In dieser Ausgabe:
>> Presseschau zu Kara Walker und Sugimoto

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Presseschau zu Kara Walker im Wiener MuseumsQuartier und Pressereaktionen auf Sugimotos "Porträts" in Singapur.

"Statt liebliche Märchen zu erzählen, wird hier vergewaltigt, gemordet und erniedrigt. Kara Walker ist nichts heilig, sogar die Engel am oberen Bildrand kopulieren ungeniert in allen erdenklichen Stellungen." In ihrer Ausstellungsbesprechung im Feministischen Magazin an.schläge lobt Angela Heissenberger die messerscharfe Kritik an den sexistischen und rassistischen Machtverhältnissen in Walkers Arbeiten. Den Stoff für Walkers "bühnenhafte Schattenwelten" findet die Autorin in Walkers Biografie. Auch wenn Walker "ohne Bezüge zur schwarzen Bürgerrechtsbewegung" sei und "als Angehörige der schwarzen Mittelschicht vergleichsweise gut situiert ist", hält Heissenberger die Auseinandersetzung mit dem Rassismus der Vergangenheit für wichtig: "Rassenkonflikte, soziale Missstände und der alltägliche Sexismus – von der 'heilen' Welt sind wir weit entfernt."

Markus Mittringer hebt im Wiener Standard "die angeblich so animalische Sexualität der schwarzen Frau" hervor, die Walker seiner Meinung nach grotesk überhöht und ironisiert, um zu zeigen, "dass längst nicht alles eingelöst wurde, was Abraham Lincoln mit der 'Emancipation Proclamation' von 1863 ausrufen ließ."

Es ist "ein gefährlicher Weg, den Walker eingeschlagen hat", fürchtet hingegen Die Presse angesichts von Walkers provokativem Entschluss, "ein wenig Sklavin" sein zu wollen. Auch wenn Walker in der internationalen Kunstwelt einige Anerkennung gefunden habe, findet der Rezensent der Presse diese Art von Freimut zweifelhaft.

So bedienten ihre Arbeiten "doch auch bedingungslos das, was sie gerade anprangert: Voyeurismus und Vorurteile. Doch wie so oft, schützen die Mauern der Museen die Kunst vor sich selbst."

Etwas entspannter sind die Reaktionen der Presse auf Hiroshi Sugimotos Porträts, die zur Zeit im Singapore Art Museum zu sehen sind: "Relax it's just wax", unter diesem beruhigenden Motto kündigt Clara Chow Sugimotos Schau in der Straits Times an, wobei für sie die Ähnlichkeiten zwischen historischen Persönlichkeiten und Hollywoodschauspielern unübersehbar sind: "Ein Porträt von Napoleon Bonaparte, dessen gesenkter Blick einen eher zerknirschten Eindruck macht, wurde neben dem Duke of Wellington platziert, der wie ein eingebildeter Christopher Reeves aussieht".

Porträts spiele mit "unserem unstillbaren Verlangen nach Berühmtheiten und Legenden", schreibt auch Cheah Ui-Hoon in der Business Times und vermeint beim Besuch der Ausstellung "Unheimliche Ähnlichkeiten" ausmachen zu können: "Madame Tussaud's meets London's National Porträt Gallery". Ihn begeistert das Zusammenspiel zwischen Kamera und wächsernem Abbild, gerade weil Sugimoto hier nicht die gewohnten Kamera-Tricks präsentiert, die "man in einer zeitgenössischen Kunstausstellung erwarten könnte. Hier handelt es sich um ganz unkomplizierte Porträtfotografie, die irgendwie altmodisch und fast trügerisch wirkt." Und die von einem ganz modernen museumsdidaktischen Programm begleitet wird: Parallel zur Ausstellung unterrichtet Olympia-Trainer Jeffrey Lopez jugendliche Kunstliebhaber in der "Kunst des Fechtens", was die Straits Times sehr bemerkenswert findet.