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Annäherungen an die deutsche Realität
„Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank“
im Museum der bildenden Künste Leipzig


Die Auseinandersetzung mit der deutschen Identität, Visionen der Moderne, der ideologisch aufgeladene Bilderstreit zwischen Figuration und Abstraktion: Die Ausstellung „Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank“ dokumentiert viel mehr als nur die Vitalität der sächsischen Kunstszene. Die Schau im Museum der bildenden Künste Leipzig spiegelt zugleich ein Stück Sammlungsgeschichte und die unterschiedlichsten Aspekte der jüngeren deutschen Kultur, Politik und Geschichte wider.

Künstlergespräche
Sonntag, 17. Februar | 11 Uhr
Thomas Scheibitz & Hans-Werner Schmidt

Sonntag, 3. März | 11 Uhr
Cornelia Schleime & Friedhelm Hütte
Sonntag, 24. März | 11 Uhr
Jörg Herold & n.n.

Sonntag, 7. April | 11 Uhr
Via Lewandowsky & Frédéric Bußmann



Was verbindet Georg Baselitz, Wolfgang Mattheuer und Eberhard Havekost? Auf Anhieb nur wenig. Baselitz und Mattheuer trennen nicht nur formal, sondern auch ideologisch Welten. Und Havekost steht für eine unterkühlte, konzeptionelle Malerei, die sich Lichtjahre entfernt von dieser Nachkriegsgeneration bewegt. Doch haben alle drei auf unterschiedliche Weise die deutsche Gegenwartskunst geprägt. Jeder dieser Maler steht für eine ganz bestimmte Sicht auf die deutsche Wirklichkeit. Und sie sind – wie fast alle der 32 Künstler in der aktuellen Ausstellung aus der Sammlung Deutsche Bank – in Sachsen geboren.

Sachsen, das ist nicht nur der Geburtsort, der Produktionsort von Kunst oder ganz schlicht die Heimat, sondern auch der Ausgangspunkt für völlig unterschiedliche Lebensläufe und Karrieren, die Kunstgeschichte in Ost und West geschrieben haben. In diesem Sinne entwirft Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank im Museum der bildenden Künste Leipzig eine komplexe, durchaus subjektive Topografie einer der spannendsten Regionen für Gegenwartskunst in Europa. Die Zeichnungen, Druckgrafiken und Gemälde bilden die unterschiedlichsten Strömungen und Stilrichtungen ab und umfassen dabei das ganze Spektrum der deutschen Gegenwartskunst von den 1950er-Jahren bis in das anbrechende neue Jahrtausend. Die meisten der gezeigten Werke wurden in der Zeit zwischen Mauerfall und dem Aufstieg der „Neuen Leipziger Schule“ in den späten 1990ern angekauft – einer Zeit, in der sich Leipzig als Kunstmetropole mit weltweiter Wirkung etablierte.

Bereits kurz nach der deutschen Wiedervereinigung begannen regelmäßige Galerie- und Atelierbesuche der Deutsche Bank-Kuratoren in Leipzig und Dresden. Viele der sächsischen Künstler, deren Werke in dieser Zeit erworben wurden, standen noch ganz am Anfang ihrer Karriere, etwa Neo Rauch, der damals als Assistent von Arno Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig arbeitete. So dokumentiert die Schau ein entscheidendes Stück der Geschichte einer Sammlung, die schon immer junge Positionen förderte und ihre Werke früh erwarb. Zugleich war es der Ankauf von junger ostdeutscher Kunst, die auch dazu führte, große Einzelgänger in der DDR-Kunst wieder- und neu zu entdecken: Carlfriedrich Claus und Hermann Glöckner, die auf völlig unterschiedliche Weise an das Erbe der Moderne anknüpfen.

So reicht die Spannbreite der Positionen in Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank dann auch von Claus und Glöckner bis zu Carsten und Olaf Nicolai, Rauch oder Thomas Scheibitz. Viele der Künstler sind in Sachsen geboren oder leben und arbeiteten hier. Andere wie etwa Cornelia Schleime, mussten wegen ihrer kritischen Haltung die DDR verlassen. Ein Teil der Künstler sind zwar in Sachsen geboren, begannen ihre Laufbahn jedoch in den 1960er-Jahren im Rheinland oder West-Berlin. So sind neben Gerhard Richter auch Imi Knoebel, Blinky Palermo oder eben Baselitz vertreten. Die Ausstellung folgt all diesen unterschiedlichen Spuren, verzichtet aber ganz bewusst auf eine historisch-chronologische Präsentation. Es gibt hier auch keine Trennung zwischen Ost und West, Schulen oder Strömungen. Stattdessen gliedert sich die Schau in sechs Sektionen, die zu einer assoziativen Reise durch die deutsche Gegenwartskunst einladen. Dabei spiegelt sie auch die unterschiedlichsten Aspekte der jüngeren deutschen Kultur, Politik und Geschichte.

