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Programmatische Zeichen setzt da schon die Installation im Atrium: Jasper Johns , Willem de Kooning, Barnett Newmans Großskulptur Broken Obelisk und dazu Claude Monets Seerosen aus dem Jahre 1920, die sich im kalten und diffusen Kunstlicht allerdings wenig vorteilhaft machen.


The Abby Aldrich Rockefeller Sculpture Garden
©2004 Kohn Peddersen Fox Associates

In seiner Intimität leicht eingebüßt hat der restaurierte und vom Architekten erweiterte Skulpturengarten. Nach Norden jetzt von einer abweisenden Granitwand begrenzt – vier große Bronzeplaketten mit Rückenakten von Henri Matisse wurden unverständlicherweise demontiert – wird das über 2.000 Quadratmeter große Geviert auf der gegenüberliegenden Seite von einer halbtransparenten Glasfassade gesäumt.



Umberto Boccioni: Unique Forms of Continuity in Space, 1913
©2004 Timothy Hursley

Schon an der Straßenfront bewies Taniguchi durch die Integration der verbliebenen Versatzstücke von Stone, Johnson und Pelli seinen sensiblen Umgang mit den Anforderungen des Stadtraumes - die Gartenansicht des MoMA zählt mit ihren zeitlos klaren Proportionierungen nun zweifelsohne zu den Höhepunkten der Gesamtanlage.

Über allem freilich, in geradezu poetischer Erhöhung im fünften Obergeschoß, schweben die "Klassiker". Dabei hat das Treffen der altbekannten Freunde nie in einem würdigeren Rahmen stattgefunden als in Taniguchis puristischen Hallen. Auch hier bewegt man sich im neuen MoMA in einer Art schwerelosem Raum. Die gewohnte Chronologie ist aufgehoben, der Besucher hat die Wahl: Vom Kubismus und Matisse zu den Expressionisten, von Umberto Boccioni & Co. über Dada bis zu Salvador Dalís – oder eben andersherum.


In den insgesamt 12 Galerieräumen jagt ein Highlight das andere. Ähnlich frenetisch der Takt dann auch einen Stock tiefer, wo die Nachkriegskunst verwahrt ist. Die Anlage des Grundrisses ist nicht auf visuelle Abgeschlossenheit angelegt, sondern auf größtmöglichen "Durchblick": Immer lugt der nächste Picasso oder Warhol um die Ecke, die langen raumübergreifenden Fluchten sind wie gespickt mit vielen bunten Candies aus der Kunstgeschichte. Die erhöhte Transparenz, der bewusste Verzicht auf eine choreographierte Dramaturgie, hat denn auch ihren Preis – die Gefahr einer Reizüberflutung. Dazu gibt es kaum Ruhezonen, während ein fokussierter Dialog mit dem Einzelwerk umso höhere Konzentration erfordert.

Welche Folgen Yoshio Taniguchis Neugestaltung des Museum of Modern Art für die Rezeption der jüngeren Moderne haben wird, bleibt daher abzuwarten. Solange haben die Kuratoren zumindest reichlich Platz, sich mehr denn je der Gegenwart zu widmen. Wenn das MoMA bis dahin freilich nicht längst wieder von der Zukunft eingeholt wurde. Für 20,00 Dollar Eintritt sollte diese Gefahr allerdings eigentlich ausgeschlossen sein.



James Rosenquist: F-111, 1964-65
©2004 Timothy Hursley

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