Interview mit Andrea Zittel

Die US-amerikanische Künstlerin Andrea Zittel hat bereits in den neunziger Jahren minimalistische 'Living Units' und 'Escape Vehicles' entworfen, die jeweils individuell auf Personen zugeschnitten waren. Heute wohnt sie in einer Wüstensiedlung in Joshua Tree, Kalifornien, wo sie noch immer an der Verzahnung von Mobilität und Sesshaftigkeit arbeitet. Ein Interview mit Cheryl Kaplan.


Miwa Yanagi: Die Schönheit des Kerkers

Wenn die urbanen Codes, Labels und Moden zur Zwangsvorstellung einer völlig durchorganisierten Gesellschaft werden: Die Deutsche Guggenheim Berlin zeigt Arbeiten der japanischen Fotokünstlerin Miwa Yanagi. Für Maria Morais erinnern die von ihr inszenierten Aufnahmen junger Frauen und Elevator Girls an die barocken Labyrinthe des italienischen Zeichners Giovanni Battista Piranesi.


Nenn mich nicht Stadt

Das Büro am Strand und andere Irrtümer im globalen Dorf: Auf den tagebuchartigen Zeichnungen und Gemälden seiner 'Mental Maps' setzt sich Franz Ackermann mit der Unwirtlichkeit von Mega-Citys und den fragwürdigen Freiheitsversprechungen eines zeitgenössischen Nomadentums auseinander. Harald Fricke hat den Künstler in seinem Berliner Atelier besucht.


Neue Formen der Governance

Wie sehen die Metropolen der Zukunft aus? Am 13. und 14. Februar treffen sich in Barcelona die Bürgermeister aus 16 europäischen Großstädten auf Einladung der Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog, um 'Neue Formen der Governance im 21. Jahrhundert' zu diskutieren. Die katalanische Metropole hat ein Lösungsmodell gefunden - es heißt 'Forum 2004'.


Arbeit am Mythos

Kein Paris ohne Bohemeviertel, kein Berlin ohne den kulturellen Aufbruch in Mitte. Sobald aber Museen, Galerien und Clubs eine Großstadt erst einmal geadelt haben, entwickeln sich ebenso schnell auch dörfliche Strukturen heraus: Künstler und Kreative leben lieber unter sich, meint Ulf Poschardt - und plädiert für etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit dem Hype um Urbanität als Schmelztiegel.


 

Tomorrowland: Visionen urbaner Identität

Die Stadt macht neurotisch. Sie ist laut und ruhelos. Trotzdem werden Städte seit Charles Baudelaire als schöpferische Zentren der Moderne gefeiert. Die aktuelle Ausgabe von db-art-info widmet sich unter dem Titel "Tomorrowland" den Versprechungen, Problemen und verschiedenen Entwürfen, die mit urbanem Leben verbunden sind. Wie sieht es in der zeitgenössischen Kunst aus? Ist die Stadt für Künstler und Künstlerinnen ein Moloch oder ein Dorado der Kreativität? "Als ich nach New York zog, passierte es, das ich die Wohnung verließ und nur zwei Blocks entfernt von diesen Angstzuständen überwältigt wurde und wieder nach Hause gehen musste." Im Gespräch mit Cheryl Kaplan erläutert die New Yorker Künstlerin Andrea Zittel das Konzept ihrer Living Units, mit denen sie in den 90er Jahren Weltruhm erlangte. Heute lebt Zittel in einer Modellsiedlung in der kalifornischen Wüste, weil man "in einer nicht-urbanen Umgebung nicht wie ein Uhrwerk zusammenarbeite n muss". ++++++ In Japan sind die Frauen der Zukunft auch im Alter dynamisch. So zumindest hat sie die in Kyoto lebende Fotokünstlerin Miwa Yanagi porträtiert: Die Konzernchefin steckt in einem Hasenkostüm, das Supermodell hat sich ein Grab aus Marmor als Laufsteg auserkoren, eine Motorradbraut klemmt sich noch im hohen Alter auf eine Harley. Yanagi verfremdet digital Menschen wie Räume. Die Stadt erscheint in ihrem Werk als hermetisch geschlossener Raum, als Spiegelung einer phantastischen Traumwelt, die von Konsum, Uniformität, Labels und Verkleidungen bestimmt ist. ++++++ "Mental Maps" nennt der Berliner Maler Franz Ackermann seine Zeichnungen, die als Psychokartographi en auf seinen Reisen rund um die Welt entstehen. Bei ihm sind die Städte Abbilder einer globalisierten Landschaft, in der der Konflikt zwischen Zentrum und Peripherie immer näherrückt. ++++++ Wie die Zukunft der Städte aussehen wird, ist das Thema der in Barcelona stattfindenden Konferenz "Neue Formen der Governance im 21. Jahrhundert", zu der die Alfred Herrhausen Gesellschaft für internationalen Dialog eingeladen hat. Dort sprechen Bürgermeister aus 16 europäischen Metropolen mit Stadtsoziologen über bessere Konzepte zur Urbanisierung ++++++ Wenn es um den Zusammenhang zwischen städtischem Leben und Kreativität geht, ist Ulf Poschardt skeptisch. Für ihn sind die urbanen Szene-Viertel fast schon wieder gemütliche Dörfer der modernen Boheme.