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Imagination, Denken, Utopie: The Circle Walked Casually in der Deutsche Bank KunstHalle
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Imagination, Denken, Utopie:
The Circle Walked Casually in der
Deutsche Bank KunstHalle


Eine assoziative Reise durch ein Jahrhundert Kunstgeschichte: „The Circle Walked Casually“ präsentiert Papierarbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank auf völlig neue Weise. Die außergewöhnliche Ausstellungsarchitektur lässt die Bilder im Raum schweben. Die von Victoria Noorthoorn kuratierte Schau bildet den Auftakt einer Serie von Ausstellungen, die mit experimentellen Konzepten den Blick auf unentdeckte Seiten der Sammlung eröffnen.


Wer die KunstHalle betritt, taucht ein in einen weißen, schier endlos wirkenden Raum. Im Kosmos von The Circle Walked Casually konzentriert sich alles ganz auf die Bilder. Entlang einer unsichtbaren, gewundenen Linie scheinen sie zu schweben – rund 130 Zeichnungen und Arbeiten auf Papier, Meisterwerke und selten gezeigte Exponate. Mit Künstlern von Otto Dix über Joseph Beuys und Eva Hesse bis zu Kara Walker oder Jakub Julian Ziółkowski dokumentiert sie künstlerische Ideen und formale Entwicklungen von der Moderne bis ins 21. Jahrhundert. Gemeinsam mit der brasilianischen Bühnenbildnerin, Kino- und Theaterregisseurin Daniela Thomas und dem Architekten Felipe Tassara konzipierte die argentinische Kuratorin Victoria Noorthoorn eine Ausstellungsarchitektur, die die beiden Hauptmerkmale der Zeichnung, nämlich Raum und Linie, auf völlig neue Weise erfahrbar macht. „Es war einmal eine unendliche horizontale Linie im Raum…“ So beginnt die fantastische Kurzgeschichte Genealogie des uruguayischen Autors Felisberto Hernández (1902–1964), die Northoorn zu The Circle Walked Casually inspiriert hat. Darin verlieben sich ein Kreis und ein Dreieck und reisen auf einer horizontalen Linie entlang. Die Linie als Sinnbild des Zeichnens und die Idee einer imaginären, abstrakten Reise sind prägend für das Ausstellungskonzept.

Bei Noorthoorn führt diese Reise durch die künstlerischen Visionen eines ganzen Jahrhunderts. Zeichnen, das ist hier Ausdruck von Imagination, Denken, Utopien, existenziellen Erfahrungen. Am Anfang der Ausstellung steht die in sich gekehrte, einsame, menschliche Figur: So trifft Ernst Barlachs Zeichnung Betrunkene Bettlerin (1906) auf Lucian Freuds Woman with arm Tattoo (1996). Die Radierung zeigt eines von Freuds Lieblingsmodellen – „Big Sue“ Tilley, die übergewichtige Abteilungsleiterin eines Londoner Arbeitsamts. Sie zeugt von seiner Faszination für Fleisch, Haut, die Verletzlichkeit des Menschen. Das Leben hat sich in den Körper dieser Frau so eingeschrieben wie die Tätowierung in ihren Oberarm. Ein fundamentales Statement liefert auch die Begegnung von Käthe Kollwitz eindringlicher Skizze Frau auf einer Bank sitzend (1905) mit einem Porträt von Rosemarie Trockel. Einen Schimpansen hat sie wie bei einem klassischen Bildnis mit einem Vanitas-Symbol ausgestattet – einem Totenkopf, den er wie Hamlet in seiner Hand hält. Gern wird William Shakespeares grüblerischer Held als Sinnbild für den Mensch an sich gesehen – gefangen im Gegensatz zwischen Vernunft und Gefühl, auf der Suche nach Antworten auf die grundlegenden Fragen seiner Existenz. „Jedes Tier ist eine Künstlerin“, hat Trockel einmal als ironische Replik auf Beuys erklärt – und so ist auch dieses Werk als Antwort auf ein anthropozentrisches Weltbild zu verstehen.

Alles – die Auswahl der Werke, Ausstellungsarchitektur, der vom mexikanischen Künstler Erick Beltrán konzipierte Katalog – basiert auf der Idee einer erzählerischen Linie, die sich durch einen Dialog der Bilder untereinander entwickelt. Die einzelnen Zeichnungen bilden Teile einer assoziativen Erzählung, die sich von Bild zu Bild entfaltet. Und die nimmt, genau wie die Linienführung von The Circle Walked Casually, immer wieder neue Wendungen. So wie der Besucher an einigen Stellen von den Bildern geradezu eingeengt wird, während sich der Raum dann wieder plötzlich weitet, wechselt auch die Perspektive auf die Zeichnung, sei dies inhaltlich oder formal: Die farbigen Slogans des uruguayischen Künstlers Alejandro Cesarco zerfließen in den abstrakten Kompositionen von Katharina Grosse oder Gerhard Richter, die ihrerseits Kontakt mit einem Aquarell von Wassily Kandinsky aufnehmen. Die Körperbilder der Argentinierin Marina De Caro erzeugen im Dialog mit den fragilen Händen auf Louise Bourgeois' Serie 10a.m. Is When You Come To Me (2006) eine ebenso expressive wie zarte Choreografie.

The Circle Walked Casually bildet den Auftakt zu einer Serie von Ausstellungen, die die Sammlung Deutsche Bank auf völlig neue Weise erfahrbar machen. Dabei werden die unterschiedlichsten Ausstellungskonzepte aufgegriffen, um die Geschichte der Sammlung zu erzählen. In regelmäßigem Turnus sind renommierte internationale Gastkuratoren eingeladen, in der Deutsche Bank KunstHalle thematische Ausstellungen in experimentellen Formaten zu realisieren, die den Blick auf unentdeckte Seiten der Sammlung eröffnen.
 
Eigens für The Circle Walked Casually wurden Zeichnungen von zahlreichen Gegenwartskünstlern aus Afrika und Südamerika für die Sammlung angekauft. Neben den jüngsten Generationen sind dabei auch Positionen vertreten, die bereits in den 1960er und 1970er Jahren prägend waren und jetzt wiederentdeckt werden – etwa die brasilianische Künstlerin Anna Maria Maiolino, die als Zeitgenossin von Lygia Clark und Hélio Oiticica auf der jüngsten documenta gefeiert wurde. Oder David Koloane, der 1977 in Johannesburg die erste schwarze Galerie des Landes gründete und 2013 im südafrikanischen Pavillon auf der Venedig Biennale 2013 vertreten war. Mit ihrem innovativen Ansatz veranschaulicht Victoria Noorthoorns Ausstellung die ganze Vielfalt internationaler Papierarbeiten in der Sammlung Deutsche Bank. Dabei bringt  The Circle Walked Casually Werke aus den unterschiedlichsten Kontinenten, Zeiten und Kulturen in einen komplexen Dialog, der gleichzeitig auch Raum für eigene Entdeckungen lässt.  

The Circle Walked Casually
28.11.2013 – 2.3.2014
Deutsche Bank KunstHalle




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