In dieser Ausgabe:
>> Artcouture
>> Comics für Louis Vuitton
>> Issey Miyakes Laufstegkunst
>> Die Muse der Mode: Claudia Skoda
>> Der Labelpirat Olaf Nicolai

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Die Performance wurde richtig intensiv. Die Musik begann, es gehörte so ein Herzklopfen dazu, und ein großes Ei wurde auf die Bühne gerollt, das splitterte und daraus kamen die Künstler als Vögel verkleidet heraus - eben Salomé und Castelli - und danach die Mädchen, die sich wie Vögel in Käfigen bewegten. Es war wirklich magisch, weil plötzlich alle darauf eingestimmt waren. Natürlich habe ich Anfangs bereits eine Idee, aber bei der Umsetzung liegt mir viel daran, das Spontane mit aufzunehmen.

Wie kam es zur Idee für die schillernden "Birds"?



Claudia Skoda Entwurf frei nach Albrecht Dürer,
um 1980, aus der Serie Masterpieces
©Claudia Skoda


Das kann ich genau erklären. Ich war damals viel mit der Künstlerin und Schauspielerin Tabea Blumenschein und der Regisseurin Ulrike Ottinger zusammen, auch Kippenberger hat bei uns gewohnt. Big Birds hatte sehr viel mit der kreativen Szene zu tun, die mich damals umgab... Alle hatten einen sehr starken Drang, sich darzustellen - alle! Das lag auch an der Stadt. Im Verhältnis zu heute war so wenig los. Was es an Theater und Mode gab war wirklich absolut etabliert. Also haben wir versucht, etwas Lebendiges zu machen, damit man etwas spürt, wie beim Hervorbringen einer Gänsehaut. Das war eigentlich der wichtige Aspekt bei der Arbeit. Man hatte das Bedürfnis, in dieser engen und grauen Stadt zu schillern.

In den frühen 80er Jahren schien Berlin eine ganz typisch deutsche Kultur widerzuspiegeln. Die Stadt zog Künstler und Musiker an, wie Nick Caves Birthday Party oder in den 70er Jahren Iggy Pop und David Bowie, die ja mit Ihnen befreundet waren. Die Szene schien von der Auseinandersetzung mit RAF- Terrorismus, Kaltem Krieg oder der Nazivergangenheit Deutschlands geprägt zu sein. Diese Themen spielten eine Rolle für Kunst, Mode, Film und Musik. Man denke nur an die Band " Einstürzende Neubauten". Das passte genau zusammen und wirkte so einmalig. In Kippenbergers Club SO36 kam diese Kultur sehr deutlich zum tragen.



Claudia Skoda-Produktion: Entwurf von Rainer Fetting,
Pullover "Der Kuss", um 1980,
aus der Serie Masterpieces
©Claudia Skoda


Das hing eben stark mit Underground, Sub- und Nachtkultur in Berlin zusammen. Berlin war und ist immer noch ein guter Nährboden, wie New York mit seinen Downtowns, wo die Menschen in Ghettos leben. Und Kreuzberg war ebenfalls eine Art Ghetto. Bevor die Subkultur sich dort entwickelte, lebten ja fast nur Kriegswitwen mit Ofenheizung in dem Stadtteil, und dann starben die alle und die jungen Leute kamen, weil es dort die billigen Wohnungen gab, und sie haben sich in dem Stadtteil eingenistet. Also, eine Zeit lang gab es wirklich starke Parallelen zu New York.

Mitte der 80er Jahre verflog diese Aufbruchstimmung sehr schnell wieder und andere Städte wurden wichtiger.

Heute ist es aber im Grunde so, dass Berlin wieder merklich im Fokus steht. Zur Modemesse Bread and Butter war gerade erst wahnsinnig viel los in der Stadt, schlagartig strömten die Besucher wieder nach Berlin, in der Hoffnung, hier Impulse zu finden. Da fällt mir diese amerikanische Journalistin ein, die von dem Camper-Laden in Mitte so beeindruckt war, und eigens wegen der Eröffnung des Guerillastore von Commes des Garcons herreiste. Commes des Garcons war extra für ein Jahr nach Berlin gekommen, um dieses Konzept hier zu verwirklichen, bei dem eigentlich überhaupt nichts gemacht wird, ohne Schick und Geld dahinter. Es geht nur um diesen Raum, in dem verkauft wird, der Reiz für das Konzept bestand darin, dass Berlin nicht so hochpoliert ist. Andererseits bemüht sich die Stadt hier alles aufzupolieren und eine Glamour-Society zu etablieren. Nach wie vor bietet diese Art Lückengesellschaft, die es in der Stadt gibt, große Attraktivität für Leute von außen.



Claudia Skoda: Kollektion Frühjahr/ Sommer 2004
©Claudia Skoda


In den letzten Jahren ist die Hinwendung zu den 80er Jahren deutlich spürbar, in der Musik durch den Elektropop von Bands wie "Fisherspooner" oder, durch den Retro-Look in der Mode. Auch die aktuelle Berlin Biennale widmet sich hiesigen Kunst und Modeströmungen vor dem Mauerfall. Wie erklären Sie sich die aktuelle Begeisterung für die Achtziger?

Das dürfen Sie mich eigentlich nie fragen. Das war mir immer unverständlich. Auch in der Mode ist das scheußlichste, was ich mir vorstellen kann, ein Revival der Achtziger. Für mich als Schaffende ist das gruselig hoch hundert: an die achtziger Jahre zu denken und dabei Mode zu machen. Sich an etwas Altes zu hängen oder solche Retro-Gedanken finde ich ganz furchtbar.



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