Made in China:
Adrian Pacis „The Column“ auf der Architekturbiennale in Venedig

The Column ist der Titel einer Videoinstallation und einer Marmorskulptur, die der albanische Künstler Adrian Paci 2013 im Rahmen seiner Ausstellung Lives in Transit im Jeu de Paume in Paris und im PAC in Mailand zeigte. Jetzt wird die Arbeit, von der für die Sammlung Deutsche Bank eine Serie von Video Stills erworben wurde, auf der Architektur-Biennale in Venedig präsentiert. Paci bespielt hier den albanischen Pavillon.

Wie alle seine Werke setzt sich auch The Column mit Migration, Ortlosigkeit, den Folgen der Globalisierung und dem Wandel kultureller Identitäten auseinander. Die Idee zu The Column kam ihm, als Paci erfuhr, dass es möglich ist, in China riesige Marmorskulpturen zu bestellen, die aus Gründen der Kostenersparnis von einem Team von Arbeitern während der Überfahrt nach Europa auf einem Frachter behauen werden. Sein Film zeigt den Abbau des Marmorblocks vor Ort, die Verladung auf den Frachter und die Arbeit der Bildhauer auf hoher See. Zugleich thematisiert er die Kehrseiten des globalen Flusses von Waren, Ideen und Arbeitskraft. The Column ist Dokumentation und filmische Metapher zugleich. Die Härte des Marmors findet ihre Entsprechung in der Härte der Arbeitsbedingungen. In ruhigen Einstellungen verfolgt die Kamera den Alltag der Bildhauer, aber auch die unerbittliche Logik ihrer Ausbeutung. Die im klassizistischen Stil geformte, meterlange Säule ist ein Beispiel für die machtvolle Transformation von Natur in Kultur: Der Stein verliert seine rohe Schönheit und wird zur Skulptur. Gleichermaßen ist die Säule ein phallisches Symbol für Hierarchie und Herrschaft – in der liegenden Form, in der sie während des gesamten Films gezeigt wird, symbolisiert sie allerdings Impotenz und Machtlosigkeit.

Adrian Paci, dessen Werken in den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen eine ganze Etage gewidmet ist, wurde 1969 in Shkodra, Albanien geboren. Er studierte an der Kunstakademie Tirana und wurde Teil der progressiven Kunstszene Albaniens. 1997 musste er seine Heimat wegen der gewaltsamen Unruhen verlassen und ließ sich in Italien nieder. Heute lebt und arbeitet er in Mailand.

Seitdem er 1999 Albanien auf der Kunstbiennale in Venedig vertrat und seine Werke 2005 im New Yorker PS1 gezeigt wurden, ist Paci weltweit mit großen Einzelausstellungen vertreten, unter anderem im Moderna Museet in Stockholm, im Kunstverein Hannover, im Kunsthaus Zürich, der Londoner Tate Modern, auf der Manifesta 3 in Ljubljana und der Lyon Biennale.