In dieser Ausgabe:
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Die von der Deutschen Bank Kunst unter der Leitung von Dr. Ariane Grigoteit und Friedhelm Hütte konzipierte und betreute Kunstausstattung der Räume am Roßmarkt spiegelt mit der Geschichte der Sammlung Deutsche Bank auch einen Wandel in der Suche nach aktuellen künstlerischen Positionen wieder: Konzentrierte sich der Aufbau der Sammlung in den achtziger Jahren vor allem auf Werke von Künstlern im deutschsprachigen Raum, die in den weltweiten Niederlassungen mit Werken von Künstlern des jeweiligen "Gastlandes" in Dialog traten, geriet im Laufe der Jahre die Frage nach der Nationalität zunehmend in den Hintergrund. Wenngleich die Sammlung mit Arbeiten von Künstlern wie Gerhard Richter, Jörg Immendorff, Georg Baselitz oder Markus Lüpertz kontinuierlich ergänzt und ausgebaut wurde, belegt die Bandbreite der Ausstattung des Gebäudes am Roßmarkt, wie sich das Kunstprogramm kontinuierlich fortentwickelt hat.

Einhergehend mit der zunehmenden Vernetzung und Virtualisierung der Bankgeschäfte wurde auch im Bereich der Kunst nach globalen Perspektiven gesucht. Analog zu Projekten wie der Reihe Moment, mit der die Deutsche Bank Kunst in jedem Jahr ein ausgewähltes temporäres Kunstereignis in einer anderen Weltstadt initiierte, reagierte man verstärkt auf die Entwicklungen in den einander näher rückenden Kunstmetropolen der Welt, wobei gerade auch junge Künstler aus Asien, Afrika und Lateinamerika immer größere Präsenz zeigten.




Gerhard Richter, Orchidee, 1998
©Gerhard Richter, Kölm; Sammlung Deutsche Bank


Das internationale Ausstellungsprogramm in der Deutschen Guggenheim in Berlin zeugte seit der Gründung 1997 von den breit gefächerten Ansätzen der Kunstaktivitäten der Bank. Neben Ausstellungen zur klassischen Moderne und ortspezifischen Auftragsarbeiten, die von renommierten Künstlern wie James Rosenquist., Jeff Koons oder Bill Viola für die Kunsthalle Unter den Linden erstellt wurden, waren hier auch die Arbeiten der "Künstler des Geschäftsjahres" zu sehen, zu denen auch eine Künstlerin aus der Sammlung Deutsche Bank gehört, deren Werk besonders in den USA von heftigen Kontroversen begleitet wurde.

Die großflächigen Schattenrisse und historisch anmutenden Bilder der afroamerikanischen Künstlerin Kara Walker sind bevölkert von den Charakteren, die das weiße Amerika entwarf, um sich Bilder von den aus Afrika verschleppten Menschen und ihren Nachfahren zu machen. Wie auch auf ihren im Gebäude am Roßmarkt zu sehenden Arbeiten Monument (2001) oder Cot'N'Bale (2001) übernimmt Walker vermeintlich nostalgische Darstellungen der gutmütigen Mammies, devot-verschlagenen Sambos und frechen Coons, der Pickaninnies und Nigger Wenches, die unverhohlen rassistische Stereotypen repräsentieren.



Kara Walker, Monument, 2001
©Courtesy Brent Sikkema; Sammlung Deutsche Bank



Kara Walker, Cot'N'Bale, 2001
©Courtesy Brent Sikkema; Sammlung Deutsche Bank


Und dennoch sind sie alle vertreten in Walkers Schattenriss-Dramen: in degradierenden Positionen, eingebunden in ausufernde Szenen von Sex und Gewalt - erniedrigt, andere erniedrigend oder Erniedrigungen als Beobachter beiwohnend. Wir erkennen sie an den scharf konturierten, emblematischen Umrissen - die Künstlerin kann sich unseres rassistischen Wissens sicher sein. Kara Walker gehört zu einer Reihe jüngerer afroamerikanischer Künstler, die mit dem Archiv rassistischer Bildsprache arbeiten, und auch wenn ihre Arbeiten sich grundlegend von den Gemälden Peter Doigs unterscheiden und aus einem anderen Fundus schöpfen, erwecken auch sie den Eindruck "gefälschter Geschichte". Walker verwendet rassistische Memorabilia und transzendiert sie ins Mythische; sie macht sich ihren emblematischen Charakter zunutze, frustriert aber den Drang zur abschließenden Interpretation. Sklaverei erscheint bei ihr nicht als harmlose und natürliche Sache - wohl aber als Historiengroteske, die von schwarzen und weißen Stereotypen in einem zeitlosen, kulissenhaften Raum nachgespielt wird. Die Scham, die einen bei dieser Aufführung befällt, ist hingegen durchaus in der Gegenwart angesiedel Miwa Yanagi, Eternal City I, 1998 Sammlung Deutsche Bank


"Wenn einem nur wenig Zeit bleibt, dann sollte man im Idealfall in der Lage sein, etwas über die Zukunft der Gesellschaft auszusagen, die man hinter sich lässt", erklärte die japanische Künstlerin Miwa Yanagi zu ihrer Fotoarbeit Eternal City I (1998) die gemeinsam mit über einhundert anderen Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank in der Ausstellung Man in the Middle europaweit gezeigt wird. Neben Takashi Murakami ist Yanagi eine der bekanntesten Protagonistinnen der jungen japanischen Szene, die die Oberflächen einer immer stromlinienförmiger werdenden Konsumgesellschaft in ihren Arbeiten wiederspiegelt.

Wie subtil Yanagi die Grenzen zwischen idealisierender Inszenierung und Authentizität verwischt zeigt ihre Fotographie Yoko & Regine (2001), die am Roßmarkt zu sehen ist: In ihrer fast übernatürlichen Klarheit ähneln sich Yanagis Frauenportraits und konfrontieren traditionelle japanische Geschlechterrollen mit einem modernistischen Ambiente, das von Technologie und Fortschritt geprägt ist. Das kühle Arrangement von uniformierten Hostessen in einer futuristischen Schalterhalle erscheint wie auch die intime Umarmung zweier Frauen am Rande einer Party gleichermaßen surreal und hyperreal. Wenn ihre Bilder traditionelle Frauenrollen hinterfragen, dann tun sie dies ohne eine eindeutige Position zu beziehen.



Miwa Yanagi, Yoko & Regine,2001
©Almine Rech Gallery, Paris; Sammlung Deutsche Ban

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