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My Dirty Little Heaven
Wangechi Mutu im Deutsche Guggenheim


Eine doppelte Premiere: "My Dirty Little Heaven" ist nicht nur Wangechi Mutus erste große Einzelausstellung in Deutschland. Mit ihrer Präsentation im Deutsche Guggenheim startet auch das "Artist of the Year"-Programm der Deutschen Bank.


Dieser Himmel ist nicht nur den Göttern oder den Toten vorbehalten. Er sieht nicht aus wie die barocken Deckengemälde in Kathedralen und Kirchen, nicht wie die Paradiese, die wir aus historischen Darstellungen und Bilderbüchern kennen. Wangechi Mutus Installation My Dirty Little Heaven besitzt eine zutiefst spirituelle, vielleicht auch sakrale Dimension. Aber der Raum, den die kenianische Künstlerin im Deutsche Guggenheim erschaffen hat, ist vor allem dem Diesseits gewidmet - den irdischen Ängsten, Bedürfnissen und Sehnsüchten einer Gesellschaft, die sich weit vom Himmel entfernt hat. In Zeiten, in denen große Teile der Menschheit unter der Armutsgrenze, ohne Anspruch auf Nahrung, Bildung und Gleichberechtigung lebt, ist auch Mutus Himmelsvision unvollkommen und alles andere als rein: zusammengeflickt, verschmutzt und improvisiert, voller Gerüche, sinnlicher Eindrücke und Bildern in denen Körper, Maschinen und Waren untrennbar miteinander verschmolzen sind.

Das Deutsche Guggenheim ist in dämmriges Licht getaucht. Wer die Ausstellungshalle betritt, sieht sich einem Szenario gegenüber, das an eine Katastrophe denken lässt: Die Wände sind mit dunklen Filzdecken bezogen oder tragen bräunliche Wasserspuren, ganz so, als ob hier eine Überschwemmung stattgefunden hätte. Reihen und Cluster aus Collagen und Aquarellen sind an den Wänden arrangiert. Organisch wirkende Gebilde aus Filz überwuchern auch die Pfeiler des Raumes, in dessen Mitte ein riesiger, aus Latten zusammen gezimmerter Tisch steht. Darüber hängen Batterien von Flaschen, aus denen Milch und Rotwein in emaillierte Blechschüsseln und auf den Boden tropft. Mit My Dirty Little Heaven hat Wangechi Mutu das Deutsche Guggenheim in eine Art surrealen Schutzraum verwandelt, der an ein notdürftig hergerichtetes Refektorium denken lässt, in dem die Armen gespeist werden. Die Installation erinnert aber auch an die Barackensiedlungen in Großstädten wie Lagos oder Kapstadt. Für deren Bauten wird alles recycelt, was den Bewohnern zur Verfügung steht: Weggeworfenes wird repariert, umgenutzt, neu zusammengesetzt. Die improvisierten Behausungen zeugen von dem Versuch, sich trotz aller Widrigkeiten ein Heim zu erschaffen - einen eigenen "kleinen Himmel".

Das suggestive Environment bildet den Rahmen für Mutus neue Videoarbeit Mud Fountain. Sie wird auf eine monumentale, mit bräunlichen Farbschlieren überzogene Wand projiziert. Das Video zeigt eine nackte Frau, die schutzlos einer Art "Schlammregen" ausgeliefert ist, der sie langsam in sich zusammensinken lässt. Einen visuellen Kontrapunkt zu "Mud Fountain" mit seinen grobkörnigen Bildern setzt die großformatige, in Rottönen strahlende Collage Fallen Heads (2010), die an der Stirnwand der Ausstellungshalle hängt. Sie zeigt ein Gewimmel aus aquarellierten, mit Perlen und ausgeschnittenen Blütenbilden verzierten Köpfen, die wie Seerosen auf einem rosafarbenen Hintergrund treiben. Für ihre hyperästhetischen Collagen verarbeitet Mutu Bilder aus so unterschiedlichen Quellen wie Vogue, National Geographic, Sport- und Sex-Magazinen oder anthropologischen Büchern. Dabei entstehen hybride Kreaturen zwischen Mensch, Tier und Pflanze, Monster und Maschine.

Das Projekt für das Deutsche Guggenheim ist auch von persönlichen Erinnerungen an Berlin inspiriert. Als Schülerin war sie hier als Mitglied eines Gospel Chors zu Gast. Es war kurz nach dem Fall der Mauer und ihre Eindrücke von den materiellen Unterschieden zwischen Ost- und West-Berlin, von dem Verlangen der Menschen aus der ehemaligen DDR nach den Produkten, die sie bislang nur aus dem Fernsehen kannten und die sie wie Fetische zu verehren schienen, waren ein wichtiger Ausgangspunkt für das Projekt im Deutsche Guggenheim.

My Dirty Little Heaven hat Wangechi Mutu als erste Künstlerin im Artist of the Year-Programm der Deutschen Bank realisiert. Ziel der neuen Initiative ist es, langfristige Impulse für die Laufbahn des ausgewählten Künstlers zu geben. Der Künstler des Jahres wird in einer umfassenden Einzelausstellung vorgestellt, die nach ihrer Premiere im Deutsche Guggenheim in weiteren internationalen Institutionen zu sehen ist. Zusätzlich wird eine Auswahl seiner Arbeiten für die Sammlung Deutsche Bank angekauft. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der Förderung internationaler Gegenwartskünstler, die durch ihr Schaffen neue Perspektiven und Sichtweisen eröffnen - wie Wangechi Mutu. Ihr Werk fordert den Betrachter heraus. Es hinterfragt unsere Vorstellungen von Schönheit, unser Bild des Anderen, des Fremden. Die in New York lebende Kenianerin thematisiert Fragen schwarzer weiblicher Identität im Spannungsfeld zwischen westlicher Konsumkultur, afrikanischer Diaspora und postkolonialer Geschichte. Mit überbordenden Collagen, Tuschezeichnungen und ortspezifischen Installationen untersucht sie die Repräsentation weiblicher Schönheit, Verführungsstrategien von Werbung und Modemagazinen, die Folgen kultureller und ökonomischer Ungleichheit. Ende 2010 wird Wangechi Mutus Arbeiten im Rahmen des neuen Kunstkonzepts für die modernisierten Türme des Frankfurter Hauptsitzes der Deutschen Bank eine ganze Etage gewidmet.

Wangechi Mutu
My Dirty Little Heaven

30.04. - 13.06.2010
Deutsche Guggenheim, Berlin




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