feature

Makellos Weiß: Kunst und Winter

Strahlender Sonnenschein, azurblauer Himmel, Pulverschnee - so präsentiert sich der Winter gerne in Prospekten und in Katalogen. Auch Künstler fasziniert die vierte Jahreszeit, allerdings meist unter ganz anderen Vorzeichen. Für sie ist der Winter die Zeit der Bedrohung und der harten Kontraste, die Zeit des Dramas, der Einsamkeit und des Vergehens allen Lebens. Ein essayistischer Ausflug in die eisigen Regionen von Fotografie, Malerei, Zeichnung und Videokunst.


True North: Isaac Julien

"True North" heißt die jüngste Arbeit des britischen Videokünstlers Isaac Julien. Sie führt in die Eiseskälte der Arktis: Inspiriert von den Aufzeichnungen des Afro-Amerikaners Matthew Henson, der 1909 als Entdecker den Nordpol erreichte, zeigt Juliens Videoinstallation eine junge, schwarze Frau als Polarpionierin, die zur symbolischen Reise der ehemaligen Sklaven durch die westliche Moderne antritt. Cheryl Kaplan hat Isaac Julien in New York zum Interview getroffen.


Bis das Blut gefriert: Marc Quinn

Mit flüssigem Silikon und ausgetüftelten Kühlvorrichtungen modelliert der der Brite Marc Quinn gefrorene und konservierte Skulpturen von fragiler Schönheit. Dabei verwendet er zur Herstellung seiner Kunstwerke Zutaten wie DNA-Stränge, chemischen Substanzen, exotische Blüten und Pflanzen, Sperma und Kot. Der Londoner Kunstkritiker Ossian Ward beschreibt, weshalb Quinns abgründiger Umgang mit Wissenschaft und Technik in der Kunst bislang einmalig ist.


Filz und Fett: Joseph Beuys

Die nährende Energie von Fett und die Wärme speichernde Eigenschaft von Filz waren zwei Sinnbilder, mit denen Joseph Beuys seine Vorstellungen unmittelbar auszudrücken vermochte. Seine Grundidee war es, durch soziale Wärme den verkrusteten, verhärteten Zustand der Gesellschaft aufzubrechen und in eine von allen Menschen gestaltbare "Soziale Plastik" zu verwandeln. Ulrich Clewing über die Metaphern von Wärme und Kälte im Werk von Beuys.


Cold World

Winterlandschafte n, Eiswüsten, Kristalle: Passend zur Jahreszeit geht es in der aktuellen Ausgabe von db artmag um Kunst unter dem Gefrierpunkt – um Arbeiten, die sich ganz konkret oder auf einer symbolischen, sozialen oder metaphorischen Ebene mit Kälte auseinandersetze n. +++ Isaac Julien gilt als einer der bedeutendsten Videokünstler der Gegenwart, dessen Arbeiten für kontroverse Debatten sorgen. Seine jüngste Videoinstallation thematisiert das Erhabene der Landschaft und konfrontiert das vermeintlich unbefleckte Panorama der Arktis mit der Geschichte von Rassismus, Kolonialismus und Sklaverei. Cheryl Kaplan hat Julien in New York getroffen und exklusiv für db artmag interviewt. +++ Makellos Weiß: Nicht nur Urlauber und Sportler inspiriert der Winter, sondern auch die Kunst. Ulrich Clewing stellt Werke aus der Sammlung Deutsche Bank vor, die sich mit der Jahreszeit der dramatischsten Fallhöhen, der schärfsten und schönsten Kontraste befassen. +++ Pflanzen aus Asien, Afrika und Europa wurden für Marc Quinns Installation „Garden“ entgegen jeglicher botanischer Systematik in einem Edelstahl-Gefriers chrank bei -20°C arrangiert. Diese Blüten werden nie verwelken. Der Versprechung ewigen Lebens steht bei Quinns Werken allerdings eine aufwendige Technik gegenüber, ohne deren Unterstützung seine Stillleben verrotten und zerschmelzen würden. Ein Porträt von Ossian Ward +++ Der Mythos von Filz und Fett als Leben und Wärme spendende Urerfahrung hat Joseph Beuys mit Inbrunst und Idealismus kultiviert. Ein Essay über die Polarität von Wärme und Kälte in Beuys Werk.