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Surreale Produktlandschaften
Jeff Koons in Frankfurt



Makellos, erhaben, banal – das Oeuvre von Jeff Koons ist ein faszinierender Mix aus Kunstgeschichte, Pop- und Alltagskultur. Seit den Anfängen seiner Karriere sorgt er für heftige Debatten. Produziert der 1955 geborene Amerikaner in seiner Kunstfabrik mit einer Heerschar von Mitarbeitern monumentalen Kitsch für Sammler mit zu viel Geld? Oder ist er der legitime Nachfolger von Andy Warhol? Ein Künstler, der wie kaum ein anderer private wie gesellschaftliche Sehnsüchte und Obsessionen in Bilder bannt?

In Frankfurt kann man sich jetzt sein eigenes Urteil zu Jeff Koons bilden. Gemeinsam widmen ihm die Schirn und das Liebighaus eine Doppelschau, in der sich die gesamte Entwicklung seines Werkes nachvollziehen lässt. Die Retrospektive beginnt mit den frühen, unterkühlten Staubsauger-Ready-Mades und endet bei der neuen, noch nie gezeigten Werkgruppe Antiquity – Koons‘ Auseinandersetzung mit einem zentralen Thema der antiken Kunst, dem Eros. Vor gestisch anmutenden Farbfeldern begegnen sich römische Skulpturen und auf Plastikdelfinen reitende Pin-Up-Girls. Solch freischwebende Kompositionselemente kennzeichnen bereits seine Gemäldeserie Easyfun-Ethereal, die er 2000 als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim realisierte: Gierig schnappen lasziv geöffnete Lippen nach prallgelben Maiskörnern. Saft-Fontänen und Haarsträhnen wuchern vor einem knallblauen Himmel. Auf den großformatigen, von den Hochglanzoberflächen der Werbung inspirierten Leinwänden verbinden sich Fragmente von Waren und Körpern zu surrealen Produktlandschaften.

Auch Koons‘ ikonisches Edelstahlkaninchen ist in Frankfurt zu sehen, ebenso wie Arbeiten aus der Serie Made in Heaven, die 1991 für einen Skandal sorgte. Gemeinsam mit seiner späteren Frau, der politischen Aktivistin und Pornodarstellerin Cicciolina, ließ sich Koons von Holzschnitzern aus Oberammergau oder Glaskünstlern aus Murano in der Manier barocker Skulpturen nachbilden – allerdings in pornografischen Posen. Das führte nicht nur zu Forderungen nach Zensur, sondern katapultierte ihn schlagartig ins Bewusstsein des Massenpublikums.

Unter dem Titel Jeff Koons. The Painter zeigt die Schirn rund 40 seiner Gemälde, während das Liebighaus rund 50 seiner Skulpturen im Dialog mit Werken aus der Museumssammlung präsentiert. Hier trifft Koons' aus Porzellan gefertigter Michael Jackson  in Begleitung seines Lieblingsaffen Bubbles auf ägyptische Götterfiguren. Die ebenfalls aus der 1988 entstandenen Serie Banality stammende Skulptur Woman in Tub wird mit einem farbig glasierten Terrakottaaltar von Andrea della Robbia kombiniert. Das passt nicht nur auf Grund der blau-weißen Farbigkeit. Die Werkstatt Della Robbia fertigte ihre Heiligen- und Marienbilder in großem Stil für ganz Europa, als Vorläufer heutiger „Kunstfabriken“ wie die von Hirst, Reyle oder eben Koons.

Nahezu die gesamte Galeriefläche der Schirn ist den Gemälden gewidmet. Lässt Koons für die Serie Equilibrium (1985) noch Nike-Werbeposter schlicht und einfach rahmen, entstehen für Luxury and Degradation (1986) die ersten Arbeiten auf Leinwand. Die Öldrucke zeigen erneut Reklamen, diesmal allerdings für Spirituosen. Von diesen vergleichsweise schlichten Anfängen haben sich seine Gemälde mittlerweile zu hybriden Kompositionen entwickelt, auf denen sich eine Vielzahl von Motiven überlagert. Am Computer generiert und dann auf Leinwand übertragenen, sind sie von atemberaubender Perfektion. Der hohe Produktionsstandard seiner Skulpturen und Gemälde, die daraus resultierende Makellosigkeit trägt wesentlich zur Wirkung der Arbeiten bei: „Der Betrachter muss dem Objekt vertrauen“, erklärte Koons dazu in einem Interview für ArtMag. „Als ich jünger war, besuchten wir eine Gießerei und dort haben sie der Rückseite nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie der Vorderseite. Das habe ich nie verstanden. Dadurch verliere ich Vertrauen. Ein Objekt ist ein abstrakter Gedanke, der zu Lebensenergie transformiert wird.“ Und wenn das Objekt keinen Makel aufweist, „befindet es sich in einem höheren Bewusstseinszustand.“ Ob man diesen Zustand auch beim Betrachten von Koons‘ Werken erreichen kann, sollte man jetzt in Frankfurt überprüfen. Es lohnt sich.
A.D.


Jeff Koons
20. Juni – 23. September 2012.
Schirn & Liebighaus, Frankfurt am Main




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