In dieser Ausgabe:
>> Artcouture
>> Comics für Louis Vuitton
>> Issey Miyakes Laufstegkunst
>> Die Muse der Mode: Claudia Skoda
>> Der Labelpirat Olaf Nicolai

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Kunst und Papier auf dem Laufsteg,
Ausschnitt aus der Performance von Claudia Skoda, 1998

Den Auftakt Show bildeten die in Skoda-Strickkostüme gekleideten Modelle, die sich in einer ausgefeilten Choreographie wie Amphibien durch eine Art Unterwasserwelt bewegen....

Diese Performance hat eine besondere Vorgeschichte. Sie war ursprünglich geplant für das Sechstage-Rennen in der Deutschlandhalle, für das ein umfassendes Kulturprogramm vorgesehen war. Am Abend der Veranstaltung hat sich das Publikum allerdings (lacht) gegen das Kulturprogramm aufgelehnt und während des Programms permanent laut gepfiffen und gerufen "Aufhören, aufhören mit der Kultur! Wir wollen Radrennen sehen!" Danach wären wir dran gewesen. Aber dazu ist es dann nicht mehr gekommen. Alles war produziert, finanziert und geprobt - und dann konnten wir einfach nicht auftreten. Die Performance hatte ich zusammen mit Architekten entwickelt, dazu gehörten auch die Strickkostüme mit den Ballons, die danach erst mal bei mir im Keller lagerten.


Kunst und Papier auf dem Laufsteg, Ausschnitt aus der Performance von Claudia Skoda, 1998 Kunst und Papier auf dem Laufsteg: Thomas Bayrle - Regenmantel & Cape


Welcher Aspekt interessiert Sie bei der Verbindung von Kunst und Mode am meisten?

Wohl am ehesten die Ebene der Bedeutung. Wenn Sylvie Fleury ihre Schuhkartons in die Galerie stellt oder die Leute unter den Anzügen etwas tragen, was gar nicht sichtbar wird, dann finde ich das eigentlich das spannendste an diesen Konzepten. Im Grunde ist es ja auch das, was in Berlin momentan so läuft. Es ist schon sehr spezifisch für die Stadt, wie einige Leute hier arbeiten. Ich denke da besonders an Labels wie Bless, die ihre Vorstellungen minimalisieren und abstrahieren.

Bei Kunst wird immer vorausgesetzt, dass eine übergreifende Idee oder ein theoretischer Überbau vorhanden ist, der über den formalen Umgang hinausgeht. Braucht Mode eine Philosophie? Wenn Ihre Mode einer Philosophie entspringt, wie würden Sie diese formulieren?



Claudia Skoda: Kollektion Frühjahr/ Sommer 2004
©Claudia Skoda


In meiner Laufbahn habe ich eigentlich alle Aspekte bereits durchlaufen. Heute würde ich sagen, mein Ziel besteht darin, dass die Leute meine Mode anziehen möchten. Natürlich spielt hierbei die Kunst eine wichtige Rolle als Stimulans. Aber ich würde sagen, dass diese Rolle in meinen Produkten nicht direkt sichtbar ist.

Eigentlich scheint hier doch wieder das Prinzip durch, das sie für das Konzept der Modenschau im Deutsche Guggenheim wählten, bei der Sie die Rollen von Kunst und Mode vertauschen. Die Unsichtbarkeit der Kunst spiegelte sich beispielsweise auch im Konzept der Unterwäsche von Rehberger wieder.

Genau das meine ich mit dem spannenden Aspekt.

Welcher Künstler ist besonders inspirierend für Ihre Arbeit?

Auf jeden Fall Matthew Barney. Wenn ich die Phasen betrachte, die ich selbst durchwandert habe, gibt es eigentlich nichts, was als Stimulans größer und stärker für mich wäre. Seine Werke sind so komplex und berauschend, dem kann man sich ihnen eigentlich nicht entziehen. Barney ist ein Künstler, der in allen Bereichen arbeitet, mit der Materialität der verschiedenen Medien umgeht und dabei eine ungeheuere Opulenz entwickelt. Bei ihm ist alles vorhanden: Präsentation, Farbe, das Abstrakte, alles ist vorhanden in seiner Arbeit. Ich würde sagen, das ist im Augenblick, wenn ich an Kunst denke, das, was mich am meisten berührt.



Trommelfeuer, 1986

Ob "Big Birds"(1979), "Trommelfeuer" (1982) oder "Dressater" (1988), die von Ihnen produzierten und inzwischen legendären Modenschauen hatten sämtlich den Charakter von Performances. Können Sie uns etwas zur Entstehung dieser Schauen sagen? Welche Rolle spielt die Performance-Kunst für Ihre Arbeit?

Bei Big Birds machten Salomé und Luciano Castelli mit, sie waren die großen Vögel, die über den Köpfen der Zuschauer auf Hochseiltrapezen hinwegflogen. So hatte irgendwie jede Show einen besonderen Live-Aspekt. Es war mir immer sehr wichtig, Künstler und andere Leute mit einzubeziehen. Es bereitet mir einfach mehr Spaß, mit anderen Leuten zusammen etwas auszudenken. Es ist viel motivierender, zu sehen, dass jemand bei einer Idee mitzieht und mit dir an einer Sache arbeitet.

Gab es bei Ihren Inszenierungen Vorgaben für die Choreografie?


Big Birds, 1979, Foto: Castelli

Für Big Birds hatten wir die Kongresshalle wirklich nur für einen Tag gemietet. Wir konnten also Sonnabend Abend rein, haben die ganze Nacht Zeit gehabt, die Bühne zu bauen, um am Sonntag Abend zu performen. So bin ich mit den Models morgens in den Zoo ins große Vogelhaus gegangen. Das waren meine Proben. Ich sagte den Mädchen dann einfach, schaut euch die Vögel an - die standen natürlich alle ganz überrascht da - und habe Ihnen eine Vogelstimme in den Gaumen gesetzt und gesagt, jetzt wird nicht mehr gequatscht, sondern gezwitschert. Das war dann wie Magie. Wir brauchten gar keine weitere Probe mehr.

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