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Warum Zeichnung?
Drei Fragen an Victoria Noorthoorn


Eines der diesjährigen Highlights in der Deutsche Bank KunstHalle wird eine Ausstellung aus der Sammlung Deutsche Bank mit internationaler Zeichnung nach 1945 sein. Kuratorin der Schau ist Victoria Noorthoorn. Mit ArtMag spricht sie über die Faszination für das Medium Zeichnung und ihre Liebe zu Berlin.


Seit 2012 gehört Victoria Noorthoorn gemeinsam mit Okwui Enwezor, Hou Hanru und Udo Kittelmann zum Deutsche Bank Global Art Advisory Council. Die in Buenos Aires  lebende Kuratorin steht für eine global agierende Generation von Kuratoren, die mit eigenwilligen Konzepten die aktuellen Diskurse prägt. 2011 erneuerte sie die 11. Lyon Biennale und präsentierte unter dem Motto „A Terrible Beauty is Born“ in Europa viel zu oft übersehene Künstler aus Südamerika sowie überraschende historische Positionen. Publikum und Kritik waren begeistert. Im November wird Noorthoorn THE CIRCLE WALKED CASUALLY kuratieren – eine Ausstellung mit internationalen Zeichnungen aus der Sammlung Deutsche Bank in der neuen KunstHalle in Berlin. Wir haben ihr dazu im Vorfeld drei Fragen gestellt.

ArtMag: Warum ist das Medium Zeichnung in der Gegenwartskunst nach wie vor so relevant?

Victoria Noorthoorn: Meiner Ansicht nach ist Zeichnung das fundamentale Medium in der zeitgenössischen Kunst. Zeichnung geht immer mit der Idee eines Projekts einher. Sie zeugt von dem Bedürfnis, einen Vorschlag zu machen – für eine Transformation oder einen zukünftigen Wandel. Sie entwirft etwas in die Zeit und in den Raum hinein und transportiert die Vorstellungskraft des Künstlers, genauso wie seine Ideen über Kunst, die Welt und seine eigene gesellschaftliche Situation. Eine Zeichnung ist reine Wahrheit oder – wenn wir Oscar Wilde folgen –, reine Lüge. Aber sie täuscht uns nie, verstellt sich nicht. Sie ist ein Medium, das seine Kraft und Komplexität über die eigene Materialität – Papier – hinaus entwickelt und seine Eigenständigkeit und Parameter immer wieder selbst in Frage stellt. Zeichnung impliziert Transzendenz. Sie bildet die Grundlage für ein Projekt, in dem die unterschiedlichsten Disziplinen und Arbeitsweisen zusammenkommen. In der uralten Praxis des Zeichnens liegen ein schier unerschöpfliches Potential und unendlich viele Möglichkeiten.
Zeichnung ist wahrscheinlich jene Disziplin, die am deutlichsten das Denken des Künstlers während des kreativen Prozesses sichtbar macht. Üblicherweise zeichnet der Künstler für sich im Privaten, allein vor einem Blatt Papier. Der schöpferische Akt manifestiert sich in einem einzigen, kurzen Augenblick oder im Prozess des Versuchens, Scheiterns und Wieder-Versuchens, der grundlegend für jede Erforschung ist. Mit wenigen Mitteln entfaltet sich die Imagination des Einzelnen. Dazu gehört häufig auch, dass man auf die Geräusche und Informationen der Außenwelt reagiert, sie aufnimmt und in die Arbeit einbaut. In anderen Fällen dient der Prozess des Zeichnens dem Gegenteil – zur Schaffung einer Pause, von Ruhe und Abstand, damit mögliche Perspektiven und Erzählungen entwickelt werden können. Es ist der intime Charakter der Zeichnung, der eine ganze Welt, einen Geliebten oder einen Protestschrei gegenüber den bestehenden Verhältnissen offenbaren kann, den ich in meinen Ausstellungen zeigen will.       
Der Betrachter kann Werke entdecken, die eine Welt der unterschiedlichsten und auch widersprüchlichsten Möglichkeiten eröffnen. Das reicht von der Frage, ob man überhaupt ein Bild braucht, bis zu dem dringenden Bedürfnis, Stellung zu einer Sache zu beziehen oder Erkenntnis zu vermitteln. Etwas allgemeiner ausgedrückt: Ich stelle mir meine Ausstellungen gerne wie Echokammern vor, die den Klang der  vielen unterschiedlichen Ideen verstärken, die ursprünglich auf nur einem einzigen Blatt ausgedrückt werden. Und überhaupt bin ich entschlossen, den magischen Exzess und die Ungereimtheiten aufzuspüren, die Bildern in der Kunst innewohnen. Wie können Bilder provozieren? Welche Mittel und Strategien werden genutzt, um die Aufmerksamkeit auf umfassendere Konzepte und Untersuchungen zu lenken? Was macht die Eloquenz und Relevanz eines Bildes aus? Wie transzendiert es die eigene Bildhaftigkeit? Ist diese Transzendenz produktiv? Was könnten die Eigenschaften eines Bildes sein, das Zuhören als den grundlegendsten Zustand von Kontemplation und Wahrnehmung formuliert? Was wären die Eigenschaften eines Bildes, das die Kategorien von Zeit, Raum und Wissen radikal in Frage stellt?           

Sie sind eine global agierende Kuratorin. Wie ist ihr Verhältnis zu Berlin?

Berlin ist einer der fantastischsten Schmelztiegel von heute, der so fesselnde und unterschiedliche Künstler wie  Tino Sehgal, Arturo Herrera, Alexander Schellow und Tracey Rose angezogen hat, nur um einige zu nennen. Berlin hat die einmalige Möglichkeit, frisch und neu zu sein und hart und scharfsinnig in seinen Ansprüchen. In Berlin zu leben setzt eine Stimme voraus, die die Geschichte ehrt und die die Kraft hat, bedeutsame Utopien zu formulieren. Ich verfolge das Geschehen in Berlin allerdings aus der Ferne, weil ich in Buenos Aires lebe, noch einer Stadt, in der Utopien geschmiedet werden, allerdings auf der anderen Seite des Erdballs!   

Welche Aspekte an der Sammlung Deutsche Bank faszinieren Sie als Mitglied des Deutsche Bank Global Art Advisory Council?

Ich verfolge die Entwicklung der Sammlung Deutsche Bank seit dem Beginn meiner Laufbahn vor 15 Jahren, als ich noch am Museum of Modern Art in New York arbeitete. Auf der anderen Seite der Straße an der 53rd Street wurden damals kleine Ausstellungen aus der Sammlung gezeigt und jedes Mal gab es wundervolle Überraschungen zu entdecken. Heute empfinde ich dasselbe Gefühl des Staunens, wenn ich diese bedeutende Sammlung auf der Suche nach diesen einzigartigen Zeichnungen durchforste, die dem Besucher der Ausstellung, an der ich gerade arbeite, ein ganzes Universum eröffnen werden. Und es gibt zahlreiche dieser einmaligen Werke! Und sie suchen einen heim, wie Geister und verlangen nach Präsenz und einer Interpretation des Exzesses der sie auszeichnet – das tun alle bedeutsamen Bilder. Die Sammlung lädt wie eine offene Tür dazu ein, die Geschichte der zeitgenössischen deutschen Zeichnung zu erkunden. Es wäre wunderbar eine Ausstellung darüber zu sehen! Zugleich bietet sie in vielen Fällen einen klaren Blick auf bestimmte europäische Strömungen und wichtige amerikanische Künstler. Und auch wenn schon bereits viel unternommen wurde, um die Geschichte der Gegenwartskunst globaler zu erzählen, gibt es für mich als Mitglied des Deutsche Bank Global Art Advisory Council in dieser Hinsicht noch viel zu entdecken. In diesem Sinne freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit der Kunstabteilung der Bank. Gemeinsam können wir über die Relevanz von so vielen Bildern und Künstlern diskutieren, die ich noch sehr gerne in der Sammlung Deutsche Bank sehen würde.




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