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Richard Artschwager: Auf und Nieder/ Kreuz und Quer


Auf und Nieder/Kreuz und Quer betitelt Richard Artschwager seine Schau für das Deutsche Guggenheim Berlin. Vom 10. Mai bis zum 6. Juli 2003 werden in der Ausstellungshalle Unter den Linden über 40 Zeichnungen, Skulpturen, Bilder und Multiples zu sehen sein, die zwischen 1965 und 2003 entstanden. Der Künstler, der in diesem Jahr seinen – ungern erwähnten – achtzigsten Geburtstag feiert, erweiterte die Ausstellung für Berlin um zahlreiche neue Werke. Neben den Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank sind so auch private Leihgaben zu sehen. Mit Richard Artschwager wählte die Deutsche Bank einen der profiliertesten amerikanischen Maler und Bildhauer zum Künstler ihres Geschäftsjahres.


Richard Artschwager, New York, 2003

Denken in Bildern. Woran erkenne ich einen Tisch? Wie kann ich ihn zeichnerisch wiedergeben? Wann wird ein Tisch zur Skulptur? Richard Artschwagers Kunst ist Wahrnehmung und Darstellung unseres Sehens. Nicht der Gegenstand selbst, sondern dessen Deutung und Nutzung in unterschiedlichen Kontexten interessieren den Künstler. Seine Arbeit an Bildern und Objekten gründet, wie er selbst festhielt, "auf der Beziehung zwischen dem Gegenstand, seinem Hersteller/Verbraucher und dem gemeinsamen Raum, den sie beanspruchen".


Herodias, Hostess, 2001
Courtesy Gagosian Gallery, New York
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003



Für die visuelle Analyse, für Untersuchungen über Maßstab und Perspektive, Raum und Fläche ist alles Expressive, sind Farbe und Stil nur hinderlich, ist prinzipiell jeder Gegenstand geeignet: Kartoffeln, eine Gürtelschnalle, Fotos aus den Medien. Für die künstlerische Deklination seines "Universums" benötigte Artschwager 1975 nur "Tisch, Fenster, Spiegel, Tür, Teppich und Korb". Der "blp", die zweite vielfältig variierte Konstante im Werk des Künstlers, ist eine neutrale und nichts-sagende, also vorsprachliche Form. Gerade deshalb kann sie aber jede Größe (bis zur Außenskulptur) und jedes Material annehmen. "Kunst beruht auf einer Reihe von Anweisungen", ist der Skeptiker Artschwager überzeugt. Vereinbarungen und tradierte Codes innerhalb unserer Gesellschaft bestimmen unsere Wahrnehmung. Ein Rahmen lenkt Aufmerksamkeit auf das Umrandete, ein Ausrufezeichen auf das Gesagte. Doch Artschwager stellt diese Regeln in Frage und führt sie uns oft erst dadurch vor Augen: In seinem Rahmen spiegeln wir uns nur selbst, sein Ausrufezeichen bleibt nur ein Zeichen – ohne Botschaft, Reliefs "gießen" sich in Wandecken, Fotoporträts werden zu Stühlen, schützende Kisten zum eigentlichen Inhalt.


PULL/PULL, 1990, Sammlung Deutsche Bank
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003


Auf und Nieder/Kreuz und Quer – Wahrnehmung ist nicht eindimensional, sie bedeutet Austausch. In Artschwagers Oeuvre sind Zeichnung, Skulptur und Bild eigenständige Gattungen und dennoch inhaltlich und formal wechselseitig verbunden: "Bildhauerei ist zum Anfassen. Malerei fürs Auge. Ich wollte eine Skulptur fürs Auge und eine Malerei zum Anfassen machen."


Chair, 1987-90, Alexander Edition
©VG Bild-Kunst, Bonn 2003


Richard Artschwager wurde 1923 in Washington, D.C., als Kind deutsch-russischer Eltern geboren. Er lebt heute in Hudson, New York. Nach Berlin werden die Werke vom 29. November 2003 bis Ende Januar 2004 im Museum Moderner Kunst - Stiftung Wörlen in Passau zu sehen sein.

Zu der von Dr. Ariane Grigoteit kuratierten Ausstellung erscheint ein Katalog (dt./engl.) mit Textbeiträgen von Ariane Grigoteit, Gerhard Mack, Ingrid Schaffner und John Yau. Selbstverständlich ist im Deutsche Guggenheim auch diesmal eine exklusive Edition erhältlich: Richard Artschwagers Radierung Ta, Wi, Mi, Do, Ru, and Ba, die 2002 entstand und in einer limitierten und signierten Auflage von 100 Exemplaren erhältlich ist.


Im Rahmen der Ausstellung bietet das Deutsche Guggenheim Themenführungen, Lunchlectures und Sonderveranstaltungen an. Besonders möchten wir auf den "Artist's Talk" hinweisen: Am 10.Mai 2003 laden wir um 17.00 zum Gespräch zwischen Richard Artschwager mit Dr. Dieter Schwarz, Kunstmuseum Winterthur ein. Die Veranstaltung findet in englischer Sprache statt. Weitere Informationen zum Programm und der Ausstellung finden Sie auf den Seiten der Deutschen Guggenheim.

Ein Exklusivinterview mit Richard Artschwager finden Sie in der aktuellen Ausgabe von db-art.info hier.