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12 Harmonics: Keith Tysons spektakuläre Arbeit für das Winchester House

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12 Harmonics
Keith Tysons spektakuläre Arbeit für das Winchester House


Keith Tysons komplexes Werk besitzt beinahe kosmische Dimensionen. Es ist geprägt von der intensiven Beschäftigung mit Wissenschaft, Philosophie, Literatur und Science-Fiction. Dabei thematisiert der Turner Preis-Träger häufig grundlegende Fragen unserer Existenz. Im Londoner Winchester House, dem britischen Hauptsitz der Deutschen Bank, wurde jetzt seine Arbeit "12 Harmonics" installiert. Auch dieser Gemäldezyklus zeugt von Tysons unermüdlicher Auseinandersetzung mit der Welt, in der wir leben.



Keith Tyson, '12 Harmonics', Deutsche Bank London

Ein Strudel aus wechselnden Motiven und Perspektiven, eine psychedelische Vision des 21. Jahrhunderts – James Rosenquists monumentales Gemälde The Swimmer in the Econo-mist signalisierte jedem Besucher den hohen Stellenwert der Gegenwartskunst im Londoner Winchester House. Bislang prägten vier markante Arbeiten das Foyer des britischen Hauptsitzes der Deutschen Bank: Anish Kapoors spiegelnde Edelstahlskulptur Turning the World Upside Down III (1996), Tony Craggs aus tausenden elfenbeinfarbenen Würfeln zusammengesetzte Arbeit Secretions (1998), Damien Hirsts 1995 entstandenes Spot-Painting Biotin-Malemide und eben Rosenquists überdimensionales Gemälde. Nun hat das als erste Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim in Berlin entstandene Werk seinen neuen Platz im New Yorker Guggenheim Museum gefunden. Und wo bis vor kurzem die gigantische Leinwand des amerikanischen PopArt-Klassikers hing, wurde jetzt ein ebenso visionäres Werk installiert – Keith Tysons speziell für das Winchester House entworfenes Gemälde 12 Harmonics.


Hanging of Keith Tyson's '12 Harmonics', Deutsche Bank London

Die auf zwölf 3,5 x 2 Meter große Aluminium-Tafeln montierte Mixed-Media-Arbeit ist ein typisches Beispiel für Tysons überaus anspielungsreiches, vielschichtiges Werk. Die Serie und ihre Anordnung wurde nach verschiedenen Prinzipien konzipiert: Alle Tafeln besitzen eine, wie der Künstler erklärt, "numerische Essenz". Sie kann ganz offensichtlich sein wie auf der dritten Tafel, die drei menschliche Arme zeigt. Aber auch etwas versteckter, wie auf der sechsten Tafel mit ihrem Hintergrund aus sechseckigen Waben, die an einen Bienenstock denken lassen. Bienenwachs wiederum besteht zum Teil aus Kohlenstoff, einem chemischen Element mit der Ordnungszahl 6. Auch die chemische Formel, die auf dem Bild zu sehen ist, verweist auf Kohlenstoff. Bei ihr verbinden sich sechs Kohlenstoffelemente mit sechs Wasserstoffelementen zu Benzol, ein giftiges Ausgangsmaterial für viele chemische Produkte wie Kunst- oder Farbstoffe.

Die erste und die letzte Tafel des Zyklus’ zeigen die Sonne bzw. den Mond. Davon ausgehend sind je sechs Bilder dem Tag und der Nacht gewidmet. Darüber hinaus thematisiert er auch die vier Jahreszeiten. Jeweils vier von Tysons Bildern widmen sich wiederum den drei Aggregatzuständen – fest, flüssig und gasförmig. So ist etwa auf Tafel 10 die Figur eines rauchenden Cowboys zu sehen, der eine klassische Leuchtreklame zu zitieren scheint. Neonröhren sind mit Gas gefüllt und so spielt das Bild auf den dritten Aggregatzustand an, ebenso wie der Kondensstreifen, der am Himmel über dem im Meer treibenden Eisberg auf Tafel 11 zu sehen ist. Doch halt. Das Meer ist offensichtlich flüssig, der Eisberg fest. Für welchen Aggregatzustand also steht diese Polarlandschaft? Und wo verbirgt sich hier die 11? Der Betrachter als Detektiv: Die Auseinandersetzung mit der Arbeit löst eine Suche nach Kategorien, Zahlen und versteckten Bedeutungen aus, die schnell zur Auseinandersetzung mit der Welt werden kann.

