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Freiwillige Unterwerfung

Für Robert Mapplethorpe war Sex eine der höchsten Formen der Kunst. Immer wieder wurde sein Werk wegen der expliziten Darstellung von Sexualität, Sadomasochismus und Fetischisierung kontrovers diskutiert. Oliver Koerner von Gustorf über Pornografieprozesse, Kunstexperten, Rassismusvorwürfe und die radikale Ästhetik von Mapplethorpes Arbeiten.


Pygmalions Blick

Fleisch wird zu Stein, Stein wird zu Fleisch: Das Werk Robert Mapplethorpes verbindet moderne Inhalte mit einem strengen Klassizismus, der nur scheinbar im Widerspruch zu den provokanten Bildthemen seiner Arbeiten steht. Maria Morais über Mapplethorpes ästhetische Versionen des "idealen Schönen", heroische Körper und die Sinnlichkeit antiker Vorbilder.


Interview Germano Celant

In "Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition" treffen alte Meister des Manierismus auf kühle amerikanische Aktfotografie - ein gewagtes Experiment. Mitverantwortlich für diese kühne Gegenüberstellung ist Germano Celant, der als Chefkurator für zeitgenössische Kunst am Solomon R. Guggenheim Museum in New York arbeitet. Ein Exklusivinterview.


Der Mann als nacktes Model

Im visuellen Alltag der Massenkultur hat das Motto "Sex sells" erst mit Mapplethorpe seine Berechtigung auch für den männlichen Körper erhalten. Zugleich insistiert Mapplethorpe aber auch auf der Darstellung des Phallus und auf den pornografischen Vorlagen, an denen er seinen Blick geschult hat. Brigitte Werneburg über neue Werbefotografie und alte Tabus.


Body Language: Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition

Er war ein Erotomane, kühler Ästhet und Pionier: Vor Robert Mapplethorpe, dem das aktuelle Feature von db artmag gewidmet ist, gab es noch keinen bedeutenden Künstler, für den explizit erotische Darstellungen im Mittelpunkt seines Schaffens standen. Seine einzigartigen Blumenstillleben und seine ästhetischen, manchmal auch schockierenden Akte und Porträts sind einem großen Publikum vertraut. Mit „Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition“ erforscht die aktuelle Ausstellung im Deutschen Guggenheim in Berlin nun die klassische Fotographie Robert Mapplethorpes und stellt sie den dramatischen und zugleich anmutigen Stichen der niederländischen und flämischen Manieristen gegenüber. +++++ „Er war ein in wunderschöner Engel, mit einer ziemlich teuflischen Seite“: Ein Interview mit dem Guggenheim Kurator Germano Celant zur Rezeption von Mapplethorpes Werk zwischen kunstgeschichtlich er Weihe und erotischer Provokation +++++ Statuarische Strenge: Maria Morais über die heroische Sinnlichkeit von idealisierten Körpern und Mapplethorpes fotografische Hommage an die Bildhauerei +++++ Einst erregte er nicht nur die Gemüter des Publikums, sondern auch konservative Politiker, Staatsanwälte und Bürgervereine. Seit nunmehr dreißig Jahren hat sich Mapplethorpe vom „Künstler des Obszönen“ zum Klassiker gewandelt. Oliver Koerner von Gustorf über pornographische Inszenierungen und ihre Wirkung auf Moralapostel, Zensurgegner und Kunstexperten. +++++ Sex sells, doch bis heute sind in der Werbung kaum schwarze nackte Modells oder männliche Geschlechtsteile zu sehen: Brigitte Werneburg über den nackten Männerkörper in der Werbung, Mapplethorpes Einfluss auf die kommerzielle Ästhetik und die zentralen Momente seines fotografischen Werkes, die bislang nicht in den Mainstream Eingang fanden. +++++ Mapplethorpe verstand auf ganz ursprüngliche Weise das Zusammenspiel zwischen Abstoßung und Anziehung. Er verletzte die Privatsphäre des Betrachters während er ihm zugleich erlaubte, sich über den öffentlichen Moralcodex hinweg zu setzen. Richtete sich diese Praxis schließlich gegen ihn selbst, oder waren die kontroversen Reaktionen hierbei intendiert? Cheryl Kaplan traf in New York die Guggenheim Kuratorin Jennifer Blessing und sprach mit ihr über Allegorie und Referenzen in Mapplethorpes Werk und die Erfüllung seiner privaten Freuden und Obsessionen.