In dieser Ausgabe:
>> Interview: Louise Bourgeois
>> Karrierefrauen und Material Girls
>> Die Last der Legende: Eva Hesse
>> Close Up: Katharina Sieverding

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Dass ein solches Postgraduierten-Projekt grundsätzlich nötig ist, darüber besteht für Effinger kein Zweifel, zumal sie beobachtet, dass in Zeiten der wirtschaftlichen Krise Frauen immer noch deutlich stärker von Kürzungen und Einsparungen betroffen sind als Männer. Effinger: "Die Verdienstmöglichkeiten von Künstlerinnen, generell von Frauen in Kulturberufen haben sich in letzter Zeit teilweise drastisch verschlechtert." In dieser Situation sei es besonders wichtig, Künstlerinnen den Rücken zu stärken. In den Goldrausch-Kursen werde nicht nur das Bewusstsein der Eigenverantwortung gefördert, die Absolventinnen "gewinnen Sicherheit, auch was den persönlichen künstlerischen Ansatz betrifft". Der Austausch zwischen den Dozenten und den Künstlerinnen und unter den Künstlerinnen selbst ist sehr intensiv: "Wir treffen uns dreimal die Woche und reden dann auch einfach viel miteinander." Als "interne Evaluation" bezeichnet die Goldrausch-Leiterin das, man kann es aber auch Selbstkontrolle nennen, die Überprüfung der eigenen Maßstäbe.

Ute Pleuger: Ohne Titel (Balkone), 1993


Natürlich muss man sich davor hüten, die Wirkung einer Einrichtung wie Goldrausch zu überschätzen. "Das Künstlerinnenprojekt ist insgesamt gesehen nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein", sagt Effinger. Auch sei es unmöglich, jeder einzelnen Teilnehmerin eine Erfolgsgarantie zu geben. "Letztlich können wir nur die Werkzeuge offerieren und unsere Angebote so weit streuen wie es geht, aber Goldrausch ist kein Patentrezept." Am Ende muss jede selber sehen, was sie von dem Crash-Kurs in Sachen Kunst und Realität mit nach Hause nimmt.


Carla Ahlander:
12 Pregnant Female Goats and 1 Male Goat Separated,
2002

Fragt man bei den Absolventinnen nach, so erhält man größtenteils sehr positive Einschätzungen vom Nutzen der Goldrausch-Kurse. Katharina Hohmann aus dem Jahrgang 1992/93 arbeitet seit vier Jahren als künstlerische Mitarbeiterin im Fach Gestaltung/Public Arts an der Bauhaus-Universität in Weimar: "Goldrausch hat mein Leben verändert. Ich bekam dort die Form der Diskussion und Auseinandersetzung, die ich während meines Studiums an der Berliner HdK sehr vermisst habe." Das, so Hohmann, "hat mir damals den Blick geöffnet". Friedericke Feldmann, die momentan eine Gastprofessur an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig innehat, sagt: "Wann hat man schon mal die Möglichkeit, fünfzehn Künstlerinnen und ihre Sichtweisen und Haltungen kennen zu lernen - und dann auch noch zu erfahren, wie sich diese Positionen im Laufe eines Jahres durch gemeinsame Gespräche genauer definieren und verändern?"

Und manch eine revanchiert sich durch Engagement. Vor zehn Jahren wirkte sie selber als Künstlerin am Goldrausch-Projekt mit. Als sie in diesem Jahr gebeten wurde, Mitglied der Auswahl-Jury zu werden, sagte Monica Bonvicini ohne zu zögern sofort zu. "Aus alter Verbundenheit", erinnert sich Birgit Effinger, die überzeugt ist: "Männer hätten einen Kurs wie das Goldrausch-Projekt genauso nötig."

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