In dieser Ausgabe:
>> Exklusiv: Richard Artschwager
>> "Ein scharfes Teil"
>> "Ohne Gewähr"
>> Some liked it Pop

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Richard Artschwagers Kunst stellt stets eine Herausforderung für den Betrachter dar. Die Werke provozieren, sich selbst ein Bild von den Dingen zu machen. Es gilt seine Wahrnehmung zu schärfen, um dem Wesen der Dinge gewahr zu werden und dabei stets zu überprüfen, was für wahr zu nehmen ist. Nie ist etwas nur das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. Auf den zweiten Blick wird Vertrautes fremd, Gewohntes zeigt sich von ungewöhnlicher Seite. Sehgewohnheiten und Erfahrungen werden in Frage gestellt.
"Wenn man etwas erkennt, muss man es nicht unbedingt deutlich sehen. Etwas erkennen heißt, etwas zu sehen und sich zugleich daran zu erinnern. Heißt das etwa, Dinge zweifach zu sehen?" (13)
Die Werke Artschwagers spielen mit dem Effekt des Wiedererkennens. Das Erinnerte und das Sichtbare stellen sich jedoch häufig gegenseitig in Frage. Es ist immer ein doppeltes Hinsehen erforderlich. Eindeutige Antworten werden nie zu finden sein. Vielmehr wächst das Bewusstsein für eine ewige Resonanz zwischen denkbaren Zuständen. (14) Artschwagers Kunst gleicht einem Spiel ohne Grenzen. Der Künstler ist der Magister Ludi, der den Betrachter zu einem Spiel ohne Gewähr einlädt. (15) Auf nichts ist Verlass. Alles wird denkbar.
"Auf diese Weise erfährt Kunst sich selbst." (16)



Anmerkungen:
(1) Richard Artschwager in Kat. Options-Directions, Milwaukee Art Center, Milwaukee 1968, n.p.
(2) Richard Artschwager: Autochronology , erstmals erschienen in: Kat. Richard Artschwager's Theme(s), Albright-Knox Art Gallery, Buffalo, Institute of Contemporary Art University of Pennsylvania, Phialdelphia, La Jolla Museum of Contemporary Art, San Diego 1979, n.p.
(3) Richard Artschwager im Interview mit Jan McDevitt: The Object: Still Life, Craft Horizons, September/Oktober 1965, S. 28-32, 54.


(4) Ebenda.
(5) Ebenda.
(6) Ebenda.
(7) Richard Artschwager verwies auf die bei seinen Puerto Ricanischen Mitarbeitern beliebte Tageszeitung El Diario als Quelle dieser Bildvorlage.
(8) Richard Artschwager in Kat. Connections, Museum of Fine Arts, Boston 1992, n.p.
(9) Richard Artschwager im Interview mit Paul Cummings, Oral History. Interview with Richard Artschwager in his Studio in New York City, March 3 and 22, 1978, Archives of American Art, Smithsonian Institution, Washington, D.C.; unveröffentlicht.
(10) Vgl. Gottfried Wilhelm Leibniz, Monadentheorie, vgl. dazu Richard Artschwager in Art and Reason,/Kunst und Verstand, erschienen in: Parkett, Nr. 23. 1990, S. 36-37.
(11) Richard Artschwager: Auszug aus einem unveröffentlichten undatierten Notizbuch.
(12) Richard Artschwager im Gespräch mit der Autorin am 9. Mai 2003.
(13) Richard Artschwager: Auszug aus einem unveröffentlichten Notizbuch, 1968.
(14) Vgl. Richard Artschwager, The Hydraulic Door Check, erstmals veröffentlicht in: Arts Magazine, November 1967, S. 41-43.
(15) Vgl. Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel , Frankfurt am Main 1996 (1943). Siehe dazu auch Richard Artschwager: Autochronology, op.cit.
(16) Richard Artschwager, unveröffentlichtes Notizbuch 1996, mit dem Zusatz: Me quoting Armstrong quoting me. Er nimmt hier Bezug auf einen Aufsatz von Richard Armstrong von 1988, in dem dieser Artschwager zitierte.


Silke Sommer ist Kunsthistorikerin und arbeitet derzeit an einem Werkverzeichnis von Artschwagers Bildern und Objekten.

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