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Alles zur neuen Kunst in den Deutsche Bank-Türmen

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Art works
Die Kunst in den Türmen


In der Verbindung von nachhaltiger Architektur mit einem ästhetischen Gesamtkonzept sind die Deutsche Bank-Türme in jeder Hinsicht "up to date" – auch was die Präsentation der Sammlung Deutsche Bank betrifft. Friedhelm Hütte, Global Head of Art, Deutsche Bank, stellt das neue Kunstkonzept vor.


"The only reason for this text to be written here is that there is a documentary crew filming it right now." Diese handschriftliche Zeile von Nedko Solakov zeigt anschaulich und mit ironischer Distanz wie situations- und zeitbezogen, wie reaktionsschnell Kunst und insbesondere die Zeichnung sein kann. Die mit Figuren und Texten des bulgarischen Künstlers vor Ort "ergänzte" blumige Tapetenwand ist eines von 1.500 Kunstwerken, die in der modernisierten Konzernzentrale der Deutschen Bank in Frankfurt zu sehen sind. Damit setzt das Unternehmen, das bereits für die Eröffnung der "alten" Türme 1985 entwickelte Konzept "Kunst am Arbeitsplatz" unter dem Motto "Art works" in aktualisierter Form fort. Vor 25 Jahren war es eine aufsehenerregende Idee, hochkarätige Kunstwerke nicht nur auf den Chef-Etagen, sondern an allen Arbeitsplätzen zu zeigen. Zugleich beschritt man damals in dem Hauptsitz an der Taunusanlage neue Wege der Kunstvermittlung. Von Joseph Beuys bis zu den "Neuen Wilden" wurde die deutschsprachige Kunst nach 1945 von Stockwerk zu Stockwerk wie in einer Zeitreise erfahrbar.

Heute zählt die Sammlung der Bank zu den größten Corporate Collections weltweit und ist eine der bedeutendsten Sammlungen von Zeichnungen und Fotografien nach 1945. Alle seither wesentlichen Kunstströmungen sind hier vertreten, darunter beispielsweise Joseph Beuys und sein Umfeld, die "Heftige Malerei", Pop Art und die Young British Artists in London, Minimal Art in den USA, die Neue Leipziger Schule sowie japanische und chinesische Fotografie. Weit über die Zentrale in Frankfurt hinaus prägt die Kunst ebenso die Geschäftsräume der Bank an den wichtigsten internationalen Finanzplätzen wie London, New York und und Hongkong. Auch an den Standorten Berlin, Barcelona, Mailand, Mumbai, Singapur, Sydney und Tokio sind wesentliche Teile der Sammlung zu sehen.

Während der vergangenen Jahre hat die Deutsche Bank unter dem programmatischen Titel "Kunst wirkt /Art works" ihre Kunstsammlung ausgebaut. Im Mittelpunkt stehen weiterhin Werke junger Künstler auf Papier, doch der geografische Rahmen hat sich deutlich erweitert: vom deutschsprachigen Raum hin zur globalen Kunstszene, besonders in Asien, Lateinamerika und Afrika. Ein Expertengremium von renommierten internationalen Kunstkuratoren - Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Nancy Spector - steht dem Kunstteam der Bank beratend zur Seite.

Die Möglichkeit, mit dem Umbau der Doppeltürme auch die Kunstausstattung zu aktualisieren, war eine besondere Herausforderung und Chance. Die Überzeugung, dass zeitgenössische Kunst in die Zukunft blickt und gesellschaftliche Entwicklungen erspürt, bevor sie in das Blickfeld des Mainstreams geraten, hat den Aufbau der Sammlung Deutsche Bank von Beginn an geprägt. Welche zentrale Rolle hierbei der "Entwurfscharakter" der Kunst einnimmt, spiegelt sich auch in ihrem Schwerpunkt wider: Arbeiten auf Papier dokumentieren das Prozesshafte des künstlerischen Arbeitsgangs. Notizen, Experimente, erste Ideen werden ebenso wie autonome bildhafte Ausarbeitungen mit diesem Medium festgehalten.

