In dieser Ausgabe:
>> Larger than Life: Jackson Pollock
>> Big in the US: Die Leipziger Schule
>> Europa und die New York School
>> Amerikanische Künstler in Berlin

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Pollocks Freund, der Künstler Nick Carone, hat immer wieder Pollocks Verbindung zu Roberto Matta und Arshile Gorky betont. Ihre Version des Surrealismus unterschied sich deutlich von dem, was allgemein unter Surrealismus verstanden wurde.

Hierbei handelte es sich um einen spezifisch amerikanischen Stil des Surrealismus, der ganz verschiedene Vertreter unter sich vereinte.

Margaret Ellis Essay im Ausstellungskatalog beschreibt wie Pollock sich neue Techniken und Hilfsmittel aneignete, Sprühfarben, oder die ersten auf dem Markt erhältlichen Filzstifte und Kugelschreiber, wie etwa den "Reynold’s Rocket", der 1947 herauskam. Warum war das so überraschend?

Pollock benutzte jedes nur verfügbare Material, was an sich nicht ungewöhnlich ist. Er beschäftigte sich mit dem Gießen von Lack- und Emaillefarben und versuchte, verschiedene Tuschen kontrolliert einzusetzen.


Jackson Pollock, Ohne Titel, 1951
Collection of Barbara and Donald Jonas
©Pollock-Krasner Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2004

In Thomas Hart Bentons Klasse an der Art Students League, in der Pollock als Tutor arbeitete, waren die Studenten "eifrig damit beschäftigt, eine Zeichnung mit einem fetten Bleistift in braunes Einwickelpapier zu ritzen".

Das Papier, das Pollock benutzte, war ganz traditionell.

Wie Packpapierbögen.

Und die Musterbücher.



Jackson Pollock, Ohne Titel
(aus dem zweiten Skizzenbuch, c. 1937 - 38,folio 13) c. 1937 - 38
The Metropolitan Museum of Art,New York
©Pollock-Krasner Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2004

Die frühen Studien aus seinen Skizzenbüchern beruhten immer wieder auf den Gemälden alter Meister.

Pollock begann mit der realistischen Darstellung, die er gut beherrschte und wechselte dann zum abstrakten All-Over, wobei er den Übergang zwischen beidem vollendet meisterte. Jedermann bezeichnete ihn als schlechten Zeichner, sogar Pollock behauptete das von sich selbst. In dieser Hinsicht sind die Skizzenbücher eine Offenbahrung. Die beinahe übertriebene Ausarbeitung nimmt die überbordende Abstraktion und die Dichte seiner Werke der vierziger Jahre bereits vorweg.



Ohne Titel, c. 1939-42 Collection of Blake Byrne, Los Angeles
©Pollock-Krasner Foundation / VG Bild-Kunst, Bonn 2004

Und die pure Energie.

In seinen frühen Skizzenbüchern hinterlassen seine Hände Spuren auf dem Papier und er verschmiert die Farbe seiner Stifte. Ich hoffe, die Besucher der Ausstellung sehen sich das genau an.

Die Künstlerin Agnes Martin ist vor kurzem in Mexiko gestorben. Sie und Pollock wurden im selben Jahr geboren. Es ist interessant, sich die beiden gemeinsam vorzustellen. Im Gegensatz zur eher minimalistischen Haltung Martins erscheint Pollock von einem psychologischen Moment angetrieben, und seine Arbeit wirkt wie ein Fenster, das seine emotionalen Zustände sichtbar macht.

Das wird im Zusammenhang mit Pollock immer wieder gerne betont. Ich weiß allerdings nicht, ob das tatsächlich der Fall war. Agnes Martin war eher nüchtern und asketisch, während Pollocks Persönlichkeit und Werk alle Maßstäbe gesprengt hat. Pollock ging mit seinem ganz persönlichen Verhältnis zur Psychoanalyse sehr offen um; in einer Zeit in der es für die Leute nicht gerade üblich war, sich darüber frei zu äußern – also machte man alles an diesem Umstand fest. Wenn man abstrakte Arbeiten ansieht, steht es dem Betrachter frei, gerade das in ihnen zu erkennen, was er will. Darin besteht gerade die Stärke der abstrakten Kunst. In Pollocks Fall ist es allerdings an der Zeit damit aufzuhören.


Susan Davidson, Kuratorin, Guggenheim Museum
Courtesy: Cheryl Kaplan
©2004, Cheryl Kaplan. All rights reserved.



Wurde der Film von Ed Harris Pollock also nicht gerecht?

Der Film war deshalb so verheerend, weil er zwei Minuten aus einem Mythos herausnahm und ihn auf 90 Minuten aufblies, ohne zu erklären, was für eine Persönlichkeit Pollock war, und was der Grund für seine innere Aufruhr war. Das ist sehr bedauerlich, denn die Beweggründe des Regisseurs Ed Harris, den Film zu machen, waren absolut integer.

Er hat gründlich recherchiert.

Er nahm einen Moment der Geschichte und spielte ihn aus.

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