Bird Song Album - Kemang Wa Lehuleres Edition für die
Deutsche Bank KunstHalle

Die Rolle des Trompeters in einer Jazz Band könne man mit der eines Stürmers auf dem Fußballfeld vergleichen, erklärt Mandla Mlangeni. Wie das zu verstehen ist, demonstrierte der südafrikanische Musiker jetzt bei einem Konzert in der Deutsche Bank KunstHalle. Zusammen mit sechs jungen Musikern stellte der Trompeter das Bird Song Album vor – die Schallplatten-Edition zu Kemang Wa Lehuleres Ausstellung Bird Song. Alle Tracks des Albums hat er gemeinsam mit dem Künstler komponiert. Bei dem Auftritt in der KunstHalle spielte Mlangenis Bird Song Band erstmals in dieser Form zusammen – und das mit einer erstaunlichen Lässigkeit. Melodischer Free Jazz, so könnte man den Sound beschreiben, mit dem die Band das Publikum begeisterte. Das Konzert lässt sich als eine Art akustischen Dialog beschreiben, bei dem die Soli der einzelnen Musiker aufeinander antworten, Motive aufnehmen und variierten, wobei Mlangeni als „Stürmer“ die Regie übernimmt.

Mandla Mlangeni ist nicht nur Komponist, Arrangeur und Bandleader. Er gilt auch als einer der besten Trompeter Südafrikas. Seine Band Amandla Freedom Ensemble verbindet Bebop-Referenzen mit traditionellen südafrikanischen Klängen und der Musik aus den Kirchen der schwarzen Townships. So wie Kemang Wa Lehulere vergessene Protagonisten der schwarzen Kultur Südafrikas – etwa Gladys Mgudlandlu oder Ernest Mancoba – ins öffentliche Bewusstsein zurückholt, versucht das Amandla Freedom Ensemble die junge Generation für das reiche musikalische Erbe des Landes zu begeistern. Vor allem für den Jazz, der in Südafrika in einer dezidiert politischen Tradition steht: die Sängerin Miriam Makeba, der Pianist Abdullah Ibrahim oder der Trompeter Hugh Masekela lieferten den Soundtrack für den Kampf gegen die Apartheid. Auch war es in der Jazz-Szene immer selbstverständlich, das Schwarze und Weiße gleichberechtigt zusammen Musik machten.

Mlangeni und Wa Lehulere verbindet nicht nur ihr Interesse an der schwarzen Kultur aus den Zeiten der Apartheid. Für beide ist das Kollektiv die Basis ihrer künstlerischen Arbeit. Dafür steht auch Bird Song, die Ausstellung in der KunstHalle. Sie versteht sich eben nicht als Solo-Schau, sondern als Dialog, in dem verschiedene Stimmen zu Wort kommen. Neben Wa Lehulere auch Gladys Mgudlandlu oder seine Tante Sophia Lehulere, die ihn auf die Spur der verschollenen Wandgemälde der „Bird Lady“ genannten Künstlerin brachte. Dazu kommen die Architektin Ilze Wolff, mit der er gemeinsam zu Mgudlandlu recherchierte, oder die Autorin Gladys Thomas, deren Gedichte ihn inspirierten. Und jetzt auch Mandla Mlangeni, der dem Bird Song endlich seine akustische Dimension hinzufügt und das Ausstellungsprojekt zu einem Gesamtkunstwerk werden lässt.

Das Bird Song Album ist auf 300 Exemplare limitiert. Als Edition zur Ausstellung ist 30 Exemplaren ein Kunstdruck beigelegt. Er zeigt einen Ausschnitt eines verloren geglaubten Wandbildes von Gladys Mgudlandlu, das Kemang Wa Lehulere zum Teil freigelegt hat. Edition und Album sind im ArtStore der Kunsthalle und online erhältlich.