„Ich erzähle keine Anekdoten. Ich versammle Erfahrungen.” Ein Nachruf auf James Rosenquist

Er gilt als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Pop Art. Begonnen hat James Rosenquist seine Karriere auf dem Times Square in New York. Während seines Studiums verdiente er sich sein Geld als Plakatmaler und schuf überlebensgroße Werbung für die neuesten Hollywood-Filme und schnelle Autos. Bereits in den frühen sechziger Jahren entwickelte er seine eigene Form des "Neuen Realismus", indem er Motive aus Anzeigen und Plakatwerbung zerlegte, neu kombinierte und auf großformatige Leinwände übertrug. "Ich interessiere mich für zeitgenössische Erscheinungen – das Flackern von Chrom, schnelle Assoziationen, Lichtblitze. Bing-bang! Ich erzähle keine Anekdoten. Ich versammle Erfahrungen“, so beschrieb Rosenquist seine künstlerische Arbeit.
 
Dieses Prinzip der Collage prägt auch seine mit 48 Metern größte Leinwand The Swimmer in the Economist. Es gleiche einer Zeitkapsel der Geschichte des 20. Jahrhunderts, sagte Rosenquist 1997 über sein raumfüllendes Gemälde. Es wurde von der Deutschen Bank und der Solomon R. Guggenheim Foundation für die gemeinsame Berliner Ausstellungshalle in Auftrag gegeben. Sein „Swimmer“ ist ein Bild für das neue Berlin nach dem Mauerfall. Zugleich zitiert es Picassos Guernica und thematisiert die Kunst und die Kriege des 20. Jahrhunderts, die zunehmende Virtualisierung, das ungeheure Tempo ökonomischer  und politischer Umbrüche zu Beginn des Millenniums. Der Betrachter wird in einen grellbunten Farbwirbel hineingesogen, in dem Reflektionen von Logos, Konsumartikeln und High-End-Technologie des späten 20. Jahrhunderts verschmelzen. Das Gemälde war auch 2003 im Rahmen seiner von der Deutschen Bank gesponserten Retrospektive im New Yorker Guggenheim Museum zu sehen.  

Rosenquists Bilder sind immer auch kritische Kommentare. Sein Environmental Painting F-111, entstand nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen in Vietnam. Es vereinigt den gleichnamigen Jagdbomber, ein lächelndes Mädchen unter einer Trockenhaube und den atomaren Feuerball einer Nuklearbombe in einer Vision der amerikanischen Kultur, die einer schockierten Öffentlichkeit 1965 die enge Nachbarschaft von Euphorie und Katastrophe darlegte. „Ungeachtet der enormen Größe vieler seiner Gemälde ist James Rosenquist der Haiku-Meister der amerikanischen Psyche", so charakterisierte der New York Times-Kritiker Michael Kimmelman den Künstler. Jetzt ist Rosenquist im Alter 83 Jahren in New York gestorben. Die ganze Kraft und Dynamik seiner Bilder kann man diesen Herbst in Köln erleben. Dort ehrt das Museum Ludwig den Künstler mit einer großen Retrospektive.