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Pigmente, Wachs, Stahl
Anish Kapoor im MCA in Sydney


Anish Kapoors Skulpturen zählen zu den weltweit  bekanntesten Kunstwerken – dank ihrer visuellen Kraft und emotionalen Wirkung. Erstmals in Australien präsentiert jetzt das Museum of Contemporary Art in Sydney eine ambitionierte Werkschau des britisch-indischen Künstlers. Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Bank, die sich seit mehr als zehn Jahren für das MCA engagiert. Zu den Highlights der Ausstellung zählt auch „Memory“ – eine gigantische, aus 154 Stahlplatten zusammengesetzte Skulptur, die Kapoor als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim realisiert hat.


Seine verspiegelte Edelstahlskulptur Cloud Gate (2006) im Millennium Park in Chicago wiegt ganze 110 Tonnen. In der Turbinenhalle der Tate Modern installierte er 2002 eine 155 Meter lange und 35 Meter hohe, blutrote Membran; im Grand Palais folgte 2011 eine mit 72.000 Kubikmetern Luft gefüllte, begehbare PVC-Struktur. Sein bislang monumentalstes Projekt realisierte Anish Kapoor für die diesjährige Londoner Sommerolympiade: den ArcelorMittal Orbit. Der Hybrid aus Skulptur und Aussichtsplattform besteht aus 1.400 Tonnen feuerrotem Stahl, die sich in Form verschlungener, DNA-artiger Stränge 115 Meter hoch in den Himmel winden. Kapoors Hang zur Überwältigung durch schiere Größe ist allerdings einigen Kritikern suspekt. Doch die damit verbundene physische Präsenz seiner Arbeiten ist für ihre Wirkung unerlässlich. "Größe ist etwas verpönt", erklärte der Künstler in einem Interview mit ArtMag, "aber sie ist ein ganz wesentliches Mittel, um mit dem Raum umzugehen.“

Memory (2008), Kapoors Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim, zählt zu seinen aufwendigsten Skulpturen. Nahtlos fügen sich 154 aus Cor-Ten Stahl gefertigte Elemente zu einer organisch-technoiden Form. 24 Tonnen ist die 2008 als Auftragsarbeit für das Deutsche Guggenheim entstandene Skulptur schwer, doch wirkt sie auf verblüffende Weise "immateriell". Das riesige rostfarbene Objekt scheint der Schwerkraft zu trotzen und berührt  nur ganz leicht die Grenzen des Raums – Wände, Boden und Decke. Mehr noch, die Arbeit des „Turner Preis“-Trägers bringt den Betrachter dazu, selbst aktiv zu werden, denn es gilt, sich Memory aus verschiedenen räumlichen Perspektiven zu nähern. Der Künstler beschreibt diesen Prozess als "Diagramm, das nie vollendet werden kann".

Nach einem Gastspiel im New Yorker Guggenheim Museum ist Memory jetzt im Rahmen der ersten großen Kapoor-Schau in Australien zu sehen. Auf zwei Etagen gibt das Museum of Contemporary Art (MCA) in Sydney einen Überblick über die Karriere des 1956 in Mumbai geborenen Künstlers, der seit den frühen 1970ern in London lebt. Gefördert wird die Schau von der Deutschen Bank, die seit langem mit dem Künstler und dem Museum verbunden ist. Die Deutsche Bank kooperiert seit über einer Dekade mit dem MCA. So fördert sie als Education Partner das engagierte Kinder- und Jugendprogramm des Museums. Neben zahlreichen Arbeiten auf Papier ist Kapoor neben Memory auch mit einer weiteren bedeutenden Skulptur in der Sammlung Deutsche Bank vertreten: Turning the World Upside Down (1996), einer seiner ersten Edelstahlarbeiten.

Zusammen mit Tony Cragg, Barry Flanagan und Rachel Whiteread zählt Kapoor zu den Künstlern, die Anfang der 1980er die britische Bildhauerei radikal erneuerten – etwa mit der Verwendung neuer Materialien wie Kunststoffen und Pigmenten. Aus dieser Zeit ist im MCA 1000 Names (1979–80) zu sehen. Die „Pigment-Skulpturen“ entstanden nach einer Reise in sein Geburtsland Indien. Die Werkgruppe besteht aus geometrisch oder organisch geformten Holzobjekten, die auf dem Boden oder an der Wand installiert werden. Kapoor hat sie mit intensiv leuchtendem Puder aus Pigmenten überzogen, der sich teilweise von den Oberflächen löst und die Objekte wie eine Art Farb-Aura umgibt. Auch bei Void (1989) arbeitet der er mit Pigmenten. Die mit dunkelblauem Farbpuder überzogene Form spielt mit unserer Wahrnehmung: je nach Standpunkt erscheint sie konvex oder konkav. Der Blick verliert sich in dem tiefen Blau und es scheint nicht möglich, die reale Dimension und Form der Arbeit zu erfassen.

Ein weiterer Höhepunkt der Ausstellung ist My Red Homeland (2003). 25 Tonnen Wachs und Vaseline formen sich zu einer runden Bodenskulptur von 12 Meter Durchmesser. Ein großer metallener Arm dreht sich ganz langsam um die eigene Achse, wühlt dabei die rot eingefärbte Masse auf und verformt sie immer wieder aufs Neue. Chaos und Ordnung, Stillstand und Bewegung, Farbe und Materialität verdichten sich hier für den Betrachter zu einem beeindruckenden Erlebnis. Kapoor eröffnet Räume, die zugleich physisch als auch metaphysisch sind. Sein Werk lebt von der Spannung zwischen Form und Formlosigkeit, Materiellem und Immateriellen. Es ist ebenso faszinierend wie verstörend, entzieht sich jeder eindeutigen Interpretation. Doch gerade diese rätselhafte Vieldeutigkeit verleiht ihm seine geradezu spirituelle Qualität.

Anish Kapoor
20. Dezember 2012 -1. April 2013
MCA, Sydney




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