Neo Rauchs „Werktätige“, die sich wie Schlafwandler durch rätselhafte Szenarien bewegen, finden sich in der Sektion „Helden/Anti-Helden“, wo sie auf die in den frühen 1960ern entstandenen Monstren und Heldenfiguren von Baselitz und Eugen Schönebeck treffen. Reagieren diese Künstler auf die verdrängte Nazivergangenheit und den Muff der Wirtschaftswunderära, bezieht sich Wolfgang Mattheuers Ikarus erhebt sich, das letzte Bild aus seiner 1988 begonnen Suite 89, ganz unmittelbar auf die politischen Ereignisse in der Endzeit der DDR. „Den Nerv einer Zeit zu treffen und zu fixieren, jenen neuralgischen Punkt, der Lust und Schmerz auslöst“, so beschrieb Mattheuer das Ziel seiner künstlerischen Arbeit.

Um Konstruktivismus und geometrische Abstraktionen geht es dagegen in der Sektion „Auf Kaltem Grund“. Doch auch diese formalen Themen sind ideologisch aufgeladen, da doch die abstrakte Kunst von der offiziellen DDR-Kunstdoktrin als „kosmopolitisch“ und „imperialistisch“ verfemt wurde. Der Titel der Sektion ist einer Arbeit von Hermann Glöckner entlehnt, der unbeirrt an der ungegenständlichen Kunst in der Tradition der russischen Avantgarde festhielt. Neben Glöckner sind hier Knoebel und Palermo zu sehen. Sie beeinflussten den Leipziger Maler Kaeseberg, dessen Arbeiten exemplarisch für die Rezeption der Ideen von Kasimir Malewitsch oder Joseph Beuys und seinen Schülern in der jungen DDR-Szene sind.

So konsequent und eigensinnig wie Glöckner arbeitet auch Carlfriedrich Claus an seinem „betriebsamen Universum enigmatischer Chiffren“, wie es die Kunsthistorikerin Sarah E. James im Ausstellungskatalog formuliert. Claus‘ visuelle Sprachexerzitien treffen in „Codes“ auf andere künstlerische Formen, die mit Chiffren, Kalligrafie, Sprach-, Schrift- oder auch Welterklärungssystemen assoziiert sind. Dazu gehören A.R. Pencks archaisch vereinfachten Zeichensysteme oder Via Lewandowskys 1987 entstandene, tagebuchartige Serie von Wachsmalkreide-Zeichnungen. Lewandowsky, der Mitte der 1980er-Jahre die Gruppe der „Autoperforationsartisten“ mitbegründete und mit extremen Performances die Kunstszene in der DDR aufrüttelte, nutzt den deformierten Körper als politische Chiffre: Er steht im radikalen Gegensatz zu dem vom Sozialistischen Realismus propagierten optimistischen Menschenbild.

Die Werke in „Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank veranschaulichen, wie oft sich die Künstler mit ähnlichen Themen beschäftigen: mit der deutschen Identität, den Visionen der Moderne, dem ideologisch aufgeladenen Bilderstreit zwischen Ost und West, Figuration und Abstraktion. Ob in der beißend-ironischen „Stasi-Serie“ von Cornelia Schleime oder den bis zum Gefrierpunkt herunter gekühlten Architekturstudien von Eberhard Havekost – immer wieder wird die Frage virulent, wie Kunst und Künstler sich der (deutschen) Realität annähern. Die Ausstellung zeigt also nicht nur Sachsen als sich wandelnden Produktions- und Diskursort für aktuelle Kunst in den 1990er-Jahren. Sie versucht zugleich ein Koordinatensystem der deutschen Gegenwartskunst zu entwerfen, in dem Themen und Fragestellungen sichtbar werden, die bis heute nichts von ihrer Dringlichkeit eingebüßt haben.

Sachsen — Werke aus der Sammlung Deutsche Bank
7. Februar bis 21. April 2013
Museum der bildenden Künste Leipzig

Katalog: Sachsen – Werke aus der Sammlung Deutsche Bank mit Beiträgen von Friedhelm Hütte, Sarah E. James und Sebastian Preuss. Der broschierte Band mit 144 Seiten und 83 Abbildungen ist für 19 Euro im Museum erhältlich.




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