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Being Singular Plural
Kuratorin Sandhini Poddar über ihr Ausstellungsprojekt für das Deutsche Guggenheim


"Being Singular Plural" vereint eine Gruppe von indischen Künstlern und Filmemachern, die mit ihren filmischen Arbeiten ganz unterschiedliche Konzepte der Darstellung von Zeit und Raum entwickeln.


Als ortsspezifisches Projekt, das in engem Bezug zur Architektur des Deutsche Guggenheim konzipiert wurde, lädt Being Singular Plural die Ausstellungsbesucher dazu ein, sich eingehend mit den verschiedenen Realitäts- und Bedeutungsebenen des bewegten Bildes auseinanderzusetzen. Das Desire Machine Collective (Sonal Jain und Mriganka Madhukaillya), Shumona Goel und Shai Heredia, Amar Kanwar und Kabir Mohanty: Sämtliche teilnehmenden Künstler eignen sich die Medien Film und Video auf ganz spezifische Weise an, um alternative Erzählweisen zu entwickeln, die zugleich persönlich, poetisch und politisch sind.

Den strukturellen Rahmen der Ausstellung bildet die Idee des "Singulär Plural", die der Philosoph Jean Luc Nancy formuliert hat. Ihm zufolge kann das Individuum nicht außerhalb seiner sozialen Zusammenhänge gedacht werden. In Bezug auf den komplexen Charakter dieser "Ersten Person Plural" und auf die Vorstellung, das alles Sein miteinander verbunden ist, fordern die ausgewählten Filme und Videos den Besucher auf, eingefahrene Sichtweisen zu hinterfragen und die klassischen Kategorisierungen von Fakt und Fiktion, Kunst und Film, Objektivität und Subjektivität neu zu überdenken. Indem sie Töne, Bilder und Texte auf experimentelle Weise manipulieren, schreiben die Künstler dem Ausstellungsbesucher zugleich eine andere Rolle zu. Er soll sich von der Position des passiven Betrachters hin zu aktiver Teilnahme bewegen - in einen Zustand des "Wir", des "Zusammenseins" im unmittelbaren Hier und Jetzt.

Jedes der Exponate in Being Singular Plural eröffnet neue Wege des Sehens, die das Flüchtige und scheinbar Nebensächliche in den Mittelpunkt rücken. In Bezug auf die Natur und Eigenheiten des Films äußerte Jean Luc Nancy:

"Andere Künste können die Evidenz einer Wahrheit, einer Präsenz, kurz einer "Sache an sich" darstellen(…) Das Kino nimmt auch diese Geste, diese Präsentation auf. Aber was es als sein Eigenstes hinzufügt, die am meisten ihm zugehörende, distinkte Eigenheit (…) ist die Verknüpfung, das unbestimmte Dahingleiten der Präsentation. Wohin gleitet sie also? In gewisser Hinsicht auf die Insignifikanz ... In Richtung auf die Insignifikanz des Lebens, das sich selbst diese Bilder anbietet, immer in Bewegung, auf kein Rätsel hin sich weiterbewegend, keine Enthüllung, nur dieses Dahingleiten in Richtung auf sich selbst, von einem Bild zum anderen (exemplarische, erhabene, banale, groteske, naive, verfälschte, angedeutete, überladene). Ein Leben, das sich sein Kino macht."(1)

Die von Nancy formulierte Wechselbeziehung zwischen Leben und bewegtem Bild ist entscheidend für die Werke in Being Singular Plural. Wie auch das Leben zeichnet sich das bewegte Bild durch Fluss und Zeitlichkeit aus, durch den endlosen Prozess des "Vorbeirauschens". Diese scheinbar sinn- und ziellose Bewegung der Bilder auf Film und Video ist vielleicht der stärkste Ausdruck von Gegenwart - sowohl auf als auch außerhalb der Leinwand.
(1)Jean-Luc Nancy, Postskriptum (März 1994), in: ders., Evidenz des Films. Abbas Kiarostami, Berlin 2005, S. 60–61

Being Singular Plural
Moving Images from India
26.06.-10.10.2010
Deutsche Guggenheim, Berlin




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