In dieser Ausgabe:
>> Landschaftsmalerei in der Sammlung Deutsche Bank
>> Die zweite Natur: Landschaft und Fotografie
>> Ernesto Neto: Reisen in innere Landschaften
>> Land Art: Ausbruch aus dem Kunstraum

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Andrea Zittel: A-Z Homestead Units #2, 2001,
©Andrea Zittel
Courtesy Andrea Rosen Gallery, New York
Sammlung Deutsche Bank

Von Imagine you are driving (1999), der Arbeit des Briten Julian Opie , auf der sich eine Autobahnspur durch eine anonymisierte, virtuelle Landschaft zieht, bis zu den utopischen Living Units der Amerikanerin Andrea Zittel sprechen junge Künstler Themen an, die unmittelbar mit den Folgen der Globalisierung assoziiert sind: Mobilität, das Verschwinden nationaler und kultureller Identität, ökologisches Umdenken, die weltweite Vereinheitlichung von Alltagsdesign und Zeichensystemen, die Fragmentarisierung und Konstruktion von Wirklichkeit.

So entfaltet der Leipziger Neo Rauch als erster bedeutender Ost-West-Maler und Hauptvertreter der „ Neuen Leipziger Schule“ mit seinem Altenburger Fenster (1997) ein Breitwand-Triptychon, das den Blick in eine vom Autobahnbau zerfressene Gegend freigibt. In diesem wiedervereinten Osten blühen keine Landschaften. Hier herrscht Ratlosigkeit. Rauchs Bilder erzählen von einem ernüchterten Deutschland, einer Epoche in der Ideologien und Machtblöcke ihre Gültigkeit verloren haben. Amerikanische Comicästhetik und der sozialistische Realismus des Ostens begegnen sich bei Rauch in einem Konglomerat aufgeladener Zeichen aus der Geschichte des Wiederaufbaus nach 1945.


Neo Rauch, Unschuld, 2001
© VG Bild-Kunst, Bonn 2004
Sammlung Deutsche Bank

In Rauchs surrealen Landschaften scheint die Geschichte zu ewiger Wiederholung verdammt, eigentümlich in einer fremden, idealisierten Vergangenheit eingeschlossen. Zugleich sind sie alles andere als zynisch. Am Ende der Utopie angelangt zeugen sie doch von einer nostalgischen und gleichermaßen aktuellen Sehnsucht in der jungen deutschen Malerei, Zugehörigkeit und Identität neu zu definieren und zu hinterfragen. Mehr erfunden als gefunden erscheint hierbei die Landschaft selbst als ein moderner Mythos – merkwürdig real und zugleich für immer unerreichbar.

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