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Barometer der Kunstszene - Preview Frieze New York und Art Basel Hong Kong

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Barometer der Kunstszene
Preview Frieze New York und Art Basel Hong Kong


Mit über 180 Galerien feiert die diesjährige Frieze New York einen Teilnehmerrekord in der Geschichte der 2003 in London gegründeten Messe. Und auch die Art Basel Hong Kong boomt: hier haben sich rund 250 internationale Galerien angesagt. Die Deutsche Bank ist Partner dieser beiden wichtigen Messen für aktuelle Gegenwartskunst. Ein Preview von Achim Drucks.


Die Premiere war ein voller Erfolg: „Die Frieze Art Fair elektrisiert New York“ – so brachte es das Wall Street Journal auf den Punkt. Auch die Vorzeichen für die diesjährige Frieze New York stimmen optimistisch. Bei einer Rekordteilnehmerzahl präsentiert sich die Messe erneut sehr international: Galerien aus 32 Ländern sind in den Messezelten auf Randall’s Island präsent. Neuzugänge wie die Goodman Gallery aus Johannesburg oder Project 88 aus Mumbai zeigen, wie sehr sich die Landkarte der Kunstszene in den letzten Jahren erweitert hat. Frame, die Sektion für junge Galerien, die eine ausgewählte Einzelposition vorstellen, zeigt ebenfalls interessante Newcomer: Hopkinson Cundy aus dem neuseeländischen Auckland ist hier ebenso vertreten wie Leo Xu Projects aus Shanghai oder Mendes Wood aus São Paulo. Und in der Sektion Focus beweist die Bukarester Ivan Gallery, dass man gerade abseits der ausgetretenen Pfade spannende Entdeckungen machen kann. Sie stellt drei „moderne Klassiker“ der rumänischen Gegenwartskunst vor: die Konzeptkünstlerin Geta Brătescu, den Maler Horia Bernea und den Bildhauer Paul Neagu, bei dem Anish Kapoor studiert hat.

Mit insgesamt 54 Galerien ist die Gastgeberstadt vor Ort präsent. Dabei beteiligen sich mit Marian Goodman und Luhring Augustine zwei der wichtigsten New Yorker Galerien erstmals an der Messe. Goodman macht hier ihrem Ruf als „Galeristin der Kuratoren“ wieder alle Ehre. Sie präsentiert ein Solo-Projekt von Tino Seghal, dessen performative Arbeiten so ziemlich das Gegenteil dessen sind, was den Besuchern üblicherweise auf Kunstmessen präsentiert wird.

Aber die Frieze, ob in New York oder in London, ist eben auch keine gewöhnliche Kunstmesse. Von Anfang an setzt sie auf ein ambitioniertes Rahmenprogramm aus Talks, Musik, Filmen und vor allem den Frieze Projects. Diese kuratierte Reihe von Auftragsarbeiten so unterschiedlicher Künstler wie Thomas Bayrle, Richard Prince, Tue Greenfort oder Simon Fujiwara schafft es immer wieder, die Konventionen einer Kunstmesse auf überraschend Art zu hinterfragen. Zudem fokussiert sich die Frieze ganz auf aktuelle Positionen. Das hat auch die Deutsche Bank überzeugt. Bereits seit ihrer zweiten Ausgabe 2004 wird die Londoner Frize Art Fair von der Deutschen Bank unterstützt. Und so lag es nahe, ebenfalls mit der neuen Messe in New York zu kooperieren.

Die diesjährigen Projects werden erneut von Cecilia Alemani betreut. Die junge Kuratorin ist auch Direktorin des High Line Art Program. Hier sorgt sie dafür, dass die begrünte Hochbahntrasse im Westen von Manhattan nicht nur als umwerfend schöner Park bekannt wurde, sondern dank zahlreicher Auftragsarbeiten auch als neues kulturelles Highlight der Stadt. Auch die aktuellen Frieze Projects fungieren wieder als Wiederhaken im Messebetrieb: Ausgangspunkt von Andra Ursutas Arbeit ist die Vorstellung, dass Kunstmessen heute als temporäre Pilgerstätten für die internationale „Art Crowd“ fungieren. Die junge Rumänin imaginiert sich die Frieze als Kunst-Dorf, dem allerdings ein Friedhof fehlt. Die Plätze, an denen Kunstwerke ihre letzte Ruhestätte finden können, markiert Ursuta mit Marmorplatten, die sie in der idyllischen Landschaft von Randall’s Island installiert. Mateo Tannatts Skulpturen begegnet man im Messezelt. Seine farbigen Objekte dienen als Sitzgelegenheiten für die Besucher. Nehmen sie Platz werden allerdings zu Mitspielern einer Performance, die nach einem festen Script um sie herum stattfindet. An die Zeit der Prohibition im New York der 1920er erinnert Liz Glynns Speakeasy. Ihre Bar, die wie ein alter Tresorraum gestaltet ist, kann man nur durch eine Geheimtür betreten. Dort werden nicht nur Cocktails serviert, die Bartender unterhalten die Gäste auch mit Zaubertricks.

Als Hommage an die Aufbruchsstimmung und den Gemeinschaftsgeist der frühen 70er versteht sich FOOD 1971/2013. Das legendäre Restaurant FOOD, dass Gordon Matta-Clark zusammen mit anderen Künstlern im Oktober 1971 gründete, wird auf der Frieze wiederauferstehen – als kommunikativer Treffpunkt, an dem jeden Tag ein anderer Künstler kochen wird. Bereits im letzten Jahr  demonstrierten Projects wie die Zeichenaktion von Tim Rollins and Kids Of Survival (KOS) und John Ahearns Rekonstruktion seiner Ausstellung South Bronx Hall of Fame von 1979 die Bedeutung eher alternativer Positionen für die Vitalität der New Yorker Kunstszene.

Lange Zeit bildete sich die Bedeutung New Yorks als vielleicht wichtigstem Produktionsort für Gegenwartskunst nur in  den Museen, Galerien und Ateliers ab. Die Messen dagegen spiegelten den Stellenwert der Stadt für die internationale Kunstszene nicht wirklich wieder. Das ändert sich jetzt: Die deutlich gestraffte Armory Show, die Art Show der Art Dealers Association of America (ADAA), die 2010 gegründete Independent und natürlich die Frieze sorgen dafür, dass New Yorker auch was die Messen anbetrifft seiner Rolle als weltweiter Kunsthauptstadt gerecht wird.

Ist der Ruf New Yorks als Kunstmetropole unbestritten, scheint Hongkong eher als boomender Wirtschaftsraum im kollektiven Bewusstsein verankert zu sein. Doch die Stadt am Pearl River hat sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit zu einem der wichtigsten Kunstzentren Asiens entwickelt. Hongkong ist heute, gemessen an den Auktionserlösen,  der drittgrößte Kunstmarkt der Welt. Bedeutende Galerien wie Gagosian, White Cube und Perrotin eröffneten hier in den letzten Jahren Dependancen. Und auch Pearl Lam, die sich seit rund 20 Jahren für chinesische Kunst  jenseits der Polit-Pop-Klischees engagiert, ist mit ihrer Galerie in ihre Heimatstadt zurückgekehrt. Zusätzlich zu ihrem Sitz in Shanghai und ihrer Stiftung in New York residiert sie seit letztem Jahr im Pedder Building. Das neoklassizistische Gebäude, eines der wenigen im Zentrum der Metropole verbliebenen historischen Häuser, beherbergt auch Gagosian, Ben Brown und seit diesem März Lehmann Maupin. Die Galerie eröffnete die neuen Räume mit einer Ausstellung der koreanischen Künstlerin Lee Bul.

Der Boom der zeitgenössischen Szene in Hongkong hat, neben der florierenden Wirtschaft, vor allem zwei Gründe: Das Museumsprojekt M+, das 2017 im West Kowloon Cultural District eröffnen wird, sorgt dank seines Gründungsdirektors Lars Nittve schon jetzt für viel Interesse an zeitgenössischer Kunst. Mit Nittve, der bereites Häuser wie das Louisiana Museum oder die Tate Modern leitete, hat das M+ einen der wichtigsten europäischen Museumsmänner mit an Bord. Zugleich entwickelte sich die 2008 gegründete ART HK zur bedeutendsten Kunstmesse der Region. Die Deutsche Bank war sehr früh vom Potential der ART HK überzeugt. Die positive Stimmung auf den ersten beiden Ausgaben war so groß, dass sie beschloss, sich für die Messe zu engagieren. Seit 2010 ist die Deutsche Bank Hauptsponsor der Messe, die dieses Jahr erstmals unter der Ägide der Art Basel stattfindet.

Aus der ART HK wurde zwar jetzt die Art Basel Hong Kong, doch der Name des Direktors ist gleich geblieben: Magnus Renfrew leitet die Messe von Beginn an und hat mit einer klugen Galerieauswahl und Sektionen wie Encounters, in der raumgreifende Skulpturen und Installationen gezeigt werden, wesentlich zu ihrem Profil und Erfolg beigetragen. Für das Debüt der Art Basel Hong Kong verspricht Art-Basel-Direktor Marc Spiegler selbstbewusst „die stärkste Kombination von Galerien aus Ost und West, die die Welt bislang gesehen hat.“

Und tatsächlich ist das Aufgebot beeindruckend: rund 250 Galerien aus 35 Ländern präsentieren Arbeiten von über 3.000 Künstlern. Namen wie Gladstone, Hauser & Wirth, Lisson, Nature Morte, Vitamin Creative Space und White Cube sprechen für sich. Der asiatisch-pazifischen Raum sowie die USA und Europa sind im zentral gelegenen Hong Kong Convention and Exhibition Centre gleichstark vertreten. 48 Galerien sind erstmals in Hong Kong vor Ort, etwa Tina Keng aus Taiwan, die moderne Klassiker aus dem asiatischen Raum präsentiert, oder die Delhi Art Gallery mit Klassikern der indischen Moderne. Weitere Neuzugänge in der Sektion Galleries sind Peter Blum aus New York oder Johnen aus Berlin.

Die Sektion Insights bietet die Möglichkeit, die ganze Vielfalt der Kunst im asiatisch-pazifischen Raum kennenzulernen. 47 Galerien zeigen hier kuratierte Präsentationen, die sich ganz auf einen Künstler oder ein Thema fokussieren. So präsentiert die auf Fotografie spezialisierte Blindspot Gallery Stanley Wong aka anothermountainman – einen Künstler, der auch in der Sammlung Deutsche Bank in Hong Kong vertreten ist. Der jungen, internationalen Szene ist Discoveries gewidmet. Hier werden entweder Einzelpositionen oder zwei Künstler im Dialog miteinander vorgestellt.

Zu den Highlights der Messe zählt auf jeden Fall die Sektion Encounters. Yuko Hasegawa, Chefkuratorin des Museum of Contemporary Art, Tokyo und Kuratorin der diesjährigen Sharjah Biennial, hat 17 großformatige Arbeiten ausgewählt, die in den Messehallen platziert werden. Das Spektrum reicht dabei von Bronzen bis zu Installationen, die die Besucher einladen, sich zu beteiligen. Haegue Yang wird eine ihrer Jalousien-Skulpturen realisieren, mit denen sie auch auf der letzten documenta vertreten war, während Liam Gillicks in Knallfarben lackierte Turmkonstruktionen die Eleganz eines Salons für Luxusautomobile verströmen. Doch Vorsicht: Visibility is a Trap, Sichtbarkeit ist eine Falle verkündet Laurent Grassos 7 Meter lange Neonschrift. Dieses Foucault-Zitat sollte man vielleicht gerade auf einer Kunstmesse mit ihrem Überangebot an Oberflächenreizen immer im Kopf haben.


10.–13. Mai 2013 / Frieze New York
23.–26.Mai 2013 / Art Basel Hong Kong





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