Caline Aoun
„Künstlerin des Jahres“ der Deutschen Bank 2018

Caline Aoun ist die „Künstlerin des Jahres“ der Deutschen Bank 2018. Im Herbst 2018 wird sie ihre erste große institutionelle Einzelausstellung im neu eröffneten Forum für Kunst, Kultur & Sport im Prinzessinnenpalais in Berlin zeigen.

1983 in Beirut geboren, gehört Aoun zu einer Generation junger libanesischen Künstler, die nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges 1975 im Ausland aufwuchsen und dort auch ihre Ausbildung absolvierten. Sie studierte in London am Central Saint Martins School of Art and Design und den Royal Academy Schools, um 2012 an der University of East London ihren Doktor in Bildender Kunst zu machen. Ursprünglich nutzte Aoun die Malerei als konzeptuelle Strategie, um den Medienbildern, denen sie ausgesetzt war, eine weitere Ebene medialer Vermittlung hinzuzufügen. Doch kurz nach ihrem Abschluss entschloss sie sich, die Malerei aufzugeben und begann mit Fotografie und digitalen Drucktechniken zu experimentieren.

In ihrem Werk verbindet die in der Nähe von Beirut lebende Künstlerin Strategien aus dem Minimalismus und der Konzeptkunst mit der Frage, wie die Evolution digitaler Technologien unsere Wahrnehmung von Bildern und Informationen verändert.

Die Auszeichnung „Künstler des Jahres“ wird auf Empfehlung des Deutsche Bank Global Art Advisory Council vergeben, dem die renommierten Kuratoren Okwui Enwezor, Hou Hanru, Udo Kittelmann und Victoria Noorthoorn angehören. Im Fokus stehen vielversprechende Künstlerinnen und Künstler, die bereits ein künstlerisch wie auch gesellschaftlich relevantes Werk geschaffen haben, das die beiden Schwerpunkte der Sammlung Deutsche Bank einbezieht: Arbeiten auf Papier oder Fotografie.

„Mich beeindruckt Calin Aouns Obsession für das Drucken, ihr Versuch, alles was vergeht, festzuhalten“, erläutert Hou Hanru, der Künstlerische Direktor des MAXXI in Rom, die Entscheidung der Jury. „Die aufmerksame Beobachtung ihrer persönlichen Umgebung verwandelt sich bei ihr in eine generelle Betrachtung der globalisierten Welt. Auf eine äußerst schöne, stille Weise spiegeln ihre Arbeiten die heutige Welt, eine Welt, in der alles in Container verladen und auf Schiffen transportiert wird, die dann mit dem Sonnenuntergang am Horizont verschmelzen. Doch mit ihrer Herangehensweise zeigt sie, dass die Container weit offenstehen, alles verschwunden ist … nur der menschliche Atem bleibt.“
 
Aouns thematisiert die Übersättigung an Bildern, die die Digitalisierung unserer globalisierten Welt mit sich bringt, und Prozesse der Bildproduktion, die solche exzessiven Ausmaße angenommen haben, dass die Bilder letztendlich verschwinden. Die Grundlage ihrer abstrakten Werke bilden Experimente mit InkJet-Druckern. Eigentlich dazu geschaffen, makellose Bilder zu generieren, werden sie von Aoun in einem subversiven Akt mit von ihr gesammelten Daten und Bildern „überfüttert“ - was zu Fehlfunktionen führt. So schiebt sie gefaltetes oder gebündeltes Papier gewaltsam durch Industriedrucker, was monochrome und zart abgestufte Farbflächen, feine Linien, Knitterspuren, Flecken und Fingerabdrücke hinterlässt. Das Virtuelle wird bei ihr, zumindest für einen Augenblick, fühl- und begreifbar.

Sie findet das Ausgangsmaterial ihrer künstlerischen Arbeiten in den Bereichen des öffentlichen Lebens, die von digitaler Technologie geprägt sind: Logistik, Architektur, Werbung oder Urbanistik. In einem ihrer jüngsten Projekte, Fields of Space (2016), widmet sie sich verschiedenen Objekte im Hafen von Beirut – übereinandergestapelten Schiffscontainern, Handelsbüchern oder Transportpaletten, aber auch den damit verbundenen Daten und Informationen. Dabei geht es ihr darum, die Art und Weise zu überdenken, wie wir uns Räume und die materielle Wirklichkeit, die uns umgibt, vorstellen. Alltagsgegenstände, die man normalerweise übersieht, werden dabei zu Objekten der Betrachtung. Aoun manipuliert Informationen und stellt gängige Lesarten vertrauter Objekte in Frage. Dem, was im urbanen Alltagsleben sonst in den Hintergrund rückt, verleiht sie neuen Wert.

Zu Caline Aouns Einzelausstellungen zählen Fields of Space, Marfa', Beirut (2016), Remote Local, Art Basel Statements, Basel (2015), Concrete Layers, Greynoise, Dubai (2015), The Future of Smart Technology in your Hands, Noshowspace, London (2013), Scape, Sartorial Project Space, London (2009). Mit ihren Arbeiten war sie in zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen vertreten wie etwa Spy with my Little Eye . . ., Casa Árabe, Madrid und Mosaic Room, London (2015), Dust, Centre for Contemporary Art at Ujazdowski Castle, Warschau (2015), Exposure 2012, Beirut Art Center. Sie ist auch in der Ausstellung Home Beirut. Sounding the Neighbors vertreten, die vom 15. November 2017 bis zum 20. Mai 20 2018 im MAXXI in Rom zu sehen ist.
    
Nach Wangechi Mutu, Yto Barrada, Roman Ondák, Imran Qureshi, Victor Man, Koki Tanaka, Basim Magdy und Kemang Wa Lehulere ist Caline Aoun die neunte internationale Künstlerin, die die Deutsche Bank als „Künstlerin des Jahres“ ehrt.

Deutsche Bank Art, Culture & Sports ist eine globale Einheit, die die kulturellen Aktivitäten der Deutschen Bank bündelt, vernetzt und weiterentwickelt und so die kulturelle Vielfalt des Unternehmens stärkt.