12 Harmonics besitzt zudem fast kosmische Dimensionen. Denn jedes Gemälde steht für ein Tierkreiszeichen. So reitet auf Tafel 6 ein jugendlicher Amor auf einem Stier. Banker könnten bei Anblick dieses Tiers allerdings weniger an das Tierkreiszeichen denken, sondern eher an die Ökonomie: Die bronzenen Stiere, die vor den Börsen in Frankfurt und New York stehen, symbolisieren steigende Kurse. Der reitende Knabe wiederum stammt von einem berühmtem Caravaggio-Gemälde, auf dem Amor gemäß Vergils Dictum amor vincit omnia (Liebe besiegt alles) über Wissenschaft, Kunst, Ruhm und Macht triumphiert. Die Figur des Knaben fungiert zugleich als Anspielung auf eines der sechs Lebensalter des Menschen – einer mittelalterlichen Vorstellung, die sich wiederum auf die sechs Weltalter (aetates mundi) des Augustinus bezieht.

Tyson verbindet in 12 Harmonics Mikro- und Makrokosmos, Naturwissenschaften und Philosophie und arbeitet zugleich mit ganz heterogenen visuellen Elementen: Titelseiten von Zeitungen, Medienbilder, wissenschaftliche Fotografien, Spielkarten, abstrakte Malerei und Altmeisterzitate. Ein Netzwerk aus Bezügen und Anspielungen verbindet die einzelnen Bilder und lädt zu immer neuen Gedankenspielen ein. So eröffnet der Zyklus dem Betrachter ein schier unendliches Assoziationsfeld.

"Es ist wie bei einer Schachpartie: aus jeder Bewegung ergibt sich eine neue Position, eine gewisse Zeitspanne vergeht und es erfolgt wieder eine Bewegung", erklärt Keith Tyson. "Mit der Kunst verhält es sich genauso: Sobald man sich auf eine Position begeben hat rückt man auch schon zur nächsten. Zugleich geht es um die fast unendliche Zahl an Möglichkeiten, die sich zwischen den beiden Spielern ergeben." So erklärt sich auch die große Bandbreite seines Oeuvres. Es reicht von Malerei über Zeichnung, Fotografie und Installationen bis hin zu selbst entwickelten Maschinen. Tyson (*1968) hat tatsächlich eine Ausbildung in Maschinenbau absolviert, bevor er an der Universität in Brighton Kunst studierte. Nach seinem Abschluss in Alternative Practice war er in zahlreichen internationalen Ausstellungen vertreten. Seine große Skulptureninstallation Large Field Array war 2007 im Louisiana Museum, Dänemark, zu sehen. 2009 zeigte er bei Parasol unit, London, sein Projekt Cloud Choreography and Other Emergent Systems. Er nahm 2001 an der 49. Biennale in Venedig sowie 2002 an der Biennale in Sao Paolo teil. Als Höhepunkt seiner künstlerischen Karriere wurde Tyson 2002 der Turner Prize der Tate Britain in London verliehen.

Immer wieder lotete Tyson die Grenzen der Kunst aus. So entwickelte er in den 1990er Jahren seine Artmachine. Als Gegenentwurf zur "Hand des Künstlers" nutzte Tyson Computerprogramme, Ablaufdiagramme und Bücher, um zufällige Kombinationen von Worten und Ideen zu erzeugen. Sie bildeten dann die Grundlage für installative Arbeiten. Sein Werk ist von Wissenschaft, Philosophie und Science-Fiction geprägt, von der Beschäftigung mit Systemen, mit den Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Wissens. Dabei entzieht es sich jedem Versuch der Kategorisierung und der eindimensionalen Interpretation. "Ich glaube nicht, dass es nur eine richtige Sicht auf mein Werk gibt", erklärte Tyson dazu im Gespräch mit dem Kritiker Alex Coles. "Und was den Gegensatz zwischen einer wissenschaftlichen Lesart und einer poetischen betrifft, den sehe ich nicht. Für mich verkörpert mein Werk beides gleichermaßen."

Achim Drucks




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