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Glamour und Geschichte: Douglas Gordon in Frankfurt
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Glamour und Geschichte
Douglas Gordon in Frankfurt


Bekannt wurde der schottische Künstler Douglas Gordon vor allem durch seine abgründigen Filme und Videoinstallationen. Gleich zwei Frankfurter Institutionen widmen dem Turner Preis-Träger jetzt eine Ausstellung. Während das MMK eine umfangreiche Werkschau präsentiert, zeigt der Portikus ein gemeinschaftliches Projekt mit den Filmkünstlern Ross Birrell & David Harding, das von der Deutsche Bank Stiftung unterstützt wird.


Jede Nacht ging über dem Portikus die Sonne auf. Seit Eröffnung des Gebäudes auf der Maininsel hat Olafur Eliassons Installation Light Lab das Dach des Ausstellungshauses in gelbliches Licht getaucht. Jetzt macht die Sonne Pause. Stattdessen wird das Dachfenster zu einer monumentalen Projektionsfläche für Douglas Gordons neuen Film, der weit in den Frankfurter Stadtraum hinein sichtbar ist. Es ist mittlerweile Tradition, dass die Professoren der Städelschule im Portikus ausstellen. So auch Gordon, der seit 2010 Film unterrichtet. Seine aktuelle Arbeit hat er speziell für den Portikus entwickelt. Sie ist Teil des Ausstellung You Like This Garden?, die er gemeinsam mit Ross Birrell und David Harding realisiert hat. Gordons neuer Film nimmt Bezug auf eine von Birrell und Harding im Garten des Portikus installierte Textarbeit. Das Ausstellungsprojekt wird von der Deutsche Bank Stiftung gefördert, die bereits seit 1999 mit dem Portikus kooperiert.

Alle drei an You Like This Garden? beteiligten Künstler verbrachten längere Zeit an der Glasgow School of Art. Birrell unterrichtete hier, Harding leitete 15 Jahre lang die Bildhauerklasse.1987 gründete er dort das Environmental Art Programme. Als einer von Hardings Studenten hat auch Gordon an diesem Kurs teilgenommen. Seit zehn Jahren realisierten Birrell und Harding gemeinsam Projekte, ihr Film Guantanamera (2009) wurde von Gordons Produktionsfirma lost but found produziert. Die zweiteilige Arbeit dreht sich um das gleichnamige kubanische Volkslied, das von den Anhängern Castros ebenso wie von seinen Gegnern für sich reklamiert wird.

In der großen Halle des Portikus ist dieser Film Teil einer eigens für den Raum konzipierten Inszenierung. Ausschnitte aus Guantanamera werden mit Teilen aus Cuernavaca: A Journey in Search of Malcolm Lowry (2006) synchronisiert, einem Film über den Mexiko-Aufenthalt des Schriftstellers Malcolm Lowry. In der temporären zweiten Etage des Ausstellungshauses ist Port Bou: 18 Fragments for Walter Benjamin (2006) zu sehen. In diesem Film dokumentieren die beiden Künstler Benjamins tragische Flucht durch die Pyrenäen. Außerdem werden auf dieser Etage die vollständigen Versionen der in der Halle gezeigten Filme präsentiert.

Das Medium Film spielt auch in Gordons parallel zum Portikus-Projekt gezeigten Werkschau im MMK eine zentrale Rolle. Bereits seine Arbeit 24 Hour Psycho (1993), für die er Hitchcocks Thriller auf eine Länge von 24 Stunden ausdehnte, dokumentierte die Bedeutung dieses Mediums in seinem Werk. Kein Wunder also, dass sein Ausstellungsprojekt The VANITY of Allegory, das Gordon 2005 für das Deutsche Guggenheim kuratierte, von einem umfangreichen Filmprogramm zwischen Underground und Hollywood begleitet wurde. Konzipiert war The VANITY of Allegory als eine visuelle Collage, die von Selbstdarstellung und doppelter Identität erzählt. Douglas’ eigene Arbeiten traten hier in Dialog mit Arbeiten von Künstlern wie Matthew Barney, Jeff Koons oder Robert Mapplethorpe. Auf eine ganz eigenwillige Weise thematisierte die Schau das Vanitas-Motiv als Auseinandersetzung mit der Vergänglichkeit des Lebens und der Selbstdarstellung als einem Akt der Eitelkeit.

Auch im MMK liegt ein Hauch von Hollywood-Glamour in der Luft: Eines der gezeigten Projekte entstand in Zusammenarbeit mit Jung-Star James Franco und Henry Hopper, dem Sohn von Dennis Hopper. Henry Rebel wurde von Nicholas Rays Filmklassiker Rebel Without a Cause (…denn sie wissen nicht, was sie tun) inspiriert, in dem Dennis Hopper an der Seite von James Dean einen seiner ersten Auftritte hatte. Sein Sohn Henry liefert für Gordon eine intensive, verstörende Performance, in der er einen jungen Mann verkörpert, der von innen verbrennt.

Im MMK werden auch zwei von Douglas’ bekanntesten Werken präsentiert – Zidane: A 21st-Century Portrait und Play Dead. Real Time. Auf zwei großen freistehenden Leinwänden und einem kleinen Monitor sind im Loop Bilder von einem dressierten Elefanten zu sehen. Immer wieder sinkt er wie zum Sterben zu Boden, um dann wieder aufzustehen. Der Film entstand in der New Yorker Gagosian Gallery. In den makellos weißen Räumen wirkt der Elefant wie eine Skulptur – ein surreales Objekt, das von der Kamera langsam umkreist wird. Play Dead. Real Time erscheint als hypnotische Meditation über Leben und Tod, das zentrale Thema im Werk des 1966 geborenen Schotten.

Von Douglas’ Passion für den Fußball zeugt dagegen sein Film über Zinedine Zidane, den er gemeinsam mit Philippe Parreno realisiert hat. 17 Hochgeschwindigkeitskameras verfolgten den Fußballstar während des Spiels Real Madrid gegen Villareal im Frühjahr 2005. 90 Minuten lang ist er zumeist in Großaufnahmen zu sehen. Statt wie üblich der Dramatik des Spiels zu folgen, nimmt der Betrachter jede minimale Änderung im Verhalten Zidanes wahr und kann versuchen, anhand seiner Aktionen und Gesten den Verlauf des Spiels nachzuvollziehen. Im MMK installiert Gordon diese Arbeit erstmals auf 17 Einzelbildschirmen. Stars des Kinos und der Kunst sind dagegen in seiner Serie You and me präsent: die Fotoarbeiten zeigen versengte Publicity-Bilder von Schauspielern wie Rock Hudson oder Jayne Mansfield, aber auch von Andy Warhols Hommagen an Marilyn, Elvis oder Jackie O. Trotz ihrer post-apokalytischen Anmutung besitzen diese ikonischen Bilder noch immer ihre fast magische Präsenz – Bruchstücke aus einem kollektiven Unterbewusstsein, die fast unzerstörbar scheinen.
A.D.

You Like This Garden?
Ross Birrell/ David Harding und Douglas Gordon
18. November 2011 – 22. Januar 2012
Portikus, Frankfurt

Douglas Gordon
19. November 2011 – 25. März 2012
MMK, Frankfurt




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