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Drei Fragen an Nicola Lees
Die neue Kuratorin der Frieze Projects im Interview


Bereits als Kuratorin an der Serpentine Gallery ermutigte Nicola Lees Künstler, mit unterschiedlichsten Medien zu experimentieren. Diesen Weg geht sie als neue Kuratorin der Frieze Projects konsequent weiter: Die Auftragsarbeiten für die Londoner Kunstmesse, für die sich die Deutschen Bank bereits seit 10 Jahren engagiert, werden jetzt noch interdisziplinärer. In ArtMag verrät Nicola Lees, was die Besucher der Frieze dieses Jahr bei den Projects erwartet – und worauf sie sich persönlich am meisten freut.


Immer schon waren die Frieze Projects mit ihrer Experimentierfreude ein Garant für das unverwechselbare Profil der Londoner Kunstmesse – ob nun Christian Jankowski eine italienische Luxusjacht zum Kunstwerk deklarierte, Mike Nelson hinter den Ständen einen abgedunkelten Geheimgang installierte oder Aslı Çavuşoğlu mitten im Messetrubel eine Szene für einen fiktiven, in der Kunstszene spielenden TV-Krimi probte. Nachdem Sarah McCrory, seit 2010 Mastermind der Projects, kürzlich zur Direktorin des Glasgow International Festival of Visual Art ernannt wurde, tritt jetzt Nicola Lees ihre Nachfolge auf diesem begehrten Kuratorenposten an.

 Lees ist für diese Aufgabe bestens qualifiziert, hat sie doch die letzten Jahre gemeinsam mit Hans Ulrich Obrist an der Serpentine Gallery die sogenannten Marathons organisiert – 48stündige Events mit Vorträgen und Gesprächen zu Themen wie „Erinnerung“ oder „Garten“. Das Spektrum der Teilnehmer war überaus breit gefächert und reichte von Künstlern wie Gilbert & George, Dominique Gonzalez-Foerster und Yto Barrada über Filmemacher wie David Lynch, Schriftsteller wie Douglas Coupland und John Berger bis zu Naturwissenschaftlern oder Historikern. Lees große Leidenschaft sind performative, zeitbasierte Arbeiten. So hat sie für die Park Nights der Serpentine Gallery unter anderem Helen Martens Animationsfilm Dust and Piranhas (2011) und Oscar Murillos Performance Cleaners’ Late Summer Party with COMME des GARÇONS kuratiert.

ArtMag: Eine modulare Bühnenarchitektur, Performances, die sich mit dem Begriff von Arbeit und der Geschichte des Verzehrs von Austern in London auseinandersetzen, eine Performance zum Thema Spionage, ein Paintball-Spiel: Inwiefern beziehen sich die Auftragsarbeiten für die diesjährige Frieze London auf die aktuelle politische und ökonomische Wirklichkeit?

Nicola Lees: Die Projects werden eher durch subversive Elemente geprägt als durch direkte Proteste oder Propaganda. Die aktuellen Auftragsarbeiten setzten sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Spiel, Governance und Herrschaft auseinander. Sie untersuchen, wie diese Austauschprozesse durch partizipative Kunstpraktiken offen gelegt werden können. Doch es gibt auch einige gemeinsame Interessen, die von einem politischen Bewusstsein zeugen: Als wir ihre Projekte für die Frieze diskutierten, bezogen sich sowohl Lili Reynaud-Dewar als auch Gerry Bibby auf die Schriften des Autors und Aktivisten Jean Genet. Reynaud-Dewars Auftragsarbeit ist von Schriftstellern inspiriert, die ihr eigenes Leben als Material für ihre Bücher nutzen – wie eben Genet, aber auch Guillaume Dustan. Bibby interessiert sich besonders für Genets Memoiren. Sie zeigen, dass der Konflikt zwischen den beiden Identitäten Genets – der des Schriftstellers und auf der anderen Seite der des Kriminellen – nie gelöst worden ist. Bibbys Arbeit erforscht die Wechselbeziehungen zwischen diesen beiden existenziellen Lebensweisen. Was gewissermaßen alle Frieze Projects miteinander verbindet, ist das Fehlen eines klaren Endes, eines abschließenden Moments der Objektivierung. Für mich sind die Projects eine Folge von flüchtigen Augenblicken, die für eine Zeitlang zusammengebracht werden, wobei das Ende offen gelassen wird.

Als Senior Curator of Public Programmes an der Serpentine Gallery haben Sie Künstler immer wieder ermutigt, interdisziplinäre Ansätze auszuprobieren. Gilt das auch für die Frieze Projects? Und ist diese Art zu arbeiten in der aktuellen Kunstszene mittlerweile nicht schon fast obligatorisch?

Natürlich bedienen sich Künstler heute einer Vielzahl von Quellen, doch wirklich interdisziplinäre Ansätze sind wesentlich seltener als man es vermuten würde. Diskursive und/oder performative Kunstwerke sind von Natur aus flüchtiger, gehen häufig verloren oder werden falsch archiviert. Übrig bleiben nur Fragmente oder Relikte des Original-Events – im Gegensatz zu Kunst, die auf Objekten basiert, deren Materialität und Präsenz über die Zeiten hinweg zumeist erhalten bleibt.
Trotzdem gibt es zwei ganz bestimmte Beispiele, die ich als wichtige Vorläufer für mein Programm nennen würde. Kuratoren, die sich in ihrer Arbeit auch mit pädagogischen Fragestellungen beschäftigen, haben große Anstrengungen unternommen, interdisziplinäre Praktiken zu dokumentieren, um sie dann zu unterschiedlichen Zeiten in neuen Kontexten präsentieren zu können. Gleichzeitig sollten diese Dokumentationen aber auch die Bedeutung und die Kraft der eigentlichen Arbeit transportieren oder reflektieren. So hat der Kunsthistoriker Lars Bang Larsen beispielsweise Palle Nielsens Model for a Qualitative Society (1968) der aktuellen Kunstszene wieder zugänglich gemacht – durch Artikel, Vorträge, Publikationen und vor kurzem auch in einer Reihe von Ausstellungen etwa in Stockholm und Liverpool.
Man sollte nicht vergessen, welche Verantwortung Nielsen mit diesem Projekt damals übernommen hat: Er verwandelte das Moderna Museet in einen Spielplatz und vertraute es so ganz den Kindern an. Der Künstler musste also persönlich auf Alles reagieren, was dort hätte passieren können. Außerdem musste er die Gelder für seine Arbeit selbst auftreiben. Darüber hinaus setzte er auch sein Stipendium von der School of Architecture in Copenhagen für das Projekt ein.
Ein weiteres wichtiges Beispiel für ein interdisziplinäres Projekt, das der Künstler selbst finanzieren musste, ist Allan Kaprows Other Ways, das der Künstler 1968 gemeinsam mit Herbert Kohl, einem Erziehungswissenschaftler an der University of California in Berkeley, entwickelte. Nach einer Reihe von Absagen gelang es Kaprow und Kohl rund 80.000 Dollar von der Carnegie Foundation aufzutreiben. Damit finanzierten sie ein experimentelles Bildungsprogramm bei dem es darum ging, Künstler und „Happenings“ an Colleges und höhere Schulen zu bringen.
Ich hoffe, dass das aktuelle Programm den gleichen Geist vermittelt wie diese beiden Arbeiten. Der betont pädagogische Aspekt dieser Aktionen findet sich auch in den diesjährigen Frieze Projects wieder: Sowohl Angelo Plessas als auch Pilvi Takala, die mit dem diesjährigen Emdash Award ausgezeichnet wurde, beziehen Kinder als aktive Teilnehmer mit ein. Takala hat sich dafür entschieden, dass Kinder ihr Preisträger- Projekt ausarbeiten und gestalten sollen. Die Gruppe, in der alle so um die 12 Jahre alt sind, entscheidet in einer Reihe von Workshops wie die Arbeit genau aussehen soll. Für den Frieze Family Space hat Angelo Plessas die ortsspezifische Arbeit The Temple of Play entwickelt. In einem speziell dafür konzipierten Raum befindet sich ein frei zugänglicher, kreativer Spielplatz, der Kindern aber auch Erwachsenen die Möglichkeit bietet, sich zu betätigen.
 
Und was ist Ihre persönliche interdisziplinäre Leidenschaft?

Der Fokus der Frieze Projects 2013 liegt ja auf performativen und interaktiven Arbeiten. Ich finde es besonders spannend, dass eine Künstlerin, die zum Inbegriff für diesen Ansatz geworden ist, im Rahmen des Programm auftritt – die amerikanische Komponistin, Sängerin, Filmemacherin und Performerin Meredith Monk. Für Frieze Music präsentiert sie einen Konzertabend, bei den Frieze Talks hält sie einen Vortrag und in Liverpool wird sie auf der dortigen Biennale einen Workshop organisieren.
Monks Performances sind ebenso archaisch wie modern und beziehen nicht nur die Stimme auf eine völlig innovative Weise mit ein, sondern auch Elemente des Theaters und körperliche Bewegung. Zugleich vereinen ihre Kompositionen die unterschiedlichen Kunstformen und Erfahrungen. Die Künstlerin selbst beschreibt diese Verschmelzung der verschiedensten Elemente als einen tiefen „seelischen Drang“. Monk ist eine Pionierin dessen, was man heute als „erweiterte Vokaltechniken“ bezeichnet. Sie erschafft Werke an der Schnittstelle zwischen Musik und Bewegung, Bild und Objekt, Licht und Klang, um neue Möglichkeiten der Wahrnehmung zu entdecken und miteinander zu verbinden. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass Meredith Monk dieses Jahr bei Frieze Music zu sehen ist – neun Jahre nach ihrer letzten Performance in London.




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