Hier im Frankfurter Hauptsitz galt es, auf Bestehendem aufzubauen und die jüngere Sammlungsgeschichte weiterzuerzählen. Der Blick musste dabei auf die vitalen Kunstszenen fallen, die mit der Globalisierung weltweit in neuen Wirtschafts- und Finanzzentren entstanden sind - und dabei ihre ganz eigenen Ausdrucksformen entwickelt haben. Eine Sammlung wie die der Deutschen Bank kann nicht als in sich geschlossenes, homogenes Konstrukt begriffen werden, sondern gleicht eher einem imaginären Museum. In diesem Sinne sollte die neue Ausstattung der Türme keine Bestandsaufnahme bieten, sondern vielmehr Perspektiven aufzeigen: Internationale, vorwiegend junge Positionen, die sich mit drängenden Zeitfragen auseinandersetzen, formale Experimente, die provozieren, berühren und über kulturelle und historische Differenzen hinweg zum Dialog auffordern.

Vor der Verwirklichung dieses anspruchsvollen Konzepts stand der Auszug aus den Türmen, die wegen der grundlegenden Modernisierung völlig geräumt werden mussten. Viele der bis dahin in den Türmen gezeigten Kunstwerke fanden einen neuen Platz in dem Ausweichquartier an der Frankfurter Theodor-Heuss-Allee, in den Gebäuden an der Junghofstraße und in der neu erworbenen Berliner Bank. Eine Rückkehr dieser Arbeiten nach Beendigung der Baumaßnahmen erschien aber wenig sinnvoll. Die alte Ausstattung bot zwar einen hervorragenden Überblick über die deutsche Kunstentwicklung in der 2. Hälfte des vergangenen Jahrhunderts, repräsentierte jedoch nicht die globale Ausrichtung der Bank.

Viele der seinerzeit oft erst am Beginn ihrer Karriere stehenden Künstler, denen jeweils ein Stockwerk gewidmet war - wie zum Beispiel Gerhard Richter oder Sigmar Polke - zählen außerdem inzwischen zu den weltweit gefragtesten Malerstars. Der damit entstandene museale Rang ihrer Werke und der Plan des Frankfurter Städel Museums, einen Anbau zu errichten, führten zu dem Beschluss, mehr als 600 Werke - überwiegend Gemälde und Druckgrafiken - aus dem Bestand der Bank, darunter viele Arbeiten aus den Türmen, als "Sammlung Deutsche Bank im Städel" dem Museum als ständige Leihgaben zur Verfügung zu stellen und so der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen. Der Großteil der Zeichnungen - und damit der Sammlungsschwerpunkt - der arrivierten Künstler wird weiterhin zusammen mit den konservatorisch anspruchsvollen Papierarbeiten der Klassischen Moderne in den Stockwerken des Vorstandsbereichs in der Konzernzentrale der Bank präsentiert.

Anhand der Baupläne des beauftragten Mailänder Architekten Mario Bellini und in den vorbereitenden Gesprächen wurde schnell deutlich, dass sich eine modifizierte Fortsetzung des "Etagenkonzeptes", die Präsentation jeweils eines Künstlers mit einer größeren Werkgruppe auf einem Stockwerk, anbietet. In diese kleinen Einzelausstellungen sind, anders als zuvor, auch die Besprechungszimmer auf den Etagen einbezogen. Werke weiterer Künstler sind außerdem in den 17 Konferenzräumen der Etagen B37 und B38, den weiträumigen Verbindungsgeschossen E2 und E3 sowie im Betriebsrestaurant zu sehen.

Gemäß den beschriebenen Schwerpunkten - Globalisierung und Verjüngung - wurden zunächst gemeinsam mit dem internationalen Beratergremium Vorschläge für die Auswahl der Künstler erarbeitet. Als Struktur für die Präsentation entschieden sich alle Beteiligten für die Aufteilung in die fünf Geschäftsregionen der Bank: Asien/Pazifik, Amerika, Naher Osten/Afrika, Europa und Deutschland. Als Altersgrenze für die auszuwählenden Künstler wurde das Geburtsjahr 1957 festgelegt: das Geburtsjahr des jüngsten Künstlers, der in den "alten" Türmen zu sehen war. Der jüngste Künstler der aktuellen Ausstattung, Mohamed Camara, ist 1985 geboren.

Über die Neuerwerbungen und Sammlungsergänzungen entschied ein Gremium aus Hermann-Josef Lamberti, dem für den Umbau verantwortlichen Vorstandsmitglied, Pierre de Weck, Mitglied des Group Executive Commitee und in der Konzernleitung für die Kunst zuständig, sowie Stefan Baron, Kommunikationschef der Deutschen Bank. Im Vorfeld der ersten Ankaufssitzung im November 2009 in Köln wurden weltweit Galerien angesprochen. In Zusammenarbeit mit Künstlern und den Kuratoren der Bank stellten sie maßgeschneiderte Vorschläge für das Gremium zusammen.

In der Ankaufssitzung wurden zunächst 411 Werke von 37 Künstlern ausgewählt, die in der Zeit bis zur Wiedereröffnung aus dem vorhandenen Sammlungsbestand weiter ergänzt wurden. Nedko Solakov und Pablo Bronstein schufen Auftragsarbeiten für ihre Etagen, sodass heute insgesamt 1 500 Werke von 100 Künstlern aus 44 Ländern in den Türmen zu sehen sind.

In enger Zusammenarbeit mit dem Architekten und dem Bauteam der Bank entwickelten die Sammlungskuratoren innenarchitektonische Konzepte und technische Lösungen - von UV-Strahlung absorbierenden Leuchten bis hin zu speziell angefertigten Hängesystemen - um die Kunstwerke im neugestalteten Gebäude optimal zu präsentieren. Von November 2010 bis Februar 2011 wurden alle Bilder parallel zum Wiederbezug der einzelnen Stockwerke platziert und den Mitarbeitern in ersten Führungen vorgestellt.

Im Eingangsbereich der Bank erhält der Besucher eine Übersicht und Informationen über die Sammlung Deutsche Bank in den Türmen. Eine "ArtWall" zeigt auf 60 Monitoren alle Etagen und ihre Künstler auf einen Blick, gewährt per Knopfdruck aber auch detaillierte Einblicke in das jeweilige Werk. Tritt der Mitarbeiter oder Besucher aus dem Aufzug, wird ihm zunächst der Künstler der jeweiligen Etage mit einem Porträt und einem kurzen Text vorgestellt. Entgegen den traditionellen Ausstellungs- und Auszeichnungsübersichten wurde, gemeinsam mit Heiner Blum, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, ein Weg gesucht, die Künstler hier eher persönlich zu präsentieren. So wurden vor allem Selbstporträts mit privatem Schnappschuss-Charakter im Facebook-Stil ausgewählt. Ergänzt werden diese Fotos durch die Signatur, bio- und geografische Angaben sowie einen Farbcode, der die geografische Zuordnung verdeutlicht.

Weitere Informationen stehen Kunstinteressierten im Internet sowie in einem Katalog zur Verfügung. Dieser stellt nicht nur die Künstler und ausgewählte Werkbeispiele vor, sondern gibt auch einen Überblick über die aktuelle Kunstentwicklung in den fünf ausgewählten Regionen. Ergänzend zu dieser regionalen Gliederung zeigt der Beitrag "Konkurrierende Geschichten" auch thematische Strukturen auf und erläutert, dass sich viele der präsentierten Künstler über alle Ländergrenzen hinweg gemeinsamen Fragestellungen widmen, die für die Gegenwartskunst rund um den Globus prägend sind - zum Beispiel die Auseinandersetzung mit den Folgen von Globalisierung und Migration, mit überkommenen Geschlechterrollen oder dem Erbe der Moderne.

Mit der Kunstausstattung für die neuen Türme hat sich die Sammlung der Deutschen Bank nicht nur deutlich weiterentwickelt, sondern sie hat auch ein neues Zentrum erhalten. In Frankfurt, am Hauptsitz des Unternehmens, wird nun das Ergebnis des Kunstengagements der letzten 20 Jahre ebenso wie seine vielversprechenden Perspektiven für Mitarbeiter, Kunden und Gäste unmittelbar und fokussiert erfahrbar. In großer Vielfalt und zugleich klar strukturiert bieten die Türme den Zugang zu einer Welt der Kunst, die sich gerade im 21. Jahrhundert durch globales Denken, Kreativität und Mut zum Neuen auszeichnet - Werte, die das Selbstverständnis der Deutschen Bank entscheidend geprägt haben und auch in Zukunft bestimmen werden.




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