In dieser Ausgabe:
>> Rundgang Deutsche Bank Tokio
>> Blick nach Osten
>> Miwa Yanagi
>> Naoya Hatakeyama

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Etwa die Hälfte der Werke aus der Sammlung in Tokio sind zur Zeit in Büros und Korridoren aufgehängt. Zusammengestellt wurden sie von Friedhelm Hütte und Yoshiko Isshiki. So sind etwa in der 16. und 20. Etage vor allem Fotografien ausgestellt. Es handelt sich dabei vorwiegend um Arbeiten japanischer Fotografen, die nach Isshiki den größten Teil japanischer Künstler in der Sammlung Tokio ausmachen. Isshiki achtete darauf, dass so bekannte Namen wie Nobuyoshi Araki, Toshihiro Yashiro, Hiroshi Sugimoto und Yukio Nakagawa prominent vertreten sind. Die 17. Etage präsentiert Zeichnungen zu Skulpturen (sculpture drawing), in der 18. Etage dominiert die figurative Malerei, in der 19. minimal art und Konzeptkunst.


Gerhard Richter: Kanarische Landschaften II, 1971, Sammlung Deutsche Bank

Während in den Frankfurter Zwillingstürmen die einzelnen Stockwerke jeweils einem deutschen Künstler gewidmet sind, so dass – von der obersten zur untersten Etage – ein Eindruck von der jüngeren deutschen Kunst- und Kulturgeschichte entsteht, findet man in der Deutschen Bank Tokio eine Konfrontation von Werken deutscher und japanischer Künstler: Georg Baselitz und Kishio Suga, Thomas Schütte und Yuji Takeoka – überall kann der Betrachter Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen deutschen und japanischen Nachkriegs- und Gegenwartskünstlern erforschen: Etwa zwischen den Kanarischen Landschaften des 1932 in Dresden geborenen Gerhard Richter und den Bildern aus der Tomason-Serie des 1937 geborenen Genpei Akasegawa. Als "Tomason" bezeichnet Akasegawa ein nutzloses Objekt, eine Wand ohne Zweck, ein Türgriff ohne Tür, eine Treppe, die nirgendwo hinführt. Benannt wurde die Serie angeblich nach einem amerikanischen Baseballspieler, der in den frühen siebziger Jahren nach Japan kam und dort ein so spektakuläres Formtief erlebte, dass er keinen einzigen Ball traf.


Tatsuo Miyajima: K.C.C. Y/R-7, 1999, Sammlung Deutsche Bank

Am Eingang zu den Händlerräumen für Global Markets fällt besonders das Leuchtzifferobjekt von Tatsuo Miyajima auf: K.C.C. Y/R-7. Es wurde ausgewählt, weil es die Zahlen mit denen die Händler täglich arbeiten, in einen neuen Kontext stellt. "So lange es Elektrizität gibt, kann dieses Werk in völlig zufälligen Abfolgen neue Zahlenreihen generieren, und damit zeigt es auch den unendlichen Charakter der Zahl auf", erklärt Isshiki.


Rupprecht Geiger: Colours in the round, Sammlung Deutsche Bank

Ein Verhältnis zur Kunst, wie es die Deutsche Bank seit Jahrzehnten pflegt, ist in Tokio eher ungewöhnlich. Von den 1.300 Angestellten der Deutschen Bank in Tokio kennen nur wenige die Namen der Künstler und Werke in ihren Räumlichkeiten. Aber das Kunstkonzept der Bank geht auch hier auf: Die Kunst integriert sich in den Alltag, den sie deshalb auch reflektieren soll. Sie entfaltet ihre Wirkung nicht immer an der Oberfläche, nicht sofort, sondern erst in der Dauer, in aller Stille und Diskretion. Yuko Ujita, Vizepräsidentin für Kommunikation und Marketing, spricht es aus. Sie zeigt auf eine Serie von Rupprecht Geiger im Korridor des 19. Stockwerkes. Den Namen des Künstlers kannte sie zu Anfang überhaupt nicht. Aber "ohne diese orangefarbenen abstrakten Gemälde wäre der Korridor für mich heute dunkel und langweilig", sagt sie. Und jedes Mal, wenn sie an diesen Bildern vorbei geht, versetzen ihr Geigers kräftige Farbakzente einen kleinen Impuls: "Sie bringen mich auf kreative Gedanken."

Andre Kunz lebt als freier Journalist in Tokio. Er schreibt für die taz und die Süddeutsche Zeitung.

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