In dieser Ausgabe:
>> Rückblick: Die 35. Art Basel 2004
>> Presse zu "Man in the Middle" und "Design seen at MoMA"

>> Zum Archiv

 
Menschenbilder für Marsbewohner

Die Presse über die Krakauer Ausstellung "Man in the Middle" und "Design seen at MoMA" im Berliner Kunstgewerbemuseum


Fast 100 Werke aus der Sammlung Deutsche Bank werden derzeit im Internationalen Kulturzentrum Krakau in Polen, gezeigt. Dabei scheint der Austausch zwischen beiden Ländern durchaus rege zu sein: Es ist bereits "die fünfzehnte Ausstellung deutscher Kunst bei uns", schreibt die Gazeta Wyborcza Krakau, zu der Rzeczpospolita bemerkt, dass "klingende Künstlernamen" und "bestechende Werke" ausgewählt wurden. Vor allem hat aber der Titel der Ausstellung, Man in the Middle, polnische Kunstkritiker noch einmal verstärkt dazu animiert, über das Menschenbild im 20. Jahrhundert nachzudenken. Für die Gazeta Krakowska lässt sich anhand der Exponate von Ernst Ludwig Kirchner, Otto Dix, Oskar Kokoschka oder Franz Erhard Walther verfolgen, dass die Beschäftigung mit dem Menschen in der Kunst "häufig variiert und zwiespältig ist".

Sehr entschieden setzt sich Piotr Sarzynski mit dieser Wechselhaftigkeit in der modernen Kunst auseinander. Er fragt in seinem Artikel für die Zeitung Polytika: "Was würde ein Marsbewohner über die menschliche Existenz sagen, sollte zufälligerweise ein UFO zwischen diesen Bildern landen?" Sarzynski mag die Kunst des frühen 20. Jahrhunderts, die sich "dem unvollkommenen, im Universum verlorenen und seines Zieles unsicheren Menschen zuwandte", so wie die Arbeiten aus

der Sammlung der Deutschen Bank "dieses Ringen auf eindrucksvolle Weise widerspiegeln". Gleichwohl ist er skeptisch, wenn es um den gesellschaftlichen Stellenwert von Malerei der jüngeren Vergangenheit geht: "Mit den Gefahren, die sich aus gentechnischen Manipulationen für uns ergeben, setzen sich Video- und Installations-Künstler schon seit langem auseinander. In der Malerei wird diese Thematik noch immer vermisst". Deshalb warnt Sarzynsky auch vor zu großen Erwartungen an ein schlüssiges Menschenbild, dass mit der Ausstellung entstehen könnte, und bedauert am Ende das Fehlen von Künstlern, "die sich in der Kunst der letzten Dekaden bemüht haben, etwas wirklich wichtiges über den Menschen zu sagen: Nan Goldin, Ronald Kitaj, Mimmo Paladino oder Maria Lassnig".

Das MoMA in Berlin hat Zuwachs bekommen. Seit Mitte Mai wird im Berliner Kunstgewerbemuseum Design seen at MoMA mit Industrieprodukten des 20. Jahrhunderts gezeigt - eine "sehenswerte Ergänzung zur großen Ausstellung", wie Claudia Schwartz in der Neuen Zürcher Zeitung findet. Dabei ist sie vor allem von der Präsentation begeistert


"Dank MoMA-Wind gibt sich das normalerweise recht bieder anmutende Haus etwas durchgelüftet und präsentiert weniger eine kritische Aufarbeitung als ein großzügig inszeniertes Wiedersehen mit manchem Highlight". Darunter sind Objekte wie Eileen Grays Lampenentwurf Tube Light von 1927 oder Mies van der Rohes Barcelona-Chair (1929), der wie kein anderes Objekt "die hohe Kunst des Sitzens" verkörpert.