In dieser Ausgabe:
>> Eröffnung: Der db artshop im Internet
>> Akademierundgang 2004 in Düsseldorf
>> Deutsche Guggenheim Edition: Robert Mapplethorpe

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Phaeton und Thomas:
Die neue Edition des Deutsche Guggenheim zur Robert Mapplethorpe Ausstellung



Edition No. 28 - Robert Mapplethorpe und die klassische Tradition

Mit Mapplethorpe und die klassische Tradition widmet sich das Deutsche Guggenheim derzeit dem kunsthistorischen Dialog zwischen dem fotografischen Werk von Robert Mapplethorpe und der Druckgrafik des holländischen und flämischen Manierismus. Die bemerkenswerte Gegenüberstellung von Kupferstichen und Holzschnitten von Meistern wie Hendrick Goltzius, Jan Hermensz. Muller, Jacob Matham sowie Jan Saenredam und Mapplethorpes Oeuvre veranschaulicht die Faszination, die die Posen und Formen der manieristischen Kunst auf einen der bedeutendsten Fotografen des 20. Jahrhunderts ausübten.

Die neueste vom Deutsche Guggenheim herausgegebene Edition Phaeton und Thomas, 2004, zeigt die mythologische Figur des Phaeton, Sohn des Helios, der sich anmaßte den Sonnenwagen des Vaters über den Himmel zu steuern und schließlich von Zeus gestürzt wurde, um den Weltenbrand zu verhindern.

Der Kupferstich von Hendrick Goltzius spiegelt in seiner Darstellung auch die zu seiner Zeit neu erworbenen Wertschätzung der bildenden Kunst. 1595 hatte der habsburgische Kaiser Rudolf II. die Malerei endlich in den Rang einer Freien Kunst erhoben und sie damit aus dem traditionellen Zunftzusammenhang gelöst. Goltzius Arbeiten reflektieren diese Aufwertung, die unmittelbar mit dem freien Formenspiel des Manierismus verknüpft ist.

Die Arbeit des experimentierfreudigen niederländischen Meisters bildet das Pendent zu Robert Mapplethorpes Aufnahme Thomas von 1987, in der die Leidenschaft des Künstlers für den menschlichen Körper eine seiner klassischsten Ausprägungen erfährt. Dabei wählte er ebenso wie Goltzius in seinem Kupferstich nach Cornelis Cornelisz. van Haarlem die klassische Form des Tondo.

Passend zum ungewöhnlichen Thema der Ausstellung wurde für die Edition No. 28 eine neuartige Technik eingesetzt: Die Diavographie ermöglicht es, einen nahezu rasterfreien Druck mit der Qualität traditioneller Handarbeit zu vereinen. Jede Darstellung wird dabei einzeln auf das Blatt übertragen und bearbeitet.

Die Diavographie auf handgeschöpften Hahnemühle Bütten (55 x 88 cm) ist in der limitierten Auflage von 100 Exemplaren gefertigt und kostet 240 Euro. M.M.