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Musik als Medium der Kunst
Anri Sala im Gespräch mit Ari Benjamin Meyers


Der amerikanische Dirigent und Komponist Ari Benjamin Meyers kooperiert immer wieder mit bildenden Künstlern – etwa Tino Sehgal oder Dominique Gonzalez-Foerster. Jetzt erobert er die Kunstwelt. Vor kurzem zeigte die Berliner Galerie Esther Schipper seine Ausstellung „SONGBOOK“, Ende April eröffnet seine Installation „Chamber Music (Vestibule)“ in der Berlinischen Galerie. Zurzeit arbeitet Meyers mit dem albanischen Künstler Anri Sala an dessen Beitrag für die Biennale in Venedig, wo Sala für Frankreich den deutschen Pavillon bespielt. Salas Fotoarbeiten sind in den Frankfurter Türmen der Deutschen Bank eine ganze Etage gewidmet. Für ArtMag unterhalten sich Sala und Meyers an einem kalten Sonntagnachmittag über Musik – als Medium der Kunst.


Anri Sala: Ari, zum ersten Mal haben wir 2007 an Il Tempo del Postino zusammengearbeitet, einem Ausstellungs- und Performanceprojekt, das von Philippe Parreno und Hans-Ulrich Obrist kuratiert wurde. Als musikalischer Direktor hattest du auf ganz unterschiedliche Weise mit den verschiedensten Künstlern zu tun. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet. Wie hat diese Erfahrung deine Arbeit beeinflusst?

Ari Benjamin Meyers: Ich habe damals Musik für Theater und Tanz geschrieben und begann mich für Sachen zu interessieren, die selbst im Bereich der Neuen Musik kaum umzusetzen sind. Auch wenn die Musik zeitgenössisch ist, bleibt das ganze Drumherum extrem konservativ. Ich fing an, mich mehr und mehr für den Kontext und die Situationen zu interessieren, in denen Musik aufgeführt wird – auch für das Publikum. Und dann kam Il Tempo. Durch dich, Anri, wurde mir bewusst, dass man ganz anders über Musik nachdenken und mit ihr umgehen kann, als es Musiker und Komponisten sonst tun würden. Wenn ich da nur an dein Stück denke: Kein Dirigent würde sagen, OK, warum sollen wir uns daran halten, dass es nur eine Madame Butterfly gibt? Lass uns sechs haben – oder zwölf. Das hat mich wirklich ermutigt, ganz andere Wege in der Musik zu beschreiten.

AS:
Das Bühnenbild, die Kostüme, die Choreografie, die Leute stellen alles in Frage – nur nicht die Musik. Warum soll man das nicht ändern?

ABM: Künstler sind viel mehr daran interessiert, die Dinge zu hinterfragen – den White Cube, das Museum, einfach alles.

AS: Hier spielen andere Faktoren eine Rolle: der Ausstellungsraum, die umgebende Architektur, das Publikum, die Produktionsbedingungen. Auf gewisse Weise ist die Idee der Ausstellung schon sehr alt. Unsere Idee von „Ausstellung“ existiert so bereits seit hundert Jahren. Aber es hängt davon ab, was wir daraus machen.

ABM: Na ja, Konzerte gibt es schon seit dreihundert Jahren. Zeitgenössische Künstler sind da viel freier als jeder Musiker, Komponist oder Dirigent.

AS: Ich glaube, mit der Zeit ändert sich das wieder. Gerade gibt es in der bildenden Kunst scheinbar mehr Freiheiten. Das geht mit dem Drang einher, die Grenzen zu erweitern, auch wenn das nicht immer gut sein muss. Aber das gehört zur Dynamik, viel mehr als in der Musik.

ABM: Für mich als zeitgenössischem Komponisten ist es bizarr, dass das, was ich mache, schon zum Genre geworden ist. Andererseits bröckelt das ganze Musikgeschäft. Eigentlich ein interessanter Moment – ich glaube nicht, dass nur ich so darüber denke. Meine Beziehung zu Esther Schipper und der Galerie fühlt sich ganz neu an. Wir sind noch immer dabei, herauszufinden, wie es funktioniert und was das sein könnte. Was heißt das eigentlich, Musik auszustellen? Für mich ist es ja nicht nur Musik, es ist ein Medium – ein zeitbasiertes Medium wie Film, Video oder Performance. Auch bei ihr geht es um Prozesse, wie sich die Dinge durch die Zeit bewegen …

AS: ... und durch den Raum. Es geht darum, dass sich Medium und Publikum anders begegnen. Wenn du etwa eine Ausstellung machst, sprichst du das Publikum ganz anders an, als wenn du eine Komposition im Konzertsaal oder im Theater aufführst. Es geht also darum, unter welchen Bedingungen Sound und Publikum aufeinander treffen. Wenn ich von Sound spreche, meine ich nicht nur Musik und Noten – das kann auch mit Bildern, Choreografie oder Bewegung zu tun haben. Es gibt da diesen Aha-Moment, wenn man eine Arbeit einem Publikum vorstellt, das sie normalerweise in einem ganz anderen Kontext verortet. Es gilt, die Dynamik zwischen Ausstellungsraum und Publikum zu verändern.

ABM: Und die Erwartungen. Für das Projekt für die Berlinische Galerie wurde ich gebeten, ein Stück zu komponieren, das ein ganzes Jahr zu hören ist. Ich wollte etwas machen, das trotzdem ein performatives Element beinhaltet und die Betrachter mit einbezieht. Als Ausgangspunkt wählte ich den Durchgang, durch den die Leute rein und raus gehen. Die Komposition habe ich eigens für diesen Raum geschrieben. Es ist ein typischer Eingangsbereich zwischen zwei Glastüren. Mir gefällt die Vorstellung, dass das Musikstück, das wir hier aufnehmen, hier auch bleibt. Tatsächlich erscheint der ganze Raum wie eine Musikbox. Nur wenn alle Türen zu sind, erklingt die Musik. Wenn du die Tür öffnest, hört sie auf. So muss sich jeder Besucher entscheiden, ob er die nächste Tür öffnet und die Musik dadurch abbricht oder ob er in diesem Glaskäfig bleibt und das Stück weiter hört. Das Stück ist ziemlich lang. Währendessen gehen ständig Besucher durch diesen Raum. So ist man gezwungen, aktiv zu werden, indem man die Leute bittet zu warten, zuzuhören oder die Türe zu schließen.

 AS: Es geht darum, den Musikbegriff in andere Bereiche zu erweitern, ohne die Musik dabei bloß zu einem Werkzeug zu degradieren. Ein Beispiel für diese Erweiterung in ein anderes Genre ist der Film. Dabei wird die Musik herabgewürdigt, weil die Möglichkeiten, die die Beziehung zwischen Erzählung und Musik bieten können, falsch verstanden werden. Beim Film wird Musik selten als Konzept verstanden, das sich durch den Film entwickelt. Auch wenn ich immer mit Bildern arbeite – sei es im Film, bei einer Performance, in Fotografie oder Skulptur – beginnt bei mir eine Idee immer mit Musik oder Sound. Während des Arbeitsprozesses rufen sie das Bild hervor. Es geht darum zu vermeiden, dass das Bild dann wieder zum Hindernis wird und die Idee sabotiert. Ich versuche also immer, die Idee durch den Sound weiterzuentwickeln und danach kommt das Bild – als Teil der Wirklichkeit, in der der Sound produziert wird.
 Ari, wir haben gerade an etwas zusammengearbeitet, das zugleich die Musik und das Drehbuch zu Ravel Ravel ist, einem Teil meines Projektes für den Französischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. Darin sieht und hört man zwei verschiedene Interpretationen des gleichen Konzerts für Klavier und Orchester, die nebeneinander aufgeführt werden. Wir haben die Tempi der jeweiligen Aufführung umgeschrieben, so dass sie in ihrer Unterschiedlichkeit den Eindruck von sich ständig verschiebenden musikalischen Echos erwecken. Als wir an den zeitlichen Intervallen arbeiteten, war uns klar, dass das Neu-Arrangement des Tempos sich auch auf die Hände des Pianisten auswirken würde. Das Umschreiben der Musik ging also unmittelbar mit einer Choreografie für die Hände einher – gleichzeitig als Partitur und als Drehbuch.

Lesen Sie das komplette Interview in unserer englischen Ausgabe.




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