In dieser Ausgabe:
>> Mythos MoMA: Design seen at MoMA
>> Mythos MoMA: Massenkultur und Pop Art

>> Zum Archiv

 

Designer wie Raymond Loewy, Norman Bel Geddes oder Henry Dreyfuss trugen dazu bei, die "Streamline" als herausragendes Modell für wirtschaftliche Verwertbarkeit und Massenkonsum in den Vereinigten Staaten zu etablieren. Für diese Form des Modernismus stellte wiederum die Weltausstellung mit ihrem Futurismus eine hochaufgeladene, kommerzielle Arena dar.

Gegen die alles relativierende Stromlinienform und deren Überbewertung konzipierte der Architekt Philip Johnson am MoMA bereits 1934 mit Machine Art die erste Schau industriell gefertigter Produkte. Jenseits von französischer Art-Déco, die seit den zwanziger Jahren einflußreich war, aber auch jenseits der Maschinenzeitalter-Ästhetik stellte Johnson seine These zu Design fest in den Kontext der Bildenden Kunst. Das Museum sollte so als Vermittler zwischen Industrie und Kultur eine Schlüsselrolle einnehmen. Es ging nicht nur darum, die amerikanische Öffentlichkeit vom Fortschritt zu überzeugen, sondern überhaupt modernes Design zu definieren und ihm den gleichen Stellenwert im Museum zu verleihen, wie seinerzeit nur Malerei oder Skulptur. Johnson verehrte Pablo Picasso und sammelte später auch Künstler wie den abstrakten Expressionisten Franz Kline.



Gerrit Rietveld: Red and Blue Chair, 1917, Foto: Archiv Rietveld

Von 1938 bis 1950 fanden im MoMA jährlich Ausstellungen statt, die unter dem Titel Useful Objects Gebrauchsgegenstände zeigten. Useful Objects war als Wettbewerb angelegt und diente der Aufmerksamkeitssteigerung für Qualitätsprodukte guter Gestaltung - als Synergie von Bildung und Konsum. Das wirtschaftsfreundliche Konzept entwickelte sich in den Jahren 1950 bis 1955 zur Good Design-Ausstellungsreihe, für die Juroren sogar Objekte eigens aus Beständen der Kaufhäuser vom Chicago Merchandise Mart auswählten.


Eingang Lobby zur Ausstellung "Good Design" The Merchandise Mart, Chicago 1950, Maschendraht-Schild gestaltet von Don Knorr, (c)Foto: Fran Byrne


Good Design Sticker von Morton Goldsholl gestaltet, (c) The Museum of Modern Art, Architecture and Design archive

Die Ausstellungsstrategie von Good Design bildete eine wesentliche Grundlage, um Konsumenten und Hersteller umfassend über moderne, neue Produkte zu informieren und gleichzeitig für deren Verfügbarkeit im Handel zu sorgen. Museumsbesucher mit Interesse für moderne Kunst und Design trafen auf Warenhauskunden, deren Urteil zur Bestimmung des landesweiten Kaufverhaltens ebenfalls unerlässlich war. Edgar J. Kaufmann Sr., ein vermögender Kaufhausbesitzer aus Pittsburgh, glaubte sogar, dass das Warenhaus eine progressive Rolle im kulturellen Leben der Gemeinschaft spielen und dabei die Wirtschaft vorantreiben könne. Bereits 1925 ließ er Schaufenster vom ungarischen Designer Laszlo Gabor gestalten, darüber hinaus zeigte das Kaufhaus regelmäßig Wanderausstellungen, die teils vom MoMA organisiert wurden.


Eero Saarinen, Sketches for Pedestal Chair, um 1955, Sammlung Don Petitt

Wettbewerbe im Museum

Auf Anregung von Edgar Kaufmann Jr. organisierte Barr mit dem Leiter der Abteilung für Angewandte Kunst, Eliot Noyes, zwischen 1940 und 1941 den Designwettbewerb "Organic Design in Home Furnishings (Competition)". Dabei gab das Museum die Wettbewerbskriterien vor, das Kaufhaus finanzierte die Ausstattung und stellte Ausstellungsflächen zur Verfügung, während die beteiligten Designer wiederum die Hersteller zur möglichst massenhaften Produktion bewegen sollten. Am Ende boten die zwölf führenden US-Warenhäuser - darunter Bloomingdale's in New York, Marshall Field's in Chicago, Gimbel's in Philadelphia und Kaufmann's in Pittsburgh - die preisgekrönten Möbel zum Kauf an. Damit schien der Gedanke, den Fortschritt der Gesellschaft ästhetisch zu beschleunigen, endlich am Ziel: "Durch die Kooperation mit Sponsoren (Kaufhäuser und Hersteller) ist das Museum in der Lage, die Anlaufzeit zwischen Theorie und Praxis zu eliminieren - ein Umstand, der bis dato die Öffentlichkeit entmutigt hat, sich für gutes Design zu interessieren", hieß es in einer Presseerklärung des MoMA am 26.9. 1941.

[1] [2] [3]