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Szene im Umbruch
Positionen indischer Gegenwartskunst


"Indian Highway", "Chalo! India" oder "The Empire Strikes Back" – viele große Ausstellungen haben in den letzten Jahren das westliche Interesse an zeitgenössischen Positionen aus Indien dokumentiert. Die Sammlung Deutsche Bank engagiert sich schon lange für die Kunst des Subkontinents. So präsentiert der Hauptsitz der Bank in Mumbai seit 1995 eine umfassende Sammlung von Werken bedeutender Künstler des Landes. Für ArtMag skizziert die in Mumbai lebende Galeristin Ranjana Steinruecke die umwälzenden Veränderungen in der indischen Kunstlandschaft.


Als Bhupen Khakhar 1992 von Direktor Jan Hoet eingeladen wurde an der documenta 9 teilzunehmen, war er der erste indische Künstler, der je auf diesem weltweit bedeutendem Kunstevent vertreten war. Und auch die von Ranjit Hoskote kuratierte Einzelausstellung Bombay: Labyrinth / Laboratory von Atul Dodiya, die 2001 vierzig Werke des Künstlers in der Japan Foundation in Tokio vorstellte, war ein weiteres denkwürdiges Ereignis. Dies war bevor die Welt sich öffnete. Inzwischen gehört es zur Routine von Künstlern des Subkontinents, an den großen Ausstellungen und Kunstereignissen in Kassel, Basel oder Shanghai teilzunehmen. Deshalb ist mittlerweile vor allem die präzis kuratierte Einzelausstellung, die das Individuelle hervorhebt, von besonderem Reiz.

Bhupen Khakhar (1934-2003) gehörte zu der zweiten Künstlergeneration des unabhängigen Indiens, die mit Zeitgenossen wie etwa Gulam Mohammad Sheikh, Sudhir Patwardhan, Nalini Malani und Jogen Chowdhury nach Möglichkeiten suchte, ganz spezifische, einheimische Interessen und Anliegen zu formulieren. Den Weg für eine eigenständige indische Kunstszene hatte bereits 1947 die der Moderne verpflichte Bombay Progressive Artists Group geebnet, die indische Themen noch mit post-impressionistischen Farben, kubistischen Formen und gestischem, expressionistischem Stil verband.

Häufig kombinierte Khakhar die Ästhetik von Popkultur und High Art, um Fragen wie Klasse, Geschlecht und Sexualität in der indischen Mittelklasse anzusprechen. Seine kleinformatigen Gemälde der Trader-Serie, die zu Beginn der 1970er entstand, zeigen den in einer durchschnittlichen, unauffälligen Existenz gefangenen "gewöhnlichen" Mann. Sie bereiten den Weg für neue künstlerische Erzählweisen und später auch für die offene Darstellung von Homosexualität – ein Thema, das in Indien damals kaum angesprochen wurde. Retrospektiven von Khakhars Werk waren 2002 im Reina Sofia Museum in Madrid und 2003 in der National Gallery of Modern Art in Mumbai zu sehen.

Als Vertreter der unmittelbar darauf folgenden Generation wurde der 1959 geborene Atul Dodiya mit seiner allerersten Einzelausstellung 1989 in der Chemould Gallery in Mumbai bekannt und zählt seitdem zu den führenden Künstlern Indiens. In seiner Heterogenität verweigert sich Dodiyas Werk einfachen Deutungen. In ihm überlagern sich autobiographische Erzählungen, die um weite Themenfelder wie Familie, kollektive Phantasien und indische Nationalpolitik kreisen und auf unterschiedlichen formalen Bildebenen wieder und wieder überarbeitet werden. Wie für Dodiya spielen auch für seine Zeitgenossen wie etwa Dayanita Singh, Aji V.N., C.K. Rajan und Jyothi Basu Kunstfertigkeit und die handwerkliche Beherrschung des jeweiligen Mediums neben inhaltlichen Aspekten eine grundlegende Rolle. Die traditionelle plastische Kunst mit ihren epischen Erzählungen und detailreichen, kunstvoll ausgearbeiteten Darstellungen stand in einem schwierigen, angstbesetzten Verhältnis zur europäischen klassischen Moderne. In heutigen, postmodernen Zeiten gereicht sie indischen Künstlern zum Vorteil. Sie nutzen dieses Erbe und das damit verbundene handwerkliche Können, um kulturelle Widersprüche zu überbrücken und die verschiedensten Probleme des heutigen Lebens miteinander in Beziehung zu bringen.

Ein Beispiel hierfür ist Aji V.N. Während viele Künstler seiner Generation sich überschlagen, um immer noch komplexere und aufwendigere Installationen zu erstellen, nutzt er die einfachsten Mittel auf ökonomischste Weise. Nur durch den Einsatz von Zeichenkohle auf farbigem Papier schafft er Bilder, die in ihrem Oszillieren zwischen Fotografie und naturwissenschaftlicher Darstellung absolut überzeugend wirken. Ihr Detailreichtum ist verblüffend. Man würde der kalten Leuchtkraft dieser Werke und dem Unheimlichen, das der Künstler durch sein Medium vermittelt, nicht wirklich gerecht werden, wenn man sie einfach "Zeichnungen" nennen würde.

Auch die Collagen des in Hyderabad arbeitenden C.K. Rajan sind von ähnlicher Präzision und Feinheit gekennzeichnet. Mit ihren aus Zeitungen und Magazinen stammenden Images fallen sie durch formale Schönheit auf – und dienen zugleich in der der Avantgarde-Tradition der Collage als prägnantes Mittel für politische Kommentare.

Als die Deutsche Bank 1992 die von Sir Ratan Tata Ende des 19. Jahrhunderts im neo-barocken Stil erbaute Villa in Mumbai erwarb, um dort ihren Hauptsitz einzurichten, trat sie zugleich im großen Maßstab in der indischen Kunstwelt auf den Plan. Zum Einzug wurden Werke von vielen der bedeutendsten indischen Gegenwartskünstler angekauft, darunter Namen wie Tyeb Mehta, Sayed Haider Raza, Ram Kumar, Bhupen Khakhar, Sudhir Patwardhan, Atul Dodiya und Ravinder Reddy. Die Ankäufe legten den Grundstein für eine umfangreiche Sammlung, die drei Generationen indischer Gegenwartskunst umfasst. 1995 wurde sie von Dr. Herbert Zapp eingeweiht, der als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank zugleich für das wegweisende Kunstkonzept des Unternehmens verantwortlich war.

Erst in jüngerer Zeit erwarb die Deutsche Bank Arbeiten der bekannten indischen Fotografin Dayanita Singh für die Türme der Frankfurter Unternehmenszentrale, die nach ihrer Modernisierung bald wieder eröffnet werden. Singh ist eine der profiliertesten und einflussreichsten Fotografinnen ihrer Generation. Eine große Werkschau war von ihr 2003 im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen. 2008 wurde sie von der niederländischen Regierung mit dem Prince Claus Award für ihren Beitrag zur Gegenwartskunst ausgezeichnet. Zu Singhs prominentesten Arbeiten gehören die Serie Myself Mona Ahmed (1989-2001), in der sie die Welt des Eunuchen Mona über 13 Jahre hinweg festhält und die Serie Privacy (1992-2002), in der sie sich ihrer eigenen Familie und Freunden zuwendete. "Ich zeigte sie in Bildern, die die Familie beschwören, gerade zu einer Zeit, in der sich die Strukturen von der Groß- zur Kleinfamilie wandeln, vor dem Hintergrund einer sehr starren Gesellschaft, die sich plötzlich den Weltmärkten öffnet. Dabei ist die Familie eine Säule der indischen Gesellschaft – unsere einzige Form sozialer Absicherung."

Wie auch Singh werden viele indische Künstler, die in den 1960ern und 1970ern geboren wurden, inzwischen von führenden internationalen Galerien vertreten. So etwa Subodh Gupta, Jitish Kallat, N.S. Harsha oder auch Amar Kanwar, dessen bahnbrechende Arbeit The First Torn Pages zur Zeit im Deutsche Guggenheim präsentiert wird. Zugleich werden indische Künstler der indischen Diaspora wie Rina Banerjee, Chitra Ganesh, Zarina Hashmi, Aji V.N. und Raqib Shaw zuhause immer bekannter. Eine ständig wachsende professionelle Galerienszene in den großen Metropolen Mumbai, Delhi, Kalkutta und Bangalore hilft dabei, diese Entwicklungen zusammenzuführen – ein Zeichen dafür, dass die indische Kunstszene völlig neuen Zeiten entgegensieht.




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