Entfremdete Paradiese
Yang Fudong in der Auckland Art Gallery

Wie Schlafwandlerinnen bewegen sich fünf junge Frauen in einer künstlichen Strandlandschaft. Sie plantschen im Wasser, werfen sich in Pin-Up-Posen, nehmen mit ihren Augen immer wieder Kontakt zum Zuschauer auf. Was auf den ersten Blick wie eine Reminiszenz an das klassische Technicolor-Kino oder Werbe-Billboards der 50-er Jahre wirkt, entpuppt sich nach und nach als fast hypnotische Inszenierung: Auch ein lebendiges Pferd und ausgestopfte Hirsche haben sich an den Strand verirrt. Und aus dem Sand ragen Scheiben aus buntem Glas, in denen immer wieder verzerrte Spiegelbilder der jungen Frauen zu sehen sind. Als „Fata Morgana“ hat Yang Fudong sein jüngstes Werk bezeichnet und tatsächlich wirkt The Coloured Sky: New Women II“zugleich real und irreal, nostalgisch und futuristisch. Wie alle Filme des wohl bedeutendsten chinesischen Videokünstlers, dem in den Frankfurter Deutsche Bank-Türmen eine ganze Etage gewidmet ist, entzieht sich „The Coloured Sky“ jeder eindeutigen Interpretation. Doch dieses Spiel aus „Sehen“ und “Gesehen werden“ lässt sich durchaus als Kommentar zu einem vermeintlichen  Idealbild der Frau, nicht nur in China, verstehen: Jung, schön, sanftmütig, stumm – Yangs Darstellerinnen gleichen eher  künstlichen Luxusobjekten als tatsächlichen Persönlichkeiten.

The Coloured Sky ist der Höhepunkt von Filmscapes, der Yang Fudong-Schau in der Auckland Art Gallery. Neben seinem jüngsten Werk, für das er erstmals in High Definition Video und Farbe drehte, sind auch zwei seiner elegischen Filmarbeiten in Schwarz-Weiß zu sehen. In Yejiang / The Nightman Cometh lässt er einen verwundeten Krieger aus einem längst vergangenen Jahrhundert auf Gestalten aus dem hedonistischen Shanghai des Jazz Age  stoßen. Auch den in 1971 in Peking geborenen Künstler zog es in die Metropole. Nach seinem Malereistudium an der China Academy of Art in Hangzhou begann er in Shanghai mit seinen Film- und Fotoarbeiten. The Fifth Night spielt dann sogar im China der 1930er Jahre. Hier zeigen sieben parallele Leinwände eine komplexe Choreografie: Junge Frauen und Männer begegnen sich auf einem Platz, um sich gleich wieder zu verlieren. Wie die Protagonistinnen in The Coloured Sky bleiben auch sie die ganze Zeit stumm, sind unfähig, wirklich miteinander in Kontakt zu treten. In der Ästhetik des „Film Noir“ zeichnet der Künstler ein Bild völliger Isolation, das auf poetische Weise auch von der chinesischen Gegenwart erzählt. Der Titel eines seiner ersten Filme beschreibt sehr genau, was Yang Fudong in seinen faszinierenden Arbeiten immer wieder aufs Neue erschafft – An Estranged Paradise, ein entfremdetes Paradies.

Yang Fudong: Filmscapes
Bis 25.01.2016
Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki