremdet der in Teheran lebende Künstler Magazinbilder aus der Zeit vor der iranischen Revolution mit seinen Selbstporträts. In Minikleidern posierenden Frauen hat er seinen Kopf aufmontiert, was wegen des stattlichen Vollbarts besonders absurd wirkt. Auf eigenwillige Weise verbindet Haerizadeh dadaistische Collagetechniken mit einer Lust an Ornamenten und Mustern. In seinem manieristischen Kosmos zitiert er altpersische Motive und Matisse. Dabei fungieren Haerizadehs bärtige Odalisken auch als Kommentare zu den strengen Moralvorstellungen des iranischen Regimes. Seine satirischen, häufig computergenerierten Bilder haben dem 1975 geborenen Künstler zwar schon Probleme mit der staatlichen Zensur beschert, aber auch einige Aufmerksamkeit im Westen. Im Frühjahr waren sie in Unveiled: New Art from Middle East in der Londoner Saatchi Gallery zu sehen und gerade ist Haerizadeh auch in Iran Inside Out vertreten. Die Schau des New Yorker Chelsea Art Museum versucht eine umfassende Bestandsaufnahme der iranischen Gegenwartskunst. Rund die Hälfte der Positionen, die im Rahmen von Raad O Bargh (Donner und Blitz) im Kunstraum der Deutschen Bank präsentiert werden, sind auch in New York vertreten.

Diese Ausstellungen demonstrieren, dass in einer globalisierten Welt neue Szenen aus Ländern an Bedeutung gewinnen, die über lange Zeit vom westlichen Kunstbetrieb marginalisiert wurden. Zugleich zeigt der kurzlebige Hype um die junge chinesische Kunst aber auch die Gefahren dieser Entwicklung: vieles wurde allein nach den Gesetzten von Angebot und Nachfrage für einen scheinbar grenzenlos aufnahmefähigen Markt produziert. Gleichzeitig stärkt das westliche Interesse aber auch lokale künstlerische Infrastrukturen: Galerien, Institutionen oder Projekträume, die junge Positionen zeigen. Biennalen finden seit den Neunzigern auch in Dakar, Shanghai oder Gwangju statt. Oder in Sharjah, der Hauptstadt eines der Vereinigten Arabischen Emirate. Ihr Fokus liegt, wie bei dem im Aufbau begriffenen Guggenheim Museum in Abu Dhabi, auf Gegenwartskunst aus dem Nahen Osten. Für die Filialen der Deutschen Bank in Qatar, Rhiyad und Dubai wurden zahlreiche Werke von Künstlern der Region angekauft - so etwa Fotoarbeiten von Mohammed Kazem oder Shadia Alem. Und im Hauptsitz der Deutschen Bank in Berlin ist etwa Ebtisam Abdul Aziz' Serie Numbers & Lifetime, 2005 zu sehen. Auf ihren Farbfotografien zeigt die in Sharjah geborene Künstlerin Hände arabischer Frauen und hält so ein ganzes Archiv von Lebensläufen fest.

Auch iranische Positionen sind mittlerweile Teil des globalen Kunstdiskurses. Und das nicht nur wegen prominenter Vertreter, die wie Shirin Neshat das Land verlassen haben. Raad O Bargh demonstriert, wie vital die Szene auch innerhalb der islamischen Republik ist. Ein typischer Protagonist ist etwa Mahmoud Bakhshi Moakhar, der in Teheran wie in Athen oder London ausstellt und mit seinen konzeptuellen Arbeiten auf die gesellschaftliche Situation seiner Heimat reagiert. Moakhars reduzierte Installation Tulips Rise from the Blood of the Nation's Youth (2008) zitiert die Form des Emblems, das sich seit Ende der islamischen Revolution im Zentrum der Staatsflagge befindet. Es stellt zugleich eine vereinfachte Form des arabischen Worts "Allah" dar und eine stilisierte Tulpe. Das in der persischen Mythologie tief verwurzelte Symbol verweist darauf, dass überall dort, wo das Blut eines Kämpfers für sein Land vergossen wurde, eine Tulpe wachse. Der Ausstellungsbesucher kann die sich drehenden Neon-Tulpen selbst an- oder ausschalten. Das verleiht dem Werk, das man jetzt unwillkürlich mit den blutigen Demonstrationen auf den Straßen Teherans in Verbindung bringt, eine spielerische Dimension.

Mit der Rolle der Frau setzt sich Shirin Aliabadi auseinander. Bekannt wurde sie mit Miss Hybrid, ihrer Fotoserie von Iranerinnen, die unter modischen Kopftüchern wasserstoffblonde Perücken tragen. Der Verband auf der Nase weist auf eine kürzlich überstandene Schönheitsoperation hin. Auch in Eyes only, ihrer neuen Serie von Zeichnungen, thematisiert die 1973 geborene Künstlerin die Schönheitsideale junger Frauen. Sie zeigt die Augenpartien von Bräuten, die sich vor der Hochzeit von Spezialisten ein opulentes Make-up auftragen lassen. Ein Trend, der nicht nur die konservativen Sittenwächter ärgert, sondern auch den Prozess der Individualisierung innerhalb der iranischen Gesellschaft widerspiegelt. Vor allem die Jugend - über 60 Prozent der Iraner sind unter 30 - versucht das enge Korsett religiöser Vorschriften, die von der Kleidung bis zu den Beziehungen zum anderen Geschlecht das gesamte Leben regeln, zu sprengen und sich Freiräume zu erobern.

Die Koexistenz von Widersprüchen sei, wie es der Philosoph Daryush Shayegan beschreibt, schon seit der Zeit des altpersischen Religionsstifters Zoroaster in der iranischen Psyche tief verwurzelt. Vielleicht entziehen sich auch deshalb viele Arbeiten der Ausstellung einer schnellen Kategorisierung. Mit Erfolg stellen die siebzehn Künstler der Schau verbreitete Stereotypen über den Iran in Frage. Hier ist nichts von einem "Islamischen Bilderverbot" zu spüren, kein Künstler beschränkt sich auf Kalligrafien. Ob Behrouz Rae mit seinen Fotografien persönliche Traumata visualisiert oder Y.Z. Kamis großformatige Bildnisse altägyptische Mumienporträts in die Gegenwart transportieren - jeder der Künstler in Raad O Bargh reagiert ganz individuell auf eine hybride Gesellschaft im Spannungsfeld zwischen islamischer Tradition und westlichen Einflüssen. Trotz staatlicher Restriktionen entwickeln sie immer neuen Strategien, um ihre künstlerischen Visionen auszudrücken. Wie Seismographen registrieren sie die Wandlungsprozesse in ihrem Land und finden dabei prägnante Bilder, die ihre Erfahrungen reflektieren.

Raad o Bargh - 17 iranische Künstler
21. Juli - 31. August
Kunstraum Deutsche Bank, Schwarzstraße 30, 5020 Salzburg
Mo - Sa 10.00 - 18.00 Uhr

Achim Drucks




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