Geschichtsstunde in Kyoto
Koki Tanaka bei der Parasophia

Vom 7. März bis zum 10. Mai findet im japanischen Kyoto die erste Ausgabe der Parasophia statt. Mit über 40 internationalen Teilnehmern verwandelt das Festival die alte Kaiserstadt in eine Bühne für die Gegenwartskunst. Ein Großteil der Projekte wird im Kyoto Municipal Museum of Art präsentiert, viele Arbeiten sind aber auch im öffentlichen Raum zu erleben. Shinji Kohmoto, der künstlerische Direktor, war bereits bei der documenta und der Venedig-Biennale involviert. Eingeladen hat er auch Koki Tanaka. Der „Künstler des Jahres“ 2015 bezieht sich mit seinen Aktionen und Performances häufig auf die Geschichte des Ortes, an denen sie stattfinden. So setzt sich sein von der Deutschen Bank geförderter Parasophia-Beitrag Provisional Studies: Workshop #1 ‚"1946–52 Occupation Era and 1970 Between Man and Matter“ mit der wechselvollen Geschichte des Municipal Museum of Art auseinander. Neben Tanaka sind auch weitere Künstler aus der Sammlung Deutsche Bank in Kyoto vertreten, so etwa William Kentridge, Cai Guo-Qiang, Pipilotti Rist, Rosemarie Trockel und Miwa Yanagi.

Bei einer ersten Begehung des Municipal Museum of Art erfuhr Koki Tanaka, dass das Haus den amerikanischen Besatzungstruppen zwischen 1945 und 1952 als Kaserne diente. Den größten Ausstellungsraum funktionierten sie in eine Basketballhalle um. Später wurde das Bataillon von Kyoto nach Okinawa verlegt, wo sich noch heute amerikanische Militärbasen befinden, die in der Bevölkerung sehr umstritten sind. Tanaka stieß aber auch auf Archivmaterial, das belegt, wie bedeutend das Museum einst für die zeitgenössische Kunstszene Japans war. So eröffnete hier im Juni 1970 hier die Ausstellung Between Man and Matter. Deren Künstlerliste liest sich wie ein Who is Who der damaligen Avantgarde: Neben Carl Andre, Sol LeWitt, Hans Haacke und Richard Serra waren Mono-ha-Künstler wie Katsuhiko Narita und Koji Enokura oder auch On Kawara vertreten. Im großen Ausstellungsraum realisierten Christo und Jeanne-Claude ihre Arbeit Wrapped Floor, für die sie den gesamten Boden mit Baumwollplanen verhüllten.

In seinem Video, das auch in Tanakas Ausstellung als „Künstler des Jahres“ in der Deutsche Bank KunstHalle zu sehen ist, stellt er diese historische Aktion mit Schülern aus Kyoto nach. Außerdem organisiert er im Rahmen der Parasophia Diskussionsrunden zum Werk von Christo, aber auch zum Thema Krieg und der Problematik der amerikanischen Armeestützpunkte in Japan. Dies geschieht aus einem ganz aktuellen Anlass: „Ich frage mich“, erklärt Tanaka, „was die politischen Reformen zur Billigung eines kollektiven Selbstverteidigungsrechtes der gegenwärtigen Regierung für die Zukunft Japans bedeuten. Ungeachtet des Artikels 9 unserer Verfassung, der militärische Aktivitäten untersagt, könnten die Reformen zur Folge haben, dass Japan bald wieder in einen Krieg verwickelt wird.“

Parasophia
7.3. – 10.5. 2015
Kyoto Municipal Museum